Ausstellung Hamburg Logenhaus

Aus Jens Rusch
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In order to comply with the high demand from abroad for our catalogue, we are preparing a multilingual edition. For the time being, however, only the initial German release is available. Throughout, the catalogue exclusively contains color illustrations of the artists work. Please note, that shipping costs respective to your country will apply.

Quelle: Magazin "Humanität". Zur besseren Lesbarkeit bitte zweimal ins Bild klicken.
Foto: Desirée Sharon Buchwald
Laudator Wolfgang Kubicki im Logenhaus Welckerstraße in Hamburg.
Foto: Hartwig Kloevekorn für das Freimaurer-Magazin "Humanität".
Katalog / Hardcover 64 Seiten mit Textbeiträgen von Gerd Scherm, Cornelius Rinne (Pegasus), Jens Rusch und Wolfgang Kubicki
zur Ausstellung: 29.80 €
Inlandsversandkosten: 5.-
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"Holy Scaffolders" Öl auf Leinwand 110 x 110 cm

Die Vernissage

Der Goethesaal war sehr gut gefüllt, mit Brüdern, Schwestern und profanen Kunstfreunden. Der ausstellende Künstler, Roland-Bruder Jens Rusch fragte sich natürlich automatisch ob die vielen Menschen seiner Bilder wegen kamen, oder wegen des prominenten Laudators. Idealerweise stellt man sich wohl am Besten ein Interesse auf der Waage vor, was ja recht freimaurerisch wäre. Freimaurerisches fand sich auch durchaus in den sehr wohlwollenden Worten Wolfgang Kubickis, auch im noch am gleichen Abend gesendeten RTL-TV-Interview. Dort lobte er eine spürbare Öffnung der aktuellen Freimaurerei, der er durchaus mehr Interesse wünschte.. Er erzählte von diversen Begegnungen mit Jens Rusch und lobte dessen Engagement:

" Mir wurde dabei der kuriose Facettenreichtum dieses norddeutschen Künstlers gegenwärtig und auch der spürbare Drang, dem Leben eine unkonventionelle Komponente abzuringen. Neben seinem künstlerischen Lebenswerk gibt es nämlich durchaus weitere Kuriosa, die man nicht unerwähnt lassen darf. Es geht da um ein surrealistisch versponnenes Festival-Projekt, das in der Nähe von Brunsbüttel veranstaltet wird und sich ‚Wattolümpiade‘ nennt. Der Initiator, der an Krebs erkrankte Künstler Jens Rusch, hat sich Nietzsches Diktum, dass der Künstler der Zukunft zum ‚Feste-Erfinder‘ werden müsse, zu Herzen genommen: karnevaleske Feste als Gegenmittel zur Krankheit, als Feier des Lebens. Wenn man dann weiß, dass mit diesem Spaß-Event gut 300.000 Euro von Jens Rusch und seinen Freunden für die Unterstützung ebenfalls Krebs-Betroffener auf absolut unübliche Weise im Elbschlick erstritten wurden, dann versteht man plötzlich sehr gut, wenn Rusch selbst sagt : „Heute sind das Bunteste an mir meine Blessuren.

Jens Rusch betrachtet also ganz bewusst sein karitatives Engagement für seine Aktionen ‚STARK gegen KREBS‘ als zweites Lebenswerk und genau dieser Umstand führt uns zu einer wichtigen Facette seines Lebenswerkes, in eben diese Ausstellung, denn Jens Rusch ist nicht nur ein bekennender, sondern auch ein besonders engagierter und künstlerisch arbeitender Freimaurer.

In dem ebenfalls von ihm gegen viele Widerstände gegründeten und heute für jedermann zugängigen Internet-Lexikon Freimaurer-Wiki fand ich ein Zitat, mit dem ein Logenmeister nach jeder Zusammenkunft seine Bruderschaft verabschiedet und das folgendermaßen nachzulesen ist:

„Geht nun zurück in die Welt, meine Brüder,
und bewährt Euch als Freimaurer.
Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt,
kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken,
seid wachsam auf Euch selbst.“

Ich denke, dass diese Aufforderung in das Stammbuch jedes verantwortungsbewussten deutschen Staatsbürgers gehören könnte, gerade in der augenblicklichen politisch sensiblen Situation. " Zitatende Der Laudatio folgte eine Podiumsdiskussion, der man allerdings leider nur bis in die dritte Reihe lauschen konnte, weil es an einer Saalbeschallung mangelte. Man darf also gespannt auf das gefilmte Dokument dieses Ereignisses sein, denn darin wird man hoffentlich auch verstehen, was eigentlich zu den detailreichen Bildern gesagt wurde, die der Pegasus-Vorsitzende Bruder Cornelius Rinne stilistisch dem Surrealismus zuordnen möchte. Viele der Gemälde zeigen freimaurerische Inhalte, nicht alle werden sich profanen Augen erschließen. "Man sieht nur, was man weiß", um es mit Bruder Goethe zu sagen. Für Freimaurer ist diese Ausstellung jedoch ein herausfordernder Steinbruch künstlerischer Interpretationen.

Der Distriksmeister hat allen V5-Logen per Rundmail empfohlen, die vom Künstler angebotenen Beamer-Vorträge für ihre Gästeabende zu nutzen. Jens Rusch hat darin akribisch die Werdegänge seiner Gemälde in vielen Arbeitszuständen festgehalten und erläutert seine Arbeitsweise.

Zur Ausstellung hat die freimaurerische Künstlervereinigung "Pegasus" einen aufwändigen Katalog herausgegeben. Die Ausstellung wurde initiiert und unterstützt vom Logenmeister der Loge Absalom zu den drei Nesseln, Bruder Hans-Peter Meisner, der auch selbst tatkräftig die Ausstellung mit aufbaute. Das Logenhaus Welckerstraße mit solchen Highlights der Öffentlichkeit näher zu bringen ist ganz sicher unaufdringlicher und sympathischer, als für Fernsehteams die Tempeltüren zu öffnen. Die blieben nämlich am Tage der Vernissage geschlossen.

Sinnsuche und Bildfindung

Realismus muss man nicht erklären. Konsumenten lieben einen überschaubaren Kosmos. Künstler jedoch in den seltensten Fällen, sonst empfinden sie schnell sich als Dekorateure fremder Vorstellungswelten. Das mag einer der Gründe sein, weshalb Surrealisten zunächst begannen, die Brunnen am Wegesrand der eigenen Psyche auszuloten und später auch das, was Menschen prägend zu Menschen machen könnte. Das Unterbewusstsein begann, an Darstellungsgewalt zu gewinnen, die pluralistische Kraft von Ikonographie, von Metaphern und Symbolik hielt Einzug in die Bildwelt der Surrealisten. Man erspürte, daß Bilder als Vehikel für etwas dienen könnte, was hinter der Leinwand und in den Köpfen der Betrachter zu wirken begann. Texte und Musik ebenfalls. Eine Orchestrierung des Vorstellbaren, aber auch der intelektuellen Provokation spaltete die Kunstwelt - und sie polarisiert auch heute noch.


Salvador Dali apostrophierte bereits: " Das, was wir zu sehen glauben, ist lediglich die Visualisierung unserer Vorstellungen". Mit diesem Freibrief öffnete er eine Schnellstraße für Dilettanten jeglicher Coleur, die ihre Bilder nur noch als rebusartige Rätsel entwickelten, als Aufgabenstellung für den Betrachter, den sie mit der Deutung schräger Imaginationen allzu gern allein ließen. Inzwischen gibt es Computerprogramme wie die bekannten "Deep-Dream"-Generatoren von Google, die selbst diese Aufgaben bereits automatisch erfüllen. "Machen Sie aus der schnöden Belanglosigkeit ihrer profanen Welt ein buntes Rätsel".

Aber es gibt auch die ernsthaften Fragesteller, die Gründler, die "Sinnsucher", die noch die Psychoanalyse im Tornister mit sich umherschleppen. Sie riskieren eher ein schlechtes Gemälde, wenn nur die Deutungshoheit plausibel genug über dem Rahmen schwebt. Ein Rohrschach-Test für den Kunstfreund. Die Werke dürfen überfordern, sie stellen den Schöpfer, als überlegenen Spin-Doctor dar.

Vor diesem Hintergrund entwickelte Jens Rusch eine eigene Systematik, deren Verlauf zunächst durch profundes Handwerk geprägt wurde - flankiert von einem manischen Bildungstrieb. Aus Komplexen einen Antrieb zu erarbeiten gehörte ebenso zu seinem Lebenskonzept, wie die Sucht nach literarischer Inspiration. Dazu gehörte zunächst eine vierjährige Arbeit am "Faust" -Zyklus. In der nordischen Walpurgisnacht fällt der enthusiastische Ausruf Faustens: "Hier muss sich manches Rätsel lösen" worauf Mephistopheles verschmitzt anmerkt: "...und manches neue Rätsel knüpft sich auch". Ein freimaurerisches Auftragsgemälde aus dem Gesellenjahr des Künstlers trägt den englischen Titel "The more I know, the less I understand", also etwa "je mehr ich weiss, desto weniger verstehe ich." Damit ist ziemlich treffend umrissen, was Rusch zur Freimaurerei bringen musste. Eine kosmopolitische Struktur und eine Philososophie, die eben jene zwei Seelen in der Menschenbrust respektiert, die Goethe ebenfalls in seinem Dr. Faustus Gestalt annehmen lässt. Ein Selbsterziehungskonzept auf der Basis allgemeingültiger Symbol-Sprache von ausgesprochen hoher Effektivität entsprach auf ideale Weise seinem selbst erarbeiteten Lebenskonzept einer fundierten Sinnsuche.

Der Pendelschlag

So mag es nicht verwundern, dass sich in einer Vielzahl seiner Gemälde und Radierungen Versatzstücke aus der der symbolfreudigen Tiefe freimaurerischen Erkenntnisstrebens finden. Aber man findet auch eine pendelschlagartige Abkehr und Flucht in überschaubare Gefilde. Humor bis hin zum Auto-Zynismus formte ein gegenläufiges Arkanum, sozusagen im mentalen Wellnes-Bereich seines Ateliers. Das musste er nicht neu erfinden, denn Grandville hatte seine Ausflüge in das Staats- und Familienleben der Tiere nie so richtig abgeschlossen. Sich unter die zahllosen Jünger zu gesellen stellte für Rusch keine Schande dar, auch wenn dadurch der Anspruch auf einen absoluten Eigenständigkeitsanspruch reduziert würde.


Und so zogen seine "Vogelmenschen" als eher nebensächliche Resultate einer Bildfindung in nahezu alle seine Arbeitsbereich ein: In seine Wacken-Feldstudien genau so, wie in seine freimaurerischen Symbolgemälde.

Wohlerkannte Komplexe und härtere Rückschläge, wie seine schwere Krebserkrankung, versuchte er, in Kräfte umzudeuten, in ein fast schon sarkastisches Motivations-Schema. Das, was Philip Militz in seinem Buch "Freimaurer heute" so treffend mit "Sterben als Lebensmotor" betitelte, kennzeichnet tatsächlich seine kreative Lebens-Panik. Rusch selbst sagt dazu: "Das Bunteste an mir sind meine Blessuren". Militz beendet seinen Artikel etwas euphemistisch mit der Feststellung: [...] Nein, ich bin mir jetzt ganz sicher: Jens´ Arbeitsplatz ist nicht mehr die Säule der Schönheit. Schon lange nicht mehr. Er ist: Die Säule der Stärke ! [...]

Karnevaleske Feste

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Damit nimmt er Bezug auf das karitative Engagement des Künstlers. Mit dessen Aktionen unter dem Titel "STARK gegen KREBS" wurden zahlreiche Initiativen und Institutionen geschaffen, die der Förderung von Patientenautonomie dienen. Seine selbst entwickelte Maltherapie hilft austherapierten Schmerzpatienten und wird auch im Kinder-Hospiz eingesetzt. Insbesondere wurden palliative Strukturen in seiner norddeutschen Heimat entwickelt und nachhaltig mit hohen Benefiz-Erträgen gefördert. Rainer Gansera sagt dazu: "Es geht da um ein surrealistisches Festival-Projekt, das sich "Wattolümpiade" nennt. Der Initiator, der an Krebs erkrankte Künstler Jens Rusch, hat sich Nietzsches Diktum, dass der Künstler der Zukunft zum Feste-Erfinder werden müsse, zu Herzen genommen: karnevaleske Feste als Gegenmittel zur Krankheit, als Feier des Lebens."

Und weil ihm die Freimaurerei dabei so sehr zum Korsett wurde, verletzen ihn gezielte Lügen und das im Internet so allgegenwärtig verbreitete Konspirationsgeschwurbel fast schon persönlich. Mit dem von ihm gegründeten Freimaurer-Wiki versucht er, zumindest im Internet die Deutungshoheit zurück zu gewinnen. Sein virtuelles Lexikon umfasst inzwischen weit über 4500 Themenseiten und kann stolz auf über 18 Millionen Seitenzugriffe verweisen. Das kann man als seine ganz persönliche Geste deuten, etwas Kraftvolles zurück zu geben.

Online-Workshops

Seinen Dank an die Liebhaber seiner Bilder sieht er hingegen darin, sie an den Prozessen seiner Bildfindungen auf sehr intime Weise teilhaben zu lassen. In zahlreichen Workshops kann man ihm von der Ideenentwicklung, bis zum Schlussfirnis Schritt für Schritt in seinen Facebook-Portalen folgen. "In einer Zeit, in der jeder Besitzer eines Smartphones seine Schnappschüsse mit einem einzigen Klick in ein gemäldeähnliches Konstrukt verwandeln kann, muss man sich als Relikt einer mittelalterlichen Handwerksauffassung verteidigen. Man muss sein Können rechtfertigen, unter Beweis stellen." sagt er. Die Darstellung der Systematik seiner Bildentwickelung hat als Nebeneffekt eine starke Nachfrage nach seinen Workshops und Seminaren generiert. "Keine Kunst ohne Handwerk" steht zwar über seiner Staffelei, wirkt jedoch heute seltsam antiquiert. Das weiss er - und lässt deshalb seine Liebhaber und Bewunderer auch an inhaltlichen Prozessen teilhaben.

Sein jüngster Gemälde-Zyklus "Sinnsuche" umfasst vier großformatige Gemälde, von denen sich nur noch zwei in dieser Ausstellung wiederfinden. Von der Menschwerdung im Gemälde "Creatio ex nihilo", als "Schöpfung aus dem Nichts" bis hin zur finalen Konklusion im hier gezeigten Gemälde "Requiem" führte der Weg über religiöse Sinnsuche und "Naturreligion". Ein profunder inhaltlicher Anspruch, dem überraschend viele Kunstliebhaber nicht nur sehr bereitwillig folgten sondern sogar an der inhaltliche Ausformung teilhaben konnten. Immerhin zog sich der Vorgang durch diese dialoghafte Arbeitsweise über mehrere Monate hin.

Diese Transparenz und handwerkliche Ehrlichkeit lässt Jens Rusch als Künstler und als Freimaurer in einem besonderen Licht erscheinen. So erscheint es mehr als folgerichtig, dass diese Ausstellung jetzt in einem repräsentativen Rahmen in einem Hamburger Logenhaus stattfindet.


Die Vernissage

Der kompetenten Laudatio von Wolfgang Kubicki folgte ein lockerer Talk, moderiert von Oliver Barckhan, der die Veranstaltung für sein Freimaurer-TV aufzeichnen ließ. Die freimaurerische Künstlervereinigung "Pegasus" wurde repräsentiert durch den ersten Vorsitzenden Cornelius Rinne. Das Spektrum der angesprochenen Themen wurde ergänzt durch Fragen aus dem Publikum.

Exponate

Bronzen

Liste noch hyphotetisch

Mischtechniken

Radierungen