Vogelmenschen

Aus Jens Rusch
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"Spatzentandem" Format ca. 36 x 66 cm Aquarell und Zeichnung auf Karton. Preis: 980.- Euro. Das sind tatsächlich alles Spatzen. Die gibt es in wunderbaren Farbgebungen rund um die Erde. Grobe Formel: Je nordischer, desto eintöniger in der Farbgebung, je südlicher, desto bunter. Ganz wie bei den Menschen. Insofern hat das Tandem sogar etwas Kosmopolitisches.
"Dies ist mein Leib..." Ölgemälde auf Leinwand 80 x 110 cm Privatbesitz.
"Weisskopf und die Pinguine" Öl auf Leinwand. 100 x 100 cm. 6200.- Euro Dieses Motiv entstand im Rahmen der Arbeit am Vogelmenschen-Zyklus: "Wir hatten einmal eine selbstironische Diskussion, in der wir (ich glaube, das kam von Ivan Wojnikow, als er seine Pinguin-Spardose vorstellte) uns selbst wegen unserer Logenkleidung als Pinguine bezeichneten. So entstand die Grundidee. Danach kam im Rahmen meiner Recherche über das Konspirationsgeschwurbel und die Frage, wie man im Internet damit umgehen könne, die Wortspielkette "Weisskopfseeadler" als Symbol für die USA und die Wortnähe zu "Weisshaupt". Das führte dann zu der Lincoln-Zeichnung innerhalb der Serie. Im Gemälde habe ich das dann alles verbunden - und finde es köstlich selbstironisch. Für mich die beste Lösung, um dem Konspirationsmüll im Internet mit Humor entgegen zu treten."
"Vogelorchester" Öl auf Leinwand ca 110 x 100 cm. Privatbesitz
Die stymphalischen Vögel, auch Stymphaliden genannt, waren kranichgroße Vogelungeheuer der griechischen Mythologie. Sie hatten ihre Nistplätze im Schilf des Sees Stymphalos. Radierung aus dem Faust-Zyklus von Jens Rusch.

Das animalische Substitut

Das Symboltier der Deutschen ist ?

Richtig, ein Adler. Der sogenannte "Bundesadler".

Das Symboltier der USA ist? Richtig, ein Weißkopfseeadler. Benjamin Franklin hatte nicht viel übrig für den Weißkopfseeadler, das Wappentier der USA. Der Gelehrte fand, der Adler sei ein rechter Feigling und von schlechter Moral. Ganz anders dagegen der Truthahn, den Franklin geradezu vergötterte: ein respektables Tier, ein echter Ureinwohner Amerikas, ein Vogel voller Mut, der nicht zögern würde, einen Grenadier der britischen Garde anzugreifen, wenn es dieser wagte, im roten Uniformrock auf seinem Bauernhof aufzutauchen. Weshalb aber auch in diesem Fall ein Vogel als Stellvertreter für eine ganze Nation?

Als Jakobssegen bezeichnet man die Segenssprüche des sterbenden Stammvaters Jakob für die zukünftigen Zwölf Stämme Israels in Gen 49,3-27 mittels Tiervergleichen.

Unsaubere Menschen werden als Ferkel oder Schwein bezeichnet, linkische als "krummer Hund". Verhasste Menschen als "diebische Elster" oder "alte Krähe". Oft tut man den Tieren mit diesen Vergleichen Unrecht.

Wieviel schöner klingt es da, wenn man eine Opernsängerin als "schwedische Nachtigall" bezeichnet? In der Antike beschrieb Ovid im sechsten Buch seiner Metamorphosen die Geschichte von Tereus, Prokne und Philomela, an deren Ende alle drei Hauptfiguren in Vögel verwandelt werden - je nach Version wird eine der beiden Frauen zu einer Nachtigall. Hans Sachs rühmte Martin Luther in seinem gleichnamigen Gedicht als die „Wittenbergische Nachtigall“. In der Geschichte der Musik wurden mehrere Sänger mit der Nachtigall identifiziert, so nannte man den Kastraten Matteuccio „die Nachtigall von Neapel“ (il rosignuolo di Napoli), und Jenny Lind, eine der berühmtesten Sopranistinnen des 19. Jahrhunderts, wie gesagt, als "Schwedische Nachtigall". Die Autorin Christine Wunnicke nannte ihr Buch über den Kastraten Filippo Balatri "Die Nachtigall des Zaren". Ganz allgemein wurden/werden vor allem leichte Koloratur-Soprane oder Soubretten manchmal als "Nachtigall" bezeichnet, in moderneren Zeiten (20. und 21. Jahrhundert) durchaus auch manchmal abfällig.





Anthropomorphische Tiermenschen

Anthropomorphische Tiermenschen zur Charakterisierung menschlicher Eigenschaften haben eine weit zurückreichende Tradition. Grandville war berühmt für seine Darstellungen von Mischwesen, hauptsächlich von Menschen mit Tierköpfen und Tieren mit Menschenköpfen. Der Künstler kannte und schätzte die Arbeiten des Schweizer Schriftstellers und Philosophen Johann Caspar Lavater .

1788 veröffentlichte der Schweizer Gelehrte seine Schrift Konstruierte Karikaturen und Metamorphosen, Studien über die Vergleichbarkeit menschlicher Gesichter mit den Köpfen von Tieren. Diese Theorien wurden zu Grandvilles Zeit lebhaft diskutiert. Anders als Lavater, der auf eine allgemeine Typisierung abzielte, beschäftigte Grandville sich jedoch mit einzelnen, bestimmten Individuen, die er auch durch Kleidung und Utensilien in ein konkretes historisches Umfeld stellte.

Das hat schier überhaupt nichts mit Verletzungsabsichten zu tun, aber ausgesprochen viel mit Kunst und noch mehr mit Humor.

Gedanken über Hühnergötter

Zum Gemälde "Dies ist mein Leib".


Ich liebe Wortspiele, weil sie für mich eine wichtige Inspiration darstellen. Keineswegs möchte ich blasphemisch sein. Wer starke religiöse Neigungen verspürt, kann ja einfach weiterblättern.Es gibt inzwischen aber mehrere Nachweise, dass der Begriff Hühnergott im Deutschen schon längere Zeit existiert. So hatte bereits vor Reschke der Balte René Drommert (1905–2002) Jewtuschenkos Erzählung mit dem Titel „Der Hühnergott“ ab Januar 1963 für „Die Zeit“ in Fortsetzungen übersetzt.

Einige meiner Verwandten sammelten diese "Hühnergötter", und am Montag haben wir meinem Schwiegervater einen Hühnergott aus Wustrow mit ins Urnengrab gelegt.

Das Wortspiel um diesen "Hühnergott" brachte mich auf die Idee, Teile der biblischen Geschichte aus der Sicht eines Huhnes zu interpretieren und zu malen.

Der Begriff fand 1975 Eingang in den DDR-Duden, wurde aber im nach 1990 gemeinsamen Duden wieder getilgt. Die im Jahr 2000 erschienene 22. Auflage des Bandes Die deutsche Rechtschreibung verzeichnet ihn jedoch wieder.

"Hühnergötter" sind oft Feuersteinknollen mit herausgewitterten Kreideanlagerungen. Der „echte“ Hühnergott hat ein Loch von etwa Stecknadelgröße bis einigen Zentimetern Durchmesser, manchmal Überbleibsel eines einst eingelagerten fossilen Seelilienstängels (siehe Paramoudra zur Theorie über das Entstehen der Löcher). In Deutschland kommen Hühnergötter an der Ost- sowie Nordseeküste (beispielsweise an den Stränden der Nordfriesischen Inseln) und in eiszeitlichen Geröllen des Binnenlandes vor und sind unter Urlaubern als Glücksbringer ein beliebtes Souvenir. Andernorts in Deutschland sind solche Bildungen eher selten zu finden oder als Begriff unbekannt.



"Metalbirds" Ölgemälde auf Leinwand. Format 60 cm x 150 cm. Preis 6800.- Euro

Alle Motive sind auch als Kunstdrucke im Format DIN A3 für nur 40.- Euro erhältlich. Kontodaten ganz unten auf dieser Seite.


Vogelmenschen

Zum Vergrößern bitte ins Bild klicken.

Jens Rusch wurde von einer großen deutschen Tageszeitung das Stigma "Dali vom Elbdeich" verliehen, worüber er zunächst alles Andere als glücklich war. In der Tat ist es kaum möglich, sein künstlerisches Schaffen in eine einzige Schublade zu verfrachten. Es müsste schon ein ganzer Schrank dafür herhalten, oder zumindest doch ein Komödchen - womit wir beim Thema wären. Dass sein Handwerk dem Naturalismus nahesteht, spielt dabei eine untergeordnete Rolle - es sind die Inhalte, die seinen Bilder eine Eigen-Art verleihen. In puncto "Vogelmenschen ist er zudem Grandville näher, als dem apostrophierten Salvador Dali und sollte man dennoch nach einer Schnittmenge suchen, dann wäre es klug, tatsächlich nach dem Komödienhaften zu fragen. Er ordnet seine kleine Bilderwelt in Kategorien wie "Die Küste lebt", wenn es um regionale Bezüge geht, oder "Jens´ Tierleben", wenn er diesen Tellerrand überschreitet. Menschliche Attitüden tierischen Entsprechungen zuzuordnen hat etymologische Dimensionen, nicht nur, wenn es um Charaktereigenschaften geht. Das funktioniert sogar umgekehrt, wenn es nämlich darum geht Tiere nach Kräften zu vermenschlichen. Auch in anderen Kulturen kann man dafür Entsprechungen finden, beispielsweise in den Namen der Ureinwohner Amerikas. Was liegt für einen Künstler also näher, als das Menschliche im Tier und das Tierische im Menschen zu suchen?

Humanornithologische Galerie

Die nachstehende Abbildungen sind nicht chronologisch aneinandergereiht und stehen auch keineswegs in einem thematischen Kontext. Bilder entstehen entweder nach zufälliger Eingebung oder zumindest nach Gesetzmäßigkeiten, die dem Künstler in aller Regel verschlossen bleiben.

Jens Rusch strapaziert in diesem Zusammenhang gern eine Quelle, deren Ursprung er vergessen hat:

"Noch bin ich nicht beflügelt,
doch ist um mich ein Flattern".

Grandville

"Visite" ca 52 x 40 cm Aquarell und Zeichnung auf Karton Preis 780.- Euro
Grandville war berühmt für seine Darstellungen von Mischwesen, hauptsächlich von Menschen mit Tierköpfen und Tieren mit Menschenköpfen; er zeichnete aber auch Kombinationen von Menschen mit Pflanzen oder von Menschen mit Maschinen oder er verband Teile von völlig unterschiedlichen Tieren miteinander. Der Künstler kannte und schätzte die Arbeiten des Schweizer Schriftstellers und Philosophen Johann Caspar Lavater (1741–1801), der 1775 in seinem Werk Physiognomische Fragmente … eine Anleitung geliefert hatte, aus Gesichtszügen und Körperformen bestimmte Charaktere zu erkennen. 1788 veröffentlichte der Schweizer Gelehrte seine Schrift Konstruierte Karikaturen und Metamorphosen, Studien über die Vergleichbarkeit menschlicher Gesichter mit den Köpfen von Tieren. Diese Theorien wurden zu Grandvilles Zeit lebhaft diskutiert. Anders als Lavater, der auf eine allgemeine Typisierung abzielte, beschäftigte Grandville sich jedoch mit einzelnen, bestimmten Individuen, die er auch durch Kleidung und Utensilien in ein konkretes historisches Umfeld stellte.

Seine Zeichnungen verbinden genauesten Realismus in den Details mit phantastischen Zusammenstellungen und satirischen Inhalten. Eine Voraussetzung für derartige Arbeiten war intensive Naturbeobachtung. Grandville betrieb seine Studien hauptsächlich im Pariser Jardin des Plantes, aber auch in der eigenen Wohnung. Alexandre Dumas berichtet in seinen Memoiren von Besuchen bei Grandville, wo er Kanarienvögel, Goldfische und Eidechsen vorfand, Grandvilles Freund und Biograf Samuel Clogenson erwähnt Katzen in den verschiedenen Wohnungen des Zeichners und sah Frösche als Studienobjekte auf dem Tisch. Bei aller naturwissenschaftlicher Genauigkeit wird schon an manchen Studienblättern das Interesse Grandvilles erkennbar, Parallelen zum Menschlichen herzustellen. Beispielhaft dafür ist die Zeichnung einer sitzenden Spitzmaus, deren Haltung diesem Tier eigentlich nicht möglich ist.

Im Jardin des Plantes und auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise entstanden intensive botanische Studien als Grundlage für jene Illustrationen, in denen Pflanzen zu menschlichen Formen und Verhaltensweisen mutierten. Ein wesentliches Beispiel dafür ist, neben Une autre monde, das Buch Les Fleurs animées (Die Seele der Blumen) von 1846/47, wieder mit Texten von Taxile Delord. Darin erscheinen Blumen als elegante Damen, ihr Gestus entspricht den tatsächlichen oder symbolisch zugeschriebenen Eigenschaften der verschiedenen Blütenpflanzen. Etwa 1350 Naturstudien Grandvilles werden im Musée des Beaux-Arts in Nancy aufbewahrt. Quelle: Wikipedia

Zitate: Der Vogeldoktor ist von Grandville entliehen und der Junge von meinem Tutor Norman Rockwell (Nicht, dass man mich im Nachhinein des Plagiats bezichtigt - diese Nähe ist beabsichtigt !)

"Vogelmenschen"-Workshop



Gebt mir Tiernamen ....

Totem ist ein Begriff aus der Ethnologie für Symbole oder Gruppenabzeichen, die eine mythisch-verwandtschaftliche Verbindung zwischen einem Menschen bzw. einer Gruppe und einer bestimmten Naturerscheinung darstellen. Die „Verwandtschaft“ bezieht sich auf die Eigenschaften oder Verhaltensweisen dieser „Vorbilder“,jeweils verbunden mit bestimmten Verhaltensvorschriften für die Träger der Totems.

Der Begriff „Totem“ steht dabei für das Symbol im Sinne einer profanen Metapher oder eines geheiligten Sinnbildes.

Die Gitxsan-Stammesgruppe Westkanadas hat beispielsweise folgende Clan-Totems: Wolf-Clan, Kolkraben-Clan, Frosch-Clan, Stauden-Feuerkraut-Clan (englisch Fireweed Clan), Schwertwal-Clan und Weißkopfseeadler-Clan.


Tiermetapher

Quelle: Wikipedia


Eine Tiermetapher ist ein sprachlicher Ausdruck, mit dem ein tatsächlicher oder auf Stereotypen basierender Bedeutungszusammenhang aus dem Tierreich auf einen anderen, oft menschenbezogenen Bereich übertragen wird. Je nach Zeit, Gesellschaft und Kulturkreis werden die zugrundeliegenden Sinnzuschreibungen unterschiedlich ausgedeutet und verwendet. Tiermetaphern dienen meist der Abwertung durch Entmenschlichung – seltener auch der Aufwertung. Sie werden insbesondere zur Konstruktion und Festschreibung von Feindbildern genutzt, das heißt als Dysphemismus. In der hohen Wirksamkeit von Tiermetaphern wird die Macht sozialer Stereotype erkennbar und zugleich analysierbar.

Beispiele abwertender, entmenschlichender Tiermetaphern für Menschen:

Gans, Huhn, Pute, Schnepfe, Ziege, Kamel, Schaf, Stutenbissigkeit, Zicke: Entmenschlichung von Frauen als dumm, naiv, unfolgsam

Bullenschwein: Dysphemismus für Polizisten

giftiges Natterngezücht, Natternbrut, Schlangenbrut: Abwertung von Menschen mit dem biblischen Bild der Schlange als unehrlich, falsch, heimtückisch

Judensau: antisemitisch motivierte Abwertung von Menschen als unrein und minderwertig

Zecken, Parasiten etc.: Abwertung von Menschen als Ungeziefer oder Schädlinge

Heuschrecken: Dysphemismus für Investoren

Zur Geschichte der Vogelmenschen: Von Apkallu bis Horus

Fotos nach Arbeiten der Gipsformerei der staatlichen Museen in Berlin. Foto: Jens Rusch


Apkallu

Die Abgal (sumerisch für „weiser Herr“, akkadisch Apkallu, NUN.ME) sind sieben sumerische Schutz- und Weisheitsgötter, die besonders in der Heilmagie angerufen wurden. Die rechte Abbildung zeigt einen "Vogel-Apkallu".

Die Abgal waren die „sieben Weisen vor der Flut“, die von Enki (akkadisch: Ea) erschaffen worden waren, um die Zivilisation zu den Menschen zu bringen. Ein Text aus Uruk führt die vorsintflutlichen Könige und die sieben vorsintflutlichen Weisen auf: U-An, U-An-dugga, Enmedugga, Enmegalamma, Enmebulugga, An-Enlilda und Utuabzu. Jeder dieser Abgal hatte eine eigene Rolle. Sie standen für Feuer, Medizin, Gesetze, Handwerk und Kunst. Diese Abgal verschmolzen mit den akkadischen Apkallu zu babylonischen Schutzdämonen. Ein Hinweis auf diese sieben Weisen findet sich auch im Erra-Epos, Tafel I 162, wo sie Puddu-Fische genannt werden. Dort werden sie als "Fischmenschen" dargestellt. Ein Motiv, das wir bei Bosch wiederfinden.

Traditionell werden die Abgal halb als Fisch, halb als Mensch dargestellt oder als Menschen im Fischkostüm. Sie standen wahrscheinlich für andere mythologische Figuren wie Dagon oder Triton Pate. Es gibt aber babylonische Beschwörungstexte, die andere Formen der Apkallu beschreiben. In einer Beschwörung gegen Krankheiten heißt es z. B.:

  • Stelle sieben Menschenapkallu aus Holz an das Kopfende des Kranken.
  • Vergrabe sieben Vogelapkallu aus Ton an einer Wand, die an ein anderes Zimmer grenzt.
  • Die sieben Fischapkallu aus Ton vergrabe vor und hinter dem Stuhl.

Dementsprechend gab es besonders in der spätbabylonischen, aber vor allem der assyrischen Zeit vermehrt verschiedengestaltige Apkallu, Mensch, Fisch, Vogel und Stier. Berühmt sind die Vogelapkallu aus dem Palast in Nimrud. Es ist jedoch teilweise umstritten, ob die Darstellungen Apkallu zeigen oder andere Greifdämonen. Quelle: Wikipedia


Horus

Horus (auch Horos, Hor) war ein Hauptgott in der frühen Mythologie des Alten Ägypten. Ursprünglich ein Himmelsgott, war er außerdem Königsgott, ein Welten- oder Lichtgott und Beschützer der Kinder. Im Mittleren Reich wird Horus als Gottheit des ersten und elften oberägyptischen Gaues (Ta-seti und Seth-Tier-Gau) aufgeführt, in der griechisch-römischen Zeit dagegen als Gott des 16. oberägyptischen und 14. unterägyptischen Gaues. Meist wurde er als Falke dargestellt.

Abbildungen des Gottes Horus zählen sicherlich zu den zahlreichsten eines Gottes in Ägypten. Er ist sowohl in Texten als auch in bildlichen Darstellungen fast allgegenwärtig. Horus wird als Falke oder auch als stehender Mensch mit Falkenkopf, der zuweilen eine Doppelkrone trägt, dargestellt. In der griechisch-römischen Zeit erfolgte die Darstellung des Gottes häufig als Legionär.

Auch das Motiv der den Horusknaben stillenden Isis findet sich gelegentlich auf römischen Münzen mit dem Porträt von Kaiserinnen. Dabei handelt es sich nicht nur um in Alexandria geprägte Münzen für die römische Provinz Ägypten, sondern auch um reichsrömische Münzen, die in Ägypten nicht umliefen. Solche Prägungen dokumentieren die Aufnahmebereitschaft von ursprünglich fremder Mythologie durch die römische Kultur.

Horus hat in der geschichtlichen Entwicklung der ägyptischen Mythologie zahlreiche Veränderungen erfahren: Es entstanden unterschiedliche Wesensformen in Falkengestalt, die jeweils in einen eigenen Mythos eingebettet sind und deswegen unterschiedliche Eigenschaften und Kultorte haben. Der gesamte Mythos um Horus ist deshalb sehr vielschichtig und erscheint zuweilen sehr kompliziert.

Das älteste Wesen des Gottes Horus war jedoch das eines Himmelsgottes. Die beiden Himmelskörper Sonne und Mond galten als die Augen des Gottes, wobei das rechte Auge das sogenannte Sonnenauge und das linke das Mondauge ist. Um beide Augen ranken sich verschiedene Mythen. Die Flügelspitzen des Gottes berührten die Grenzen der Erde. Ein aus der Frühzeit stammendes Bildsymbol, das ein Flügelpaar, die von Re stammende Sonnenbarke und einen darüber sitzenden Falken zeigt, wird als Kontamination verschiedener Himmelsbilder angesehen. Diese Darstellung gilt als Vorläufer des später häufig auftauchenden Symbols der „Flügelsonne“ (Behedeti).

In seiner Bedeutung als Emblem eines siegreichen Volkes avancierte Horus zum Kriegsgott und zum kriegsbringenden Führer,[5] wodurch der Glaube entstand, der König (Pharao) sei dessen irdische Verkörperung. Seit dieser Zeit trugen die Könige Ägyptens den Falkengott Horus in ihrer Königs-Titulatur. Die Bedeutung von Horus als Himmels- und Königsgott wird als gleich alt beziehungsweise zeitgleich angesehen.

Dadurch, dass die Könige zur selben Zeit den Gott Re verehrten, kam es zu einer Identifizierung des Horus mit der Sonne. Der zur Staatsreligion gegensätzlichen Vorstellung des Volkes zufolge war Horus jedoch zwischenzeitlich mit dem Sohn des Osiris gleichgesetzt worden. Die so entstandenen Wechselbeziehungen beider Identifizierungen eines Gottes führten zu einer verschiedenen Mythenbildung. Trotz der Unterschiede dieser beiden Horus-Götter verschmolzen die Ägypter den Sonnen-Horus in späterer Zeit mit dem gleichnamigen Gott des Osiriskultes zu einem Gott Horus. Allerdings führte dieser Verschmelzungsprozess (Synkretismus) in verschiedenen Kultzentren zu unterschiedlichen Ergebnissen, so dass es schließlich fünfzehn verschiedene Horus-Götter gab.

Quelle: Wikipedia

Skizzen

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