Arno Schmidt

Aus Jens Rusch

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Alle Arbeiten unterliegen dem Copyright von Jens Rusch.

"Ausgerechnet zu uns, nach Tellingstedt?" Vernis mou und Aquatinta-Radierung 20 x 15 cm Auflage 99 Ex. Preis: 120.- Euro
"Ausgerechnet zu uns, nach Tellingstedt?" Vernis mou und Aquatinta-Radierung 20 x 15 cm Auflage 99 Ex. Preis: 120.- Euro


Inhaltsverzeichnis

Schule der Atheisten

Ateliertagebuch, Eintrag am 14. März 1991

Callosa de Ensarria

Síst schon kurios. Als ich dieser Tage mein Atelier in Callosa klarschiffte, fiel mir eine Notiz mit Zitaten aus Arno Schmidts "Schule der Atheisten"in die Hände, die ich vor gut fünfzehn Jahren machte:

" ...indes entnahms der Gegend, langsam, das Farbwüste; und ihr Charakter öder Wildheit feierlicher Stille kehrte wieder. Wir betraten einen besonders nassen Nebel, der versprach, uns ans Wasser zu bringen, (und das Versprechen auch unnötig rasch erfüllte); die lange Unfrommheit eines Deiches:

Ein rauher Fluss von Eiderbreite. Jenseits eine sich dicht über der Erde schleppende Wolke. (Die kleinen zornigen Klänge, die obschwebten ?- seien "Möwengeschrei," erklärte mir die einsame Freundin)

Ein farbenblindes Hadesland. Überall glänzten einsame Brunnen; und, in unbestimmter Ferne, Reihen kleiner silbriger Kanäle- die Erde schien sich mir allmählich in eine Flüssichkeit aufzulösen; der Himmel dagegen eine Festigkeit vom Horizont her zu erhalten."

Ich beschloss, das Thema nach Abbildungstauglichkeit abzuklopfen. Es lag zu sehr vor meiner norddeutschen Haustüre - fast aufdringlich.

Jens Rusch 1991

"Die lange Unfrommheit eines Deiches....." Radierung
"Die lange Unfrommheit eines Deiches....." Radierung
"Ein rauher Fluß von Eiderbreite" Radierung
"Ein rauher Fluß von Eiderbreite" Radierung
Ausstellungsrundgang in Tellingstedt: Engholm, Jasper
Ausstellungsrundgang in Tellingstedt: Engholm, Jasper
"Peniden" Radierung und Aquatinta 35 x 30 cm. Aufl. 99 Ex. Preis 200.- Euro
"Peniden" Radierung und Aquatinta 35 x 30 cm. Aufl. 99 Ex. Preis 200.- Euro
"Kühe in Halbtrauer" Vernis mou und Aquatinta-Radierung Auflage 99 Ex. Preis 120.- Euro
"Kühe in Halbtrauer" Vernis mou und Aquatinta-Radierung Auflage 99 Ex. Preis 120.- Euro

Entstehung

Konzipiert und niedergeschrieben wurde das bei weitem komischste unter Schmidts Spätwerken in den Jahren 1969 bis 1971. Schmidt konnte sich dabei auf lokale Recherchen, die er bei einem Besuch in Tellingstedt sammelte, stützen. Das Szenario vom Untergang Europas durch einen dritten Weltkrieg, das von ihm vorher mehrfach behandelt wurde, erhielt dabei eine völlig neue und – für Schmidt überraschend – unbeschwert-heitere Wende. Am Ende gibt es doch noch Hoffnung. Die Handhabung der „verschmidtsten“ Sprache vermeidet alle Gequältheiten, die sich in Zettels Traum doch finden. In Zettels Traum findet sich ein erster Verweis auf das ihm folgende Werk: was weißDû vd 'SCHULE DER ATHEISTEN' !:- héh !? Zettels Traum S. 222, rechts Mitte

Tellingstedt im Jahre 2014

"Das Reservat ist groß genug, dass wir alle darin Unrecht habm koenn..n."Radierung und Aquatinta 35 x 30 cm. Aufl. 99 Ex. Preis 200.- Euro
"Das Reservat ist groß genug, dass wir alle darin Unrecht habm koenn..n."Radierung und Aquatinta 35 x 30 cm. Aufl. 99 Ex. Preis 200.- Euro
Jens Rusch suchte sich in Tellingstedt Darsteller fuer seine Zeichnungen und Radierungen. Hier beginnt Kolderup mit seinem Spaziergang....
Jens Rusch suchte sich in Tellingstedt Darsteller fuer seine Zeichnungen und Radierungen. Hier beginnt Kolderup mit seinem Spaziergang....

Das Buch ist eine Zukunftsgeschichte, es spielt im Jahr 2014. Die USA (als Matriarchat) und China (als Patriarchat) haben als konkurrierende Großmächte den Atomkrieg überlebt, in Europa jedoch nur ein, im für Schmidt typischen Norddeutschen Flachland gelegenes, Reservat an der Eider. Hier sollen die Kultur, die Sitten und Gebräuche der Vergangenheit des alten Europa als touristische Attraktion museal bewahren. Das Gebiet wird regiert von dem fünfundsiebzigjährigen Senator und Friedensrichter William T. Kolderup. Im Oktober 2014 kündigt sich die Außenministerin der USA, Nicole Kennan, genannt Isis, zu einer Besichtigungstour an und stört die Idylle. Eine Auflösung des Reservats könnte bevorstehen.

Malerische Aquatinta.20 x 15 cm. Die Radierung entstand nach dem letzten Foto, welches Eberhard Schlotter kurz vor dem Tode Arno Schmidts in Bargfeld machte. Auflage 99 Ex. Preis 120.- Euro
Malerische Aquatinta.20 x 15 cm.
Die Radierung entstand nach dem letzten Foto, welches Eberhard Schlotter kurz vor dem Tode Arno Schmidts in Bargfeld machte. Auflage 99 Ex. Preis 120.- Euro

Die politischen Schwierigkeiten und Spannungen zwischen den verbliebenen Großmächten erhalten eine jähe Wendung, als Ufos gesichtet werden. Plötzlich besteht die Notwendigkeit, auf dem neutralen Boden des Reservates eine Konferenz mit einer chinesischen Delegation abzuhalten, um den nächsten, drohenden Krieg doch noch zu verhindern. Das Überleben, jetzt nicht nur des Reservats, hängt von einem positiven Ausgang des Treffens ab. Damit dieses Treffen ein voller Erfolg wird, bedient sich der alte Kolderup aller in Kolportage-Romanen üblichen Kniffe. Vor vielen Jahren hatte er mit der Mutter der jetzigen US-Außenministerin einen Schiffbruch vor Spenser Island überstanden (Vorlage hierfür ist das reale Missionsschiff Kandaze). Gerührt durch die damaligen Ereignisse, wird ihm die Ministerin gewogen. Ein Schatzfund (man denke an Schmidts Das steinerne Herz) in Gestalt chinesisch beschrifteter Kacheln, welche sich als wichtiger Bestandteil eines Ahnenschreins entpuppen, eine Reminiszenz an den China-Aufenthalt des Vaters des Verfassers (ein von Schmidt in vielen seiner Bücher geübtes Verfahren) wird hier handlungstragend. Für den chinesischen Verhandlungsführer Yuan Schi Kai stellen die Kacheln wertvolle Geschenke dar. Durch Kolderups geschicktes Agieren kommt es zu einer Übereinkunft der Großmächte und das Reservat erhält eine (vorläufige) Bestandsgarantie.

In die erste Handlungsebene ist raffiniert eine Seereise mit Schiffbruch eingeflochten, als ein „Dazwischenspiel“, am Ende wie ein feingesponnener Traum, der wie eine kalkulierte Fernsehinszenierung mit Tricks hinter den Kulissen für Verwirrung sorgt. Es ist dies der Bericht von der Seereise dreier Atheisten, deren Überzeugung von einer Missionsgesellschaft einer Prüfung unterzogen wird. Dem liegt der reale Bericht über das Missionsschiff Kandaze zugrunde. Ein den Kolportage-Romanen Karl Mays direkt entsprungener junger Apotheker, der in der "Schule" den jugendlichen Helden geben darf, steht hier stellvertretend für die May-Bezüge, die in allen Werken Schmidts vorhanden sind.

Die in den Text der "Schule" eingebauten „Geheimgänge“ und Tapetentüren sind damit noch nicht erklärt. Sie sind Gegenstand des eigenen Erkundens.

Revieroberwachtmeister Schmidt stellt E.M. Butt ihrer Zwillingsschwester gegenueber..... S. 117  BUTT (leichthin): "...... - " (....): "Neenee, also da gibt's nischt: die Frauen Coswix sind berufn ob der Größe & Schönheit ihrer Gesäße ... (?) -"; ..../.../.... BUTT (....): "Also auch Jena zweiflte das an ...(?): nu Meine Tése vd Anhalter=Po's! - Ich, nicht=faul, mach ihm den Vorschlag: stelln Wa Uns, StoppUhr in hand, vor's Portal des ChemieKombinats ...(?): ..../.../.... Standn Wir also 3 Stundn, an SchmiedeEisernes gelehnt, (bzw. den Rükkn an die 1 Linde=da), und sahen die Tausende junger Radlerinnen vorbei=streben: -,-: -(menschnbeobachtnd: aus MenschnLiebe!)- ...(?): NEIN!; man 'verhaftete' Uns mit nichtn!; man weiß alldort sehr=wohl, wie Ich der westlichn Bassen Roßschweif kürze! - Aber, mit 1 Wort,: es ward, dreisti/ämmich, festgestellt: daß Ich mit Meiner Behauptung schlicht=recht hätte!" (SdA 158 u., 159 o.).
Revieroberwachtmeister Schmidt stellt E.M. Butt ihrer Zwillingsschwester gegenueber..... S. 117 BUTT (leichthin): "...... - " (....): "Neenee, also da gibt's nischt: die Frauen Coswix sind berufn ob der Größe & Schönheit ihrer Gesäße ... (?) -"; ..../.../.... BUTT (....): "Also auch Jena zweiflte das an ...(?): nu Meine Tése vd Anhalter=Po's! - Ich, nicht=faul, mach ihm den Vorschlag: stelln Wa Uns, StoppUhr in hand, vor's Portal des ChemieKombinats ...(?): ..../.../.... Standn Wir also 3 Stundn, an SchmiedeEisernes gelehnt, (bzw. den Rükkn an die 1 Linde=da), und sahen die Tausende junger Radlerinnen vorbei=streben: -,-: -(menschnbeobachtnd: aus MenschnLiebe!)- ...(?): NEIN!; man 'verhaftete' Uns mit nichtn!; man weiß alldort sehr=wohl, wie Ich der westlichn Bassen Roßschweif kürze! - Aber, mit 1 Wort,: es ward, dreisti/ämmich, festgestellt: daß Ich mit Meiner Behauptung schlicht=recht hätte!" (SdA 158 u., 159 o.).

Einflüsse und Quellen

In Die Schule der Atheisten bedient sich Schmidt der Operette und, wie der Titel durchschimmern lässt, auch der Komödie Die Schule der Frauen des französischen Dramatikers Molière. Handlungstragend ist der von Jules Verne verfasste Roman Die Schule der Robinsons und der von dessen Bruder Paul Verne verfasste Reisebericht Von Rotterdam nach Kopenhagen.In diesem Reisebericht steht eine Bootsfahrt auf der Eider im Mittelpunkt. Beide Bücher wurden deshalb 1978 in einem Band in der Reihe Haidnische Alterthümer bei Zweitausendeins wieder aufgelegt wie auch der Roman Auf zwei Planeten von Kurd Laßwitz, der Einfluss auf die Science-Fiction-Handlung des Buchs hatte.

Schmidts Rückgriff auf ältere Literaturformen, wie die Zaubermärchen des Rokoko, wohl über Christoph Martin Wieland vermittelt, lassen die Schule als Schmidts versöhnlichstes Werk erscheinen - altersweise wie Wilhelm Raabes Spätwerk.


Hypothetische Begegnungsstätten

Auftrags-Exlibris über Stätten, an denen J.W.v.Goethe und Arno Schmidt sich hätten begegnen können, so sie denn zur gleichen Zeit gelebt hätten.... (Die abgebildeten Radierungen unterliegen dem Copyright Wolf-Dieter Krügers und des Künstlers) Bild:Lauban.jpg

Kleinformatige Radierungen zur Schule

Auflage je 99 Exemplare handsigniert und numeriert. Preis: Je 120.- Euro

Zeichnungen und Mischtechniken

Zeichnungen und Aquarell auf karton. Format ca. 35 x 30 cm. Die Zeichnungen sind die Original-Entwürfe für die entsprechenden Radierungen im gleichen Format.

Exlibris

Der 3. Juni 1979

Ich könnte stundenlang über die Omnipräsenz von AS im Hause Schlotter schwadronieren. Nach seinem Tode auf pulsierende Weise fast präsenter als zuvor. Wir Studenten fragten uns manchmal, wessen Weltbild uns hier eigentlich nahegebracht wurde, jenes von AS oder jenes von es. So formte sich dann auch mein literarischer Kosmos gleichsam mit meinem bildnerischen. Die Prägung wurde so unübersehbar, daß sie zum Konflikt für Lehrer und Schüler werden mußte. Es hat Jahre gekostet, meine eigene Identität wieder zu finden - und dennoch bin ich dafür dankbar. Ich bin auch stolz darauf, daß ich Eberhard Schlotter im April assistieren darf, wenn er mit seinen 89 Jahren seine Vorträge an der Miguel Hernandez Universität hält - man stelle sich das vor. Der Mann hat aber definitiv eine Botschaft. Und zwar eine nach der man heute lange im Nebel stochern müßte. So rätselhaft sich das anhören mag: Diese Botschaft wurde in weiten Passagen durch einen nie aufgehört habenden Dialog mit seinem Freund Arno Schmidt vorformuliert. Es kommt nicht von ungefähr, daß der größere Teil der AS-Illustrationen nach dessen Tod entstand. Das sind radiertechnische Nekrologe. " Illustration bedeutet für mich auch Illumination", so ein beliebtes Schlotter-Zitat. "Schmidt darf nicht mißverstanden werden - ich leiste meinen Beitrag." Wer das Rundgemälde versteht, erkennt das Konzept von Zettels Traum. Beider wertendes, grobschematisches Weltbild schwimmt auf einem wabernden Sarkasmus und einer zynischen Reflektion nach donquichotesken Rezepturen. Eberhard liebt das Idealbild dieses Ritters von der traurigen Gestalt, der erkennt, daß ihn die Realität ihrem Wesen nach enttäuschen muß - und so beschließt er einfach, diese nicht anzuerkennen. Er hat Cervantes nicht einfach nur illustriert - er hat ihn aufgesogen, ihn verinnerlicht wie ein iberischer Dorian Gray. Deshalb malt er auch heute noch und pflegt seine altersreduzierten aber immer noch bewundernswert vitalen Atelier-Zyklen. Manchmal überschneiden sich seine Welten und Sancho reitet übers Schauerfeld, Dulcinea del Toboso schenkt bei Bangemann in Bargfeld Getränke aus. Und dann seufzt er:"Schade das Arno es nie geschafft hat, mich in Altea zu besuchen." Aber das scheint auch die einzige offene Rechnung der Beiden zu sein.--Jens Rusch 21:31, 8. Feb. 2011 (UTC)

Pressespiegel

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