Retrospektive: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Jens Rusch
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Bitte lesen Sie auch diese [[Grußworte]].
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These exhibitions can be experienced virtually. You can move with your mouseclicks three-dimensionally through the rooms and calmly look at the pictures. Determine for yourself which part of the extensive work of Jens Rusch interests you the most.
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== Laudator Michael Legband ==
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Michael Legband
  
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Journalist und Autor
  
== Retrospektive ==
 
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In eigener Sache:
 
  
Im kommenden Jahr werde ich 70 Jahre alt, wenn alles gut geht.
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Rede Retrospektive zu Ehren von Jens Rusch
Meine Bemühungen, irgendwo eine Retrospektiv-Ausstellung als Lebensbilanz zu veranstalten, geriet zu einer Perlenkette von demütigenden Absagen.
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Daraus resultierten depressive Phasen und am Ende eine schmerzhafte Einsicht: Ich bin auf die gleiche Leimrute geflogen, an der Generationen anderer Künstler vor mir kleben blieben: Selbstüberschätzung.
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Hinzu kommt, dass mir lediglich ein relativ überschaubarer regionaler Rahmen zur Überprüfung meiner Maßstäbe zur Verfügung steht - der ganz große, international beachtete Künstler bin ich eben doch nicht geworden. Auch diese Erkenntnis ist mir nicht zugeflogen, ich habe sie mir erarbeiten müssen.
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Freitag, 14. August 2020, 18.00 Uhr Brunsbüttel, Elbeforum
  
Aus diesem Grunde sinne ich seit Wochen darüber nach, wie ich mich aus diesem Labyrinth von Kausalitäten und Fehleinschätzungen lösen könnte.
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Meister Rusch zum Siebzigsten:
  
Und ich bin zu einer Lösung gekommen:
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Hut ab vor einem großen Künstler und einem fürsorglichen Mitbürger - Anerkennung für Brunsbüttels Kulturbotschafter
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Lieber Herr Bürgervorsteher Kunkowski, lieber Herr Bürgermeister Schmetje,  lieber Herr Landrat Mohrdiek, meine sehr verehrten Damen und Herren, die Sie sich hier heute zu Ehren von Jens Rusch versammelt haben. Ich weiß, Sie alle hätten es verdient, dass ich Sie hier namentlich und direkt anspreche, aber das geht nicht, denn dies würde selbst die berühmte Standfestigkeit der Dithmarscher überfordern. Somit bitte ich um Verständnis, dass ich somit nur noch zwei Personen im Rahmen der Begrüßung jetzt direkt anspreche:  
  
Ich möchte stattdessen eine virtuelle Retrospektive in Angriff nehmen.
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Lieber Meister und Freund Jens, liebe Muse-Suse, ich freue mich sehr, dass ich hier das Wort habe. Über Dich ehrende Worte zu sprechen, lieber Jens, das ehrt allemal auch mich. Danke für das Vertrauen.
Viele meiner Sammler und Interessenten würden eine Ausstellung im Regionalbereich ohnehin nicht besuchen können. Tatsache ist, dass ich wirklich Freunde meines Schaffens rund im die Welt habe. Das basiert nicht zuletzt auf unseren freimaurerischen Netzwerken. Grund genug also, eine Retrospektive auf diese Weise in Angriff zu nehmen.
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Nun schwebt mir eine virtuelle Ausstellung als Äquivalent vor.
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Beim Vorbereiten auf den heutigen Abend habe ich mir natürlich die vielen im Internet veröffentlichten Grußworte (sie sind wohl auch in dem Katalog abgedruckt) durchgelesen. Zum einen war ich von der Menge erschlagen, zum anderen haben mich die Inhalte sehr bewegt. Da steht vieles schwarz auf weiß, lieber Jens, auf das Du mehr als stolz sein kannst. In einer Zeit wo Missgunst und häufig Garstigkeiten Inhalt und Ton bestimmen, heben sich diese Grußworte wohltuend ab. Die Verfasser unterstreichen sehr deutlich, was Du in den vergangenen 50 Jahren künstlerisch und menschlich geleistet hast. Respekt vor dieser Sammlung!  Die bösartigen Berufsnörgler an Deinem Werk mögen sich diese Zeilen mal in aller Ruhe zu Gemüte führen und ein wenig über sich nachdenken.  
  
Jens Rusch am 26. April 2019
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Stichwort Nachdenken: Das ist bei diesen so profunden und liebenswerten Grußworten schon eine Herausforderung. Ein wenig habe ich schon Hirnschmalz auf die Frage verwendet, was soll ich denn jetzt bloß noch sagen. Es ist doch alles schon zu Papier gebracht. Also was nun tun?
  
== Die Räume der virtuellen Retrospektive ==
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Der rote Faden dieser kleinen Rede wird aus Begegnungen und Ereignissen bestehen, die Jens und mich miteinander verbinden.
Seite im Aufbau.
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Es fing  - wie bei Menschen unserer Zeit und unserer regionalen Herkunft so häufig - alles im Cheyenne Club in Itzehoe an. Damals noch in  der Brückenstraße. Unsere Helden waren beispielsweise die Rolling Stones, Black Sabbath, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Bob Dylan oder Joan Baez. Ergänzt durch politische Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Václav Havel oder Günther Grass. Und damit wir uns nicht missverstehen: Bewusstseinserweiterndes gab es auch gelegentlich.  
[[Datei:Room one.jpg|300px|left]]
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[[Datei:Faust |300px|left]]
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Wenig später dann - noch in der Galerie Stücker oder besser gesagt darüber - erste gemeinsame Abendessen. Ich erinnere mich an südländische Kost. Das war für ein Landei wie mich eine Offenbarung. Später dann hatte ich die ersten Arbeiten aus Spanien vor Augen und konnte mich gar nicht wieder einkriegen. "Mensch, was ist der gut geworden," rief ich mehrfach aus, als ich zu Hause von den neuen Eindrücken berichtete. Björn Engholm hat es in seinem Grußwort so wunderbar geschrieben: Beim großen Meister Schlotter in Spanien wurde Jens Rusch selbst zum Meister. Mehr geht ja kaum.
=== room one ===
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Dann kam die Zeit der ersten Wattolümpiade. Verrückte machten Verrücktes. So einfach war das für mich. Der Unsinn hat sich mir erst später erschlossen. Das gehört zum Prinzip "lebenslanges Lernen". Aber die Leute waren lustig und wir hatten Spaß. Das ist ja auch ein Wert an sich.
  
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Als ich dann in der Marner Redaktionsstube saß, wo einst meine hoffnungsvolle journalistische Karriere startete, platzten Jens und Suse in die dortige Sperrmüllsammlung - genannt Redaktion - herein. Jens hatte auf "Auf eigene Faust radiert" dabei. Sein Werk, an dem er nicht nur viereinhalb Jahre gearbeitet hatte, sondern bei dem er auch deutlich an die Belastbarkeit seiner psychischen Grenzen gegangen war. Ich war fasziniert. Und dann passierte etwas, was mich alten Volksschüler plötzlich mit deutscher Hochkultur zusammenbrachte. Angeregt von den Radierungen in dem Buch und den Texten von Goethes Faust, fing ich an mich mit Goethe, Schiller, Lessing & Co. auseinanderzusetzen. Jens, Du hast Schuld und danke dafür!
  
=== Faust ===
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Es dauerte nicht lange, da kam Jens schon wieder mit einem Buch unterm Arm in die Redaktionsstube: Theodor Storms Schimmelreiter war radiert worden. Nun musste ich mich auch noch mit Storm befassen.
  
Fortgang der Vorbereitungen: [https://artspaces.kunstmatrix.com/de/exhibition/260924/retrospektive-jens-rusch Retrospektive]
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Neben der technisch perfekten und gedankentiefen Umsetzung fand ich die Herangehensweise großartig. Es wurden mal kurzerhand knorrige Typen hier von der Westküste in Kostüme von damals gesteckt und Jens zeichnete und radierte drauflos. Erinnern möchte ich nur an den poltrigen Deichgrafen Delf Jans und an den Hauke Haien, der eigentlich Zahnarzt ist, an Dr. Klaus Jork. Auch er gehört zu den frühen Förderern von Jens Rusch. Später dann, eine Spätfolge von "Auf eigene Faust radiert", das Zusammentreffen mit Jens Rusch und dem großen Will Quadflieg im Theater Itzehoe. Das  von Jens entworfene Etikett auf der Weinflasche, die der Schauspiellegende überreicht wurde, gefiel ihm sehr. Den Wein charakterisierte er mit der großen Mimik eines Bühnenschauspielers verachtend als Bonschewasser.  - Verlassen wir die Hochliteratur.
  
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Meine Damen und Herren, erleichtert war ich, als ich die erotischen Arbeiten von Jens vor Augen bekam. Da musste ich nicht gleich ganze Bücherschränke durcharbeiten. Die verstand ich so. Sie brachten mich nur ein wenig in Verlegenheit, weil meine Töchter irgendwann im zarten Alter von acht oder neun Jahren überraschend nach Erklärungen der abgebildeten Handlungen verlangten. Also, eines kann ich Ihnen versichern, zur Aufklärung taugen die Arbeiten von Jens auch.
  
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Also: Jens kam mit immer mehr um die Ecke: Radierungen aus der spanischen Phase, Exlibris für Sammler in aller Welt, Bücher, Bücher, Bücher... Häufig verließ ich ihn reichlich beschenkt. Auch dafür gilt es zu danken. Und eines will ich gerne anfügen, weil es mir sehr wichtig ist: Wer sich mit Storm, Goethe, [[Arno Schmidt]], Melville und [[Panizza]] so künstlerisch gekonnt auseinandersetzt wie Jens Rusch, der verfügt über tiefgehende Kenntnisse der Kultur- und Geistesgeschichte. Anders ist das nicht möglich. Ein Hoch auf alle Autodidakten! Und es ist eben Jens Rusch, der es nicht bei Goethe und Co. belässt. Nein, einer wie er wird zum Wacken-Maler. Kein offizieller Titel, aber ein schöner, den ihm Holger Hübner und Freunde vom Wacken-Team zurecht verliehen haben. Kraftvoll wie beim Faust geht es später bei den Wacken-Bildern zu.
  
=== Schimmelreiter ===
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Bleiben wir noch ein wenig beim Werk. Da sind die Auftragsarbeiten: Einiges sehen wir ja hier in der Ausstellung. Kaum eine Persönlichkeit aus der Region und gerne auch darüber hinaus, die sich und die Familien- und/oder Unternehmensgeschichte nicht zeichnerisch portraitieren ließ. Das war für Jens (und auch für Suse, der Taschenrechner an seiner Seite) sehr wichtig. Diese Auftragsarbeiten schufen das sichere wirtschaftliche Fundament für die freien Arbeiten des Künstlers, wenn ich es mal so formulieren darf. Und zur wirtschaftlichen Absicherung haben nicht nur die Auftraggeber dieser gezeichneten Familien-Geschichten beigetragen. Sondern schon ganz früh zu Beginn der Karriere von Jens Rusch, der ja heute auch anwesende Günter Ahlf. Sie, lieber Herr Ahlf, haben Jens in der Anfangsphase sozial abgesichert und an ihn geglaubt. Das war nicht selbstverständlich und soll an einem Tag wie diesem nicht vergessen werden. Dafür hat Jens sich nicht nur mit wunderbaren Werken revanchiert, sondern wie Sie in Ihrem Grußwort schreiben, es ermöglicht, dass ein leibhaftiger Ministerpräsident Sie in den Arm nahm. Das ist doch was.
  
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Durch Auftragsarbeiten und Förderer konnte sich Jens Rusch immer stärker den freien Arbeiten widmen: Und diese haben es in sich. Klar, alle Arbeiten von Jens Rusch haben ihre Geschichten. Häufig sind es zeichnerisch umgesetzte Wortspiele aus dem großen Schatz der Gebrüder Grimm. In den Worten stecken für Jens Rusch die Bilder. Sprache und Texte sind für ihn Inspiration. Das hat auch immer und stets was mit der ständig anhaltenden Befriedigung des Bildungshungers bei Jens zu tun. Da sitzen Vögel plötzlich auf einem Zug. Klar: Zugvögel. Banal. Muss man nur drauf kommen und es dann auch noch so umsetzen, dass es gelungen wirkt. Surrealismus soweit das Auge reicht. Nicht umsonst entstanden Schlagzeilen wie der "Dali vom Deich". Vogelmenschen, Stelzkühe und und und.
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Zu gemeinsamen Weggefährten, wenn ich das so bezeichnen darf, gehört der ehemalige Landtagspräsident Martin Kayenburg. "Beton ... was man draus macht," hieß das Symposium, was unser Jubilar 1990 mit dem damaligen Alsenchef organisierte. Jens stand für den Dialog zwischen Künstlern und Beton. Und Du lieber Jens, warst neben all dem anderen, was so eine Begegnung verlangt, mit dem Zeichenstift dabei. Ich war inzwischen in leitender Funktion bei RTL in Kiel und habe eine hoffnungsvolle Nachwuchsjournalistin samt Team gen Lägerdorf in Marsch gesetzt. Bleiben wir beim Zement. Im stillgelegten Werk in Itzehoe. Hier im von Martin Kayenburg zur Verfügung gestellten Atelier tobtest Du Dich großformatig zu lauter Musik aus. Kraftvoll und ungestüm. Wurzeln für die Wacken-Arbeiten späterer Zeit.  Es ist also fast schlüssig, dass sich diese Riesengemälde heute in der Wacken-Foundation (Stiftung) befinden.
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Es folgte eine Zeit gemeinsam mit den Norddeutschen Realisten. Ich organisierte ja einige Symposien und konnte irgendwann den Begründer Niko Störtenbecker dazu bewegen, dass Du mittun konntest. So landetest Du plötzlich im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Als langjähriges Mitglied der Landespressekonferenz wollte ich gerne einmal Parlamentsgeschichte schreiben. Und so zogen die Malerinnen und Maler fröhlich in das Landeshaus ein, ergänzten die Arbeiten der Parlamentsstenografen mit Pinsel & Leinwand. Wir nannten das "Farbige Debatten". Jens war begeistert und begeisterte. Landtagspräsident Heinz-Werner Arens fand lobende Worte. Ganz nebenbei wurde so nicht nur Parlamentsgeschichte, sondern auch Kunstgeschichte geschrieben. Denn dass mehr als eine Handvoll Künstler eine Woche lang hautnah in einem Parlamentssaal und den angeschlossenen Fraktionsräumen malen konnten wie sie wollten, so etwas gab es bisher nicht und hat es auch so nicht wieder gegeben. Der Deutsche Bundestag übrigens lehnte ein entsprechendes Ansinnen von mir ab. Es folgten dann noch mehrere Symposien mit den Norddeutschen Realisten.
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Vielleicht weiß der eine oder andere es: Ich befasse mich ja intensiv mit der Gedenkarbeit für die Opfer des Nationalsozialismus. Es geht mir dabei um das erste Mahnmal für die NS-Opfer in Nordeuropa. Es steht in Itzehoe. Auch hier hat Jens in den 1990er Jahren künstlerisch gewirkt. Er hat ein ergreifendes Bild gemalt, dass das Mahnmal mit seinem Initiator Prof. Gyula Trebitsch und seinem Architekten Prof. Fritz Höger zeigt. Am Fuße des Bauwerks sind gequälte KZ-Häftlinge halb verhungert zu sehen und Soldaten, die sie befreien. Als wir damals dieses Bild Prof. Trebitsch zeigten, der ja mit viel Mühe und nur durch Zufall die deutschen KZs überlebt hatte, war er sichtlich ergriffen. Und Jens ist mir auch jetzt wieder bei meinem aktuell in Arbeit befindlichen Buch zum Thema eine Stütze bei der Gedenkarbeit. Übrigens genauso wie der wertgeschätzte Martin Kayenburg.
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Springen wir noch mal zur Landespolitik. Im schmucken Haus B, ein von Regierung und Parlament genutztes repräsentatives Haus neben dem Landtag an der Kieler Förde, hängt ein Monumentalgemälde von Dir, lieber Jens. Als zum Abschluss des vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages initiierten Projektes "Schleswig-Holstein Topographie" sich 2008 mehr als tausend Bürgermeister auf Gut Schierensee trafen, hast Du - nach der berühmten Vorlage des Hambacher Festes - diese alle in einem Gemälde zusammengefasst. Großartig. So etwas kannst eben nur Du. Und natürlich der damalige Chefredakteur des sh:z Stephan Richter, der sich ja dieses riesige Projekt, alle Orte des Landes journalistisch zu portraitieren, ausgedacht hatte. Brunsbüttler halten eben auch mal zusammen, könnte man meinen. Schön, lieber Herr Richter, dass Sie gleich auch noch ein paar Worte an uns richten.
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An diesem von Freude bestimmten Tag will ich gar nicht so sehr auf Deine fürchterliche Krebserkrankung eingehen. Nur so viel: Ich bekam eines Tages einen Anruf von Jens, der ungefähr so lautete: "Ich bin hier in Kiel, ganz in Deiner Nähe!" Ich sagte: "Mensch Jens, dann komm doch vorbei." "Nee geht nicht, ich bin hier in der Hals-, Nasen- Ohrenklinik und werde morgen operiert. Wie das ausgeht weiß ich nicht." Na, was soll ich sagen. Solche Anrufe braucht man. Ich bin dann in die Klinik gefahren und habe einige Stunden mehr oder minder hilflos bei Jens am Bett gesessen und dummes Zeug geredet. Ich weiß nicht, wer hilfloser war. Der Patient oder der Freund, der daneben saß. Nach der gelungenen OP habe ich von den postoperativen Beschwerden viel erfahren. Schön, dass Du zusammen mit Suse gekämpft hast. Es hat sich gelohnt und begründet ja Dein unglaubliches soziales Engagement. In wenigen Jahren haben Du und Deine Mitstreiter fast 500.000 € gesammelt. Wer kann das schon von sich sagen. Respekt. Du hilfst vielen unglücklichen Menschen. Das ist wunderbar. Hut ab!
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Neben den Arbeiten als Maler, Zeichner, Radierer bestichst Du ja auch mit Deinen Plastiken. Auch das ist ein weites Feld, um einmal Günther Grass zu zitieren, der ja auch als Plastiker unterwegs war. Auch mit diesen Arbeiten hast Du Dir einen Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus erworben. Wolfgang Kubicki hat ja längst nicht immer recht. Aber wenn der Vizepräsident des Deutschen Bundestages in Zusammenhang mit Deinem Werk von einem "kuriosen Facettenreichtum" spricht, ist dem wenig hinzuzufügen.
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Meine Damen und Herren, wenn ich von gelegentlichen Garstigkeiten gegenüber Jens gesprochen habe, dann gibt es natürlich die andere Seite. Als die ersten Meldungen in der Lokalpresse standen, dass ich für die Bilderauswahl die Verantwortung trage, kamen prompt Anrufe auf meinen Anrufbeantworter. Aus den Kögen schallte es mal auf hochdeutsch mal auf platt, wir haben dieses, wir haben jenes bei uns zu Hause hängen. Gerne stellen wir das Bild für die Ausstellung zur Verfügung. Das zeigt a) lieber Herr Chefredakteur a.D., die Zeitung wird gelesen und b) die Besitzer dieser Werke sind stolz und bekennen sich zu "ihrer" Kunst.
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Diese Ausstellung zeigt einen Querschnitt des Schaffens und wahrlich nicht alles. Das geht schon allein von der Zahl der Arbeiten und der Vielfältigkeit der Interessenlagen des Künstlers nicht. Jens hat allein rund 1.500 Radierungen geschaffen. Aber es sind etliche Arbeiten hier, die Brunsbüttel zeigen. Das muss wohl auch so sein. Schließlich ist dieser Ort die engere Heimat von Jens und wenn die Stadt Brunsbüttel diese Retrospektive dem Meister  zum Geburtstag schenkt, ist ja wohl klar, dass Brunsbütteler Motive dazugehören. Bonn oder Berlin würden nicht so viel Sinn machen. Überhaupt muss ich sagen, großartig lieber Herr Bürgervorsteher, lieber Herr Bürgermeister, das Sie Jens Rusch dieses Geburtstagsgeschenk hier machen. Auf der einen Seite könnte ich sagen, es ist selbstverständlich. Ist es aber wahrlich nicht. Neben dem Nord-Ostsee-Kanal, der chemischen Industrie steht aber schon Jens Rusch als Sohn und Botschafter dieser Stadt, mit seiner Kunst und mit seinem sozialen Engagement. Schön, dass die Kommunalpolitik beides heute zu würdigen weiß. Respekt!
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Auch Künstler gehen  gelegentlich nicht immer so miteinander um, wie es vernunftbegabte Menschen tun sollten. Künstlerkollegen wissen schon, wo es wehtut, wenn man treffen will. Aber es gibt natürlich jede Menge wohltuende Gegenbeispiele: Lassen Sie mich hier mal beispielsweise von dem großen Friedel Anderson sprechen. Viele wissen es vielleicht gar nicht. Friedel hat vor 34 Jahren bei Jens Geduld und Demut gelernt, wie er heute schreibt. Und er sei nachhaltig mit dem Tiefdruckvirus infiziert. Ohne die damals von Jens Rusch ausgegangenen Impulse hätte es wohl das grafische Werk von Friedel Anderson nicht gegeben. Anderson bezeichnet Jens Rusch als Meister, der weiß, dass ohne Handwerk, Disziplin, Fleiß und Ausdauer nur das Scheitern bleibt. "Für Dein Vertrauen und Deine Großzügigkeit bleibt Dir immer mein Dank", sagt Friedel Anderson und meint damit die vor mehr als drei Jahrzehnten stattgefundene einjährige radiertechnische Zusammenarbeit.
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Und der Großmeister der Radierung schlechthin, Wolfgang Werkmeister, spricht Jens "verblüffende Fähigkeiten" zu. Er beherrsche die Radiertechnik ebenso brillant wie die transparente Ölmalerei. Jens Rusch habe sich nie dem Zeitgeist gebeugt, sondern als eine Art Solitär seine Bildwelten gestaltet. Was Beachtung fand und findet.
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Und die Legende unter den Marinemalern schlechthin, Kapitän Hans-Peter Jürgens, stellte einst in der von mir schon erwähnen IHK-Galerie in Kiel zum Thema Walfang aus. Zusammen mit Jens, der seine Moby Dick-Arbeiten präsentierte. Der schon sehr betagte Seemann, der in jungen Jahren das Kap Horn mit Segelfrachtschiffen umfahren hatte, kam meist täglich mit einer wechselnden Fanschaar in die Ausstellung. Ich dachte mir so, mein Gott, was ist der alte Herr eitel. Als ich ihm mal freundlichst auf die häufigen Besuche in der Merkur-Galerie ansprach und ihn fragte, ob er nun bald alle seine Werke an die mitgebrachten Fans verkauft habe, antwortete er lachend. Nein, ich komme hier nicht wegen meiner Bilder her. Ich zeige meinen Freunden die Arbeiten von Jens Rusch. So etwas an großartiger Technik habe ich noch nie gesehen. Das können nicht viele. Glauben Sie einem alten Pinselquäler. Tat ich!
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Drei Beispiele, dass Künstler nicht nur das eigene Werk loben können.
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Meine Damen und Herren, ich könnte noch viel zitieren. Auch aus der unendlichen Flut der beeindruckenden Grußworte. Es ließe sich viel über Wacken sagen. Da bin ich auch anfällig. Ich habe ja in meinem Buch über den Verleger Alexander Jahr dazu geschrieben. Zu Santiano könnte ich mich äußern, zu Prof. Joachim Krause, dessen politischen Analysen ich nicht immer teilte, jedoch seine Worte über Jens gefielen und gefallen mir stets gut. Die Wattikan-Freunde nicht zu vergessen oder Helmut Schramm, auch ein Förderer von Jens. Auch will ich jetzt hier und heute nicht alle Prominenten, die in Eurer Galerie zu Gast waren, liebe Suse, lieber Jens, aufzählen. Das ging ja von Hellmut Karasek, Rüdiger Nehberg über Ralph Giordano bis hin zu Uwe Friedrichs und vielen mehr.
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Es gäbe noch so viel zu sagen. Aber diese kleine Rede soll ja nicht in so eine Art Christenverfolgung der Neuzeit ausarten.
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Eines möchte ich gegen Ende meiner Worte hier gerne noch loswerden. Lieber Jens, Du gehörst ja heute zu den wenigen Künstlern, die im Alter gut leben können. Das ist ja nicht die Regel. Wirtschaftlich unabhängig zu sein, ist ja ein Wert an sich. Das alles hast Du Dir, lieber Jens, erarbeitet. Das war nicht immer so. Ich habe ja von frühen Förderern gesprochen. Aber es gab auch die anderen. Du musstest schon gewaltig gegen den stürmischen Wind in Dithmarschen ankämpfen. Aber als Fischerjung' war und ist Wind ja Dein Element. Du bist nicht untergegangen. Ganz im Gegenteil.  Und Deinen Zopf trägst Du auch nicht ohne Grund. An dem hast Du Dich symbolisch oft genug aus diesem Sumpf ziehen müssen.
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Mich erinnert an diese Zeit und an die damit gelegentlich verbundenen Unbotmäßigkeiten Dir gegenüber ein Gemälde, was einst im fernen Spanien entstand. Und als Kurator dieser Ausstellung habe ich darauf bestanden, dass es hier ausgestellt wird. Es heißt "Dithmarscher Pils" und zeigt eine am Boden liegende zerdepperte Bierflasche aus dem Hause Hinz. Das passt! Treffender kann man es nicht erschaffen. Da ist sie wieder, so eine kleine Geschichte auf der Leinwand. Und weil es so schön passt und ich den großen Staatsmann Winston Churchill so gerne zitiere: "Alle verdienstvollen Männer haben Feinde".
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Lieber Jens, liebe Suse, ich bin sicher, dass ich im Namen aller hier sagen kann: Wir wünschen Euch noch viele gemeinsame und schöne Jahre. An Jens sei die Bitte gerichtet, schenke uns noch möglichst lange Deine wunderbaren Arbeiten. Hör nicht auf zu Schaffen. Viele Ideen im Kopf und auf Papier!
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Ich verneige mich in Respekt vor Dir und Deinem Lebensweg, vor Deiner Kunst und Deiner Persönlichkeit. Danke, dass es Dich gibt, alter Freund! Und warum setze ich jetzt diesen ollen Zylinder von Opa auf?  - Ist doch klar: Damit ich den Hut vor Dir ziehen kann.
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== Festrede Wolfgang Kubicki ==
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[[Datei:Kubicki Rusch2.jpg|350px|right]]2020 ist ein sehr ungewöhnliches Jahr. Es sollte eigentlich ein Jahr der großen Ereignisse für Brunsbüttel werden. Der Nordostseekanal wird 125 Jahre alt, die Wattolümpiade hätte morgen (15. August) stattfinden sollen und nicht zuletzt: Jens Rusch feiert seinen 70. Geburtstag. Doch nach all der Vorfreude kam Corona!
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Zwei der drei Veranstaltungen konnten leider nicht stattfinden. Daher freut es mich außerordentlich, dass Ihr Geburtstag trotz Pandemie nachgefeiert wird.
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Die Stadt Brunsbüttel ehrt Sie heute – selbstverständlich unter Corona-Auflagen – mit einer großen Retrospektive. Ich danke Bürgermeister Martin Schmedtje und Bürgervorsteher Michael Kunkowski dafür, dass diese Veranstaltung unter diesen erschwerten Bedingungen überhaupt stattfinden konnte. Dafür noch einmal herzlichen Dank!
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Lieber Jens Rusch,
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ich weiß genau, wie es ist, von anderen Menschen einen Namen oder eine Bezeichnung nachgerufen zu bekommen. Bei mir waren diese Charakterisierungen im Laufe meines Lebens allerdings nicht annähernd so schmeichelhaft wie bei Ihnen.
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Eine kurze Gegenüberstellung: Mich nannte man „Knallfrosch“, Sie sind der „Dali vom Deich“. Sie sind Botschafter Dithmarschens, ich der „Querulant des Nordens“. Ich wurde als „Windei“ bezeichnet, Sie wurden als „Mensch des Jahres“ ausgezeichnet.
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Was zumindest bei Ihren Bezeichnungen erkennbar wird, ist, dass hinter Ihrem künstlerischen Schaffen ein Mensch steht, der deutlich mehr ausstrahlt als jemand, der „nur“ sein künstlerisches Handwerk versteht.
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Sie haben einiges durchgemacht, das Leben war nicht immer gut zu Ihnen. Einer der schlimmsten und unerbittlichsten Krankheiten haben Sie nicht nur mutig getrotzt, sondern anschließend beherzt den Kampf angesagt. Und dabei haben Sie Großes geleistet.
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Die Wattolümpiade, der wir regelmäßig mit gespannter Freude entgegensehen, ist eigentlich aus etwas Traurigem geboren worden. Trotzdem – oder gerade deshalb – feiert sie das Leben. Dabei hat sie mittlerweile nicht nur internationale Bekanntheit erreicht, sondern bald eine halbe Million Euro im Kampf gegen den Krebs eingespielt. Die Wattolümpiade ist also ein Gegenmittel gegen viele Krankheiten, weil sie an Wahnsinn grenzenden Spaß mit dem guten Zweck verbindet.
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Lieber Jens Rusch,
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Schleswig-Holstein kann sich glücklich schätzen, dass Sie dem Land nicht nur treu geblieben sind, sondern ihm auch Ihren Stempel aufgedrückt haben. Ob mit Veranstaltungen wie „Lautstark gegen Krebs“, „Moin Refugees“ oder Ihrer Corona-Spendenaktion in diesem Jahr: Es ging Ihnen immer darum, selbst auch vorzuleben, dass der Stärkere dem Schwächeren helfen muss. Wer einmal selbst zu den Schwächeren gehört hat, dem geholfen werden musste, weiß genau, wovon er spricht.
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Zu Ihrem 70. Geburtstag gratuliere ich Ihnen ganz herzlich. Bleiben Sie so, wie Sie sind. Denn Sie animieren andere, so zu werden, wie Sie sind. Alles Gute!
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== Werke, die durchaus polarisieren ==
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von Ulrike Krickau
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Boyens-Medien
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16. August 2020
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Wirkmächtige Arbeiten hat er geschaffen und im Laufe der Jahrzehnte ist ein gewaltiges Oeuvre entstanden. Zur Vernissage sind viele der Weggefährten von Jens Rusch erschienen.
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Der Journalist Michael Legband hält die Laudatio, erinnert an seine erste Begegnung mit Jens Rusch, als der mit einem Band Illustrationen in der Marner Redaktionsstube auftauchte, erinnert auch an die Verwirrung seiner beiden seinerzeit noch kleinen Töchter angesichts der erotischen Malereien Ruschs. Der Politikwissenschaftler Joachim Krause merkt in seiner Ansprache an, dass es Jens Rusch gelungen ist, sich über all die Jahrzehnte seines Wirkens die Kreativität erhalten zu haben. Wolfgang Kubicki, nie um ein Bonmot verlegen, weiß etwas Hübsches aus der Bayerischen Staatskanzlei beizutragen. Denn die hatte, anlässlich des geplanten Besuches von Markus Söder, darum gebeten, für die Wattwanderung des Ministerpräsidenten Gummistiefel bereitzustellen. Kubicki, das ist ihm anzumerken, hätte den bayerischen Ministerpräsidenten samt seiner Gummistiefel gerne für ein paar Minuten ins Watt gestellt, um ihm dann dabei zuzuschauen, wie er aus der Situation wattolümpiadenreif wieder rauskommt.
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Aber als schon beinahe alle wohlwollenden Worte gesprochen sind, wird das Mikrofon an den Zahnarzt Dr. Klaus Jork weitergereicht. Der erinnert sich noch gut an die kleine Beule am Kiefer von Jens Rusch. Die rasch wuchs. Und dann als rasch wachsende Krebsgeschwulst diagnostiziert wurde, die im Jahre 2001 mit Operationen, Chemo- und Strahlentherapie behandelt wurde. Jork sprengt mit seinen Worten den sonst üblichen Rahmen einer Vernissage, es ist ein wahrhaftiger Moment, der berührt und betroffen macht. Jens Rusch, der nach ihm spricht, kämpft während seiner ersten Sätze deutlich um Fassung. Seine Krebserkrankung war für ihn der Anlass seines Engagements gegen den Krebs, über 400 000 Euro Spendengelder sind inzwischen zusammengekommen, unter anderem auch durch die von ihm initiierte Wattolümpiade.
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Rusch spricht von dem Maler Norman Rockwell, der erst lange nach seinem Tod Anerkennung fand. 14 Jahre war Jens Rusch alt, als sein Großvater ihm einen Fernkurs für die damals ungeheure Summe von 1400 DM finanzierte, bei der Norman Rockwell die Arbeiten von Jens Rusch kommentierte und korrigierte. Rusch spricht auch von Max Ernst, der in seinem Heimatort Brühl zu Lebzeiten auf Ablehnung stieß. Um so mehr freut es ihn, auch das ist ihm anzumerken, dass die Stadt Brunsbüttel, unter den Laudatoren vertreten durch den Bürgermeister Martin Schmedtje und den Bürgervorsteher Michael Kunkowski, nun diese Retrospektive ermöglicht hat.
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Im Elbeforum sind die Werke zu sehen, für die Jens Rusch bekannt ist: Gemälde von Szenen beim Wacken-Open-Air, dargestellt in der für Rusch typischen Verknüpfung von Wort- und Bildersprache; Bilder von langbeinigen Kühen, mit Buchseiten segelnden Walen, ein von Hieronymus Bosch inspiriertes Werk und hier und dort auch einige der Skizzen, die er zur Vorbereitung der vielfarbig ausgeführten Werken anfertigt und die von beeindruckender Lebendigkeit sind.
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Jens Rusch, das haben seine Laudatoren immer wieder erwähnt, ist ein Mensch, der polarisiert und auch sein Werk ist bestens dazu geeignet, die Betrachter zu polarisieren. Denn Jens Ruschs Anfänge als Künstler liegen in einer Zeit, in der alles möglich war, in der der Punk geboren und Kunst gelebt wurde. Dieses Herkommen ist seinen Werken bis heute anzumerken, doch es fehlt ihnen der Stallgeruch der Akademien. Was aber weder die Fans in aller Welt noch die Besucher der Vernissage davon abhält, begeistert zu sein. Vom Maler Jens Rusch und von der Möglichkeit, so viele seiner Werke auf einem Rundgang durchs Elbeforum zu sehen.
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== Hygienekonzept ==
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von Ralf Pöschus
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11. August 2020, 17:11 Uhr
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Brunsbüttel | Der Countdown für die Werkschau des Brunsbütteler Künstlers Jens Rusch im Elbeforum anlässlich seines 70. Geburtstags läuft. Am Freitag findet eine Vernissage mit rund 130 geladenen Gästen statt, ab Sonnabend bis Monatsende ist die Retrospektive täglich von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Rusch wird durch die Ausstellung führen, für Gespräche mit Besuchern zur Verfügung stehen. Auch hier gilt wie schon bei der Eröffnung ein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Bis zu 50 Menschen dürfen gleichzeitig in die Ausstellung.
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Die Idee zu der Werkschau hatten Bürgervorsteher Michael Kunkowski und Bürgermeister Martin Schmedtje – und stießen damit in Brunsbüttel auf offene Ohren. Jeder, der nur irgendwie am Zustandekommen der Retrospektive beteiligt war, freut sich Rusch, habe hinter dem Projekt gestanden. Die Bürgerstiftung um Alt-Bürgermeister Wilfried Hansen hat Sponsoren angeworben. Nicht unwichtig, schließlich musste auch der 112-seitige Katalog finanziert werden. Den gibt es ab Freitag für 20 Euro zu kaufen. Überschüsse fließen an die Aktion „Stark gegen Krebs“.
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[[Datei:Aktueller Titel.jpg|thumb|450px|right|Zur Ausstellung erscheint ein 112seitiger Katalog. Dieser kostet 20.-€]]
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Kuratiert hat die Werkschau der Kieler Journalist Michael Legband, ein enger Vertrauter mit Ruschs Arbeiten. Michael Kunkowski formuliert das so: „Wir hätten keinen besseren finden können.“ Legband hat, gemeinsam mit dem Künstler, versucht alle kreativen Perioden des Brunsbüttelers abzubilden: von der frühen spanischen Phase bis hin zum über neun Jahre entstandenen Wacken-Zyklus – und dazwischen viele weitere Facetten. Er sagt: „Das ist ein grandioses Statement der Stadt, einen Bürger so zu ehren.“
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Kunkowski ergänzt: „Wir ehren das Gesamtkunstwerk von Jens Rusch.“ Dazu gehört für ihn auch das soziale Engagement des 70-Jährigen, etwa die Erfindung der Wattolümpiade oder die Aktion „Stark gegen Krebs“. Der Bürgervorsteher verweist auch darauf, dass sich in den Bildern so mancher Brunsbütteler wiederfinde.
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Eine Vorgehensweise, die Rusch von seinem frühen Tutor Norman Rockwell (1894 - 1978) übernommen hat. Dessen Bild „Das Problem, mit dem wir alle leben“ zur Bürgerrechtsbewegung in den USA der 1960er Jahre hatte Barrack Obama im Weißen Haus aufgehängt.
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– Quelle: https://www.shz.de/29253072 ©2020
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== Gesamtkunstwerk ==
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Retrospektive zur Würdigung von Jens Rusch
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Von Michaela Reh
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Bürgervorsteher Michael Kunkowski (CDU) hat es auf den Punkt gebracht: „Mit dieser Retrospektive wollen wir das Gesamtkunstwerk Jens Rusch würdigen.“
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Im Mittelpunkt der Ausstellung, die am Freitag, 14. August, in der Stadtgalerie im Elbeforum eröffnet wird, steht das Lebenswerk des Dithmarscher Kulturpreisträgers. Kein Zweifel. Aber die Stadt will mit dieser Präsentation auch das soziale Engagement des geistigen Vaters der Wattolümpiade ehren.
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Zahlreiche Kunstveranstaltungen sind in diesem Jahr schon wegen der Coronapandemie abgesagt worden. Auch Jens Rusch, der im April 70 Jahre alt geworden ist, hat bis zum Schluss gebangt: „Die Ausstellung stand nicht nur einmal auf der Kippe“, sagt der Künstler. Bürgermeister Martin Schmedtje dagegen hat seinen Optimismus in den vergangenen Wochen kein einziges Mal verloren. „Meine schwierigste Aufgabe war es nur, Jens Rusch in dieser Zeit bei Laune zu halten“, sagt der Verwaltungschef mit einem Schmunzeln.
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Bislang zählte Rusch, obwohl ein Sohn der Stadt, nicht zu den zahlreichen Künstlern, die in der Stadtgalerie ihre Arbeiten präsentieren durften. Umso größer ist seine Freude über diesen Wendepunkt in Form der Retrospektive. „Ich bedanke mich insbesondere bei Martin Schmedtje und Michael Kunkowski für ihren vehementen Einsatz zum Gelingen eines würdigen Lebensrückblicks“, schreibt Jens Rusch deshalb auch gleich zu Beginn des Kataloges, der begleitend zur Retrospektive erscheint.
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Jens Rusch selbst habe seine Wurzeln nie verleugnet, die eindeutig in Brunsbüttel zu finden sind, auch wenn er als Kosmopolit viele Jahre in Spanien gelebt und gearbeitet hat. Rückblickend könne er von sich behaupten, immer authentisch und ehrlich gewesen zu sein. „Ich bin mir immer selbst treu geblieben. Das ist wie ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht.“
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Die Leidenschaft für Malerei und Kunst hat Jens Rusch übrigens schon als Jugendlicher verspürt: „Ich war gerade 14 Jahre alt, als mir mein Großvater einen Fernkursus geschenkt hat.“ Einer seiner Lehrer war Norman Rockwell, ein bedeutender amerikanischer Maler, der dem jungen Rusch damals Verbesserungsvorschläge in die Bilder gemalt habe. „Da bin ich heute noch richtig stolz drauf.“
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Kuratiert wird die Retrospektive von Journalist Michael Legband, einem engen, aber „kritischen Freund“ Ruschs. Er war es auch, der die rund 70 Werke gemeinsam mit Jens Rusch aus einer Fülle von Arbeiten ausgewählt hat. Keine leichte Aufgabe. „Dabei habe ich darauf geachtet, dass alle Schaffensperioden Ruschs Berücksichtigung finden.“ Die frühe spanische Phase beispielsweise, aber auch die vielen Wacken-Bilder sowie Illustrationen zu literarischen Werken wie Faust und Schimmelreiter. „Hier werden sich viele Brunsbütteler wiederfinden“, sagt Legband. Schließlich habe Rusch seine Darsteller für die Bilder häufig unter den Einheimischen gesucht.
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Diese Ausstellung, so findet Legband, sei „ein grandioses Statement der Stadt“. Eine derartige Ehrung sei nicht selbstverständlich und nicht häufig zu finden. „Das mag natürlich auch daran liegen, dass nicht so viele Städte einen Künstler wie Jens Rusch haben.“
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Jens Rusch ist aber nicht nur ein Kunstschaffender, sondern auch der Erfinder der Wattolümpiade. Er hat dazu beigetragen, dass die Strukturen für Krebsbetroffene in der Region verbessert wurden. Immerhin 440 000 Euro an Spenden sind mit der Benefizveranstaltung in den vergangenen 16 Jahren für den guten Zweck generiert worden.
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Die Ausstellung, die am kommenden Freitag, 14. August, um 18 Uhr mit geladenen Gästen im Elbeforum eröffnet wird, läuft bis einschließlich 30. August, und kann ab Sonnabend, 15. August, täglich von 15 bis 19 Uhr besucht werden. Jens Rusch ist immer vor Ort, um sich mit den Besuchern zu unterhalten. Wegen der Coronapandemie gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht.
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== Retrospektive ==
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'''Virtuell versus Analog'''
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Man kann sich darüber streiten, ob eine virtuelle Ausstellung im Internet einer besuchbaren analogen Ausstellung in einer norddeutschen Kleinstadt tatsächlich entspricht.
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Selbstverständlich ist der Dialog mit einem ausstellenden Künstler anlässlich seiner Vernissage oder eines Atelierbesuches kaum zu ersetzen. Darüber kann es keine zwei Meinungen geben. Andererseits beschränkt sich dieser Radius an erlebbarem Austausch auf eine Mobilität und Erreichbarkeit, die eindeutig durch das Internet übertroffen wird. Jens Rusch hat längst Sammler und Freunde seiner Arbeit in aller Welt. Und genau um diese geht es, wenn der Künstler nun erstmals seine wichtigsten Werke in einer virtuellen Ausstellung zusammenfasst, die auf eine ganz andere, interaktive Weise für den Kunstfreund erfahrbar wird.
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Ganz nach persönlichem Gusto und Interesse kann sich der Besucher nun durch die Ausstellungsräume bewegen,
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in Muße vor einem Bild verharren und ist dabei keinerlei Zeitdruck unterworfen. Freunde können informiert werden und wenn gewünscht, ist auch der Kontakt mit dem Künstler kein Problem. Und das alles völlig nach eigenen Termin-vorstellungen und nicht nach vorgegebenen Öffnungszeiten.
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== Die Räume der virtuellen Retrospektive ==
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Datei:Room one.jpg|[https://www.atelier-rusch.de/retrospektive/ Zur Retrospektive-Ausstellung]
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Datei:Faust_2.jpg|[https://www.atelier-rusch.de/faust/ Zur Faust-Ausstellung]
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Datei:RaumSchimmelreiter.jpg|[https://www.atelier-rusch.de/schimmelreiter/ Zur Schimmelreiter-Ausstellung]
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Datei:Wacken open air.jpg|[https://www.atelier-rusch.de/w-o-art/ Zur WOA-Ausstellung]
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Datei:Masonic art.jpg|[https://www.atelier-rusch.de/masonic-art/ Zur Masonic-Art Ausstellung]
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Datei:Antropomorphicals 2.jpg|Noch im Aufbau. Diese Seite widmet sich dem Thema "Vogelmenschen und Stelzkühe"
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=== room one ===
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=== Wacken Open Air ===
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== Pressespiegel ==
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Bild:
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Aktuelle Version vom 17. August 2020, 11:34 Uhr

Bitte lesen Sie auch diese Grußworte.


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These exhibitions can be experienced virtually. You can move with your mouseclicks three-dimensionally through the rooms and calmly look at the pictures. Determine for yourself which part of the extensive work of Jens Rusch interests you the most.

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Laudator Michael Legband

MichaelLegbandFotoRalf Pöschuswww.jpg

Michael Legband

Journalist und Autor


Rede Retrospektive zu Ehren von Jens Rusch

Freitag, 14. August 2020, 18.00 Uhr Brunsbüttel, Elbeforum

Meister Rusch zum Siebzigsten:

Hut ab vor einem großen Künstler und einem fürsorglichen Mitbürger - Anerkennung für Brunsbüttels Kulturbotschafter Lieber Herr Bürgervorsteher Kunkowski, lieber Herr Bürgermeister Schmetje, lieber Herr Landrat Mohrdiek, meine sehr verehrten Damen und Herren, die Sie sich hier heute zu Ehren von Jens Rusch versammelt haben. Ich weiß, Sie alle hätten es verdient, dass ich Sie hier namentlich und direkt anspreche, aber das geht nicht, denn dies würde selbst die berühmte Standfestigkeit der Dithmarscher überfordern. Somit bitte ich um Verständnis, dass ich somit nur noch zwei Personen im Rahmen der Begrüßung jetzt direkt anspreche:

Lieber Meister und Freund Jens, liebe Muse-Suse, ich freue mich sehr, dass ich hier das Wort habe. Über Dich ehrende Worte zu sprechen, lieber Jens, das ehrt allemal auch mich. Danke für das Vertrauen.

Beim Vorbereiten auf den heutigen Abend habe ich mir natürlich die vielen im Internet veröffentlichten Grußworte (sie sind wohl auch in dem Katalog abgedruckt) durchgelesen. Zum einen war ich von der Menge erschlagen, zum anderen haben mich die Inhalte sehr bewegt. Da steht vieles schwarz auf weiß, lieber Jens, auf das Du mehr als stolz sein kannst. In einer Zeit wo Missgunst und häufig Garstigkeiten Inhalt und Ton bestimmen, heben sich diese Grußworte wohltuend ab. Die Verfasser unterstreichen sehr deutlich, was Du in den vergangenen 50 Jahren künstlerisch und menschlich geleistet hast. Respekt vor dieser Sammlung! Die bösartigen Berufsnörgler an Deinem Werk mögen sich diese Zeilen mal in aller Ruhe zu Gemüte führen und ein wenig über sich nachdenken.

Stichwort Nachdenken: Das ist bei diesen so profunden und liebenswerten Grußworten schon eine Herausforderung. Ein wenig habe ich schon Hirnschmalz auf die Frage verwendet, was soll ich denn jetzt bloß noch sagen. Es ist doch alles schon zu Papier gebracht. Also was nun tun?

Der rote Faden dieser kleinen Rede wird aus Begegnungen und Ereignissen bestehen, die Jens und mich miteinander verbinden. Es fing - wie bei Menschen unserer Zeit und unserer regionalen Herkunft so häufig - alles im Cheyenne Club in Itzehoe an. Damals noch in der Brückenstraße. Unsere Helden waren beispielsweise die Rolling Stones, Black Sabbath, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Bob Dylan oder Joan Baez. Ergänzt durch politische Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Václav Havel oder Günther Grass. Und damit wir uns nicht missverstehen: Bewusstseinserweiterndes gab es auch gelegentlich.

Wenig später dann - noch in der Galerie Stücker oder besser gesagt darüber - erste gemeinsame Abendessen. Ich erinnere mich an südländische Kost. Das war für ein Landei wie mich eine Offenbarung. Später dann hatte ich die ersten Arbeiten aus Spanien vor Augen und konnte mich gar nicht wieder einkriegen. "Mensch, was ist der gut geworden," rief ich mehrfach aus, als ich zu Hause von den neuen Eindrücken berichtete. Björn Engholm hat es in seinem Grußwort so wunderbar geschrieben: Beim großen Meister Schlotter in Spanien wurde Jens Rusch selbst zum Meister. Mehr geht ja kaum.

Dann kam die Zeit der ersten Wattolümpiade. Verrückte machten Verrücktes. So einfach war das für mich. Der Unsinn hat sich mir erst später erschlossen. Das gehört zum Prinzip "lebenslanges Lernen". Aber die Leute waren lustig und wir hatten Spaß. Das ist ja auch ein Wert an sich.

Als ich dann in der Marner Redaktionsstube saß, wo einst meine hoffnungsvolle journalistische Karriere startete, platzten Jens und Suse in die dortige Sperrmüllsammlung - genannt Redaktion - herein. Jens hatte auf "Auf eigene Faust radiert" dabei. Sein Werk, an dem er nicht nur viereinhalb Jahre gearbeitet hatte, sondern bei dem er auch deutlich an die Belastbarkeit seiner psychischen Grenzen gegangen war. Ich war fasziniert. Und dann passierte etwas, was mich alten Volksschüler plötzlich mit deutscher Hochkultur zusammenbrachte. Angeregt von den Radierungen in dem Buch und den Texten von Goethes Faust, fing ich an mich mit Goethe, Schiller, Lessing & Co. auseinanderzusetzen. Jens, Du hast Schuld und danke dafür!

Es dauerte nicht lange, da kam Jens schon wieder mit einem Buch unterm Arm in die Redaktionsstube: Theodor Storms Schimmelreiter war radiert worden. Nun musste ich mich auch noch mit Storm befassen.

Neben der technisch perfekten und gedankentiefen Umsetzung fand ich die Herangehensweise großartig. Es wurden mal kurzerhand knorrige Typen hier von der Westküste in Kostüme von damals gesteckt und Jens zeichnete und radierte drauflos. Erinnern möchte ich nur an den poltrigen Deichgrafen Delf Jans und an den Hauke Haien, der eigentlich Zahnarzt ist, an Dr. Klaus Jork. Auch er gehört zu den frühen Förderern von Jens Rusch. Später dann, eine Spätfolge von "Auf eigene Faust radiert", das Zusammentreffen mit Jens Rusch und dem großen Will Quadflieg im Theater Itzehoe. Das von Jens entworfene Etikett auf der Weinflasche, die der Schauspiellegende überreicht wurde, gefiel ihm sehr. Den Wein charakterisierte er mit der großen Mimik eines Bühnenschauspielers verachtend als Bonschewasser. - Verlassen wir die Hochliteratur.

Meine Damen und Herren, erleichtert war ich, als ich die erotischen Arbeiten von Jens vor Augen bekam. Da musste ich nicht gleich ganze Bücherschränke durcharbeiten. Die verstand ich so. Sie brachten mich nur ein wenig in Verlegenheit, weil meine Töchter irgendwann im zarten Alter von acht oder neun Jahren überraschend nach Erklärungen der abgebildeten Handlungen verlangten. Also, eines kann ich Ihnen versichern, zur Aufklärung taugen die Arbeiten von Jens auch.

Also: Jens kam mit immer mehr um die Ecke: Radierungen aus der spanischen Phase, Exlibris für Sammler in aller Welt, Bücher, Bücher, Bücher... Häufig verließ ich ihn reichlich beschenkt. Auch dafür gilt es zu danken. Und eines will ich gerne anfügen, weil es mir sehr wichtig ist: Wer sich mit Storm, Goethe, Arno Schmidt, Melville und Panizza so künstlerisch gekonnt auseinandersetzt wie Jens Rusch, der verfügt über tiefgehende Kenntnisse der Kultur- und Geistesgeschichte. Anders ist das nicht möglich. Ein Hoch auf alle Autodidakten! Und es ist eben Jens Rusch, der es nicht bei Goethe und Co. belässt. Nein, einer wie er wird zum Wacken-Maler. Kein offizieller Titel, aber ein schöner, den ihm Holger Hübner und Freunde vom Wacken-Team zurecht verliehen haben. Kraftvoll wie beim Faust geht es später bei den Wacken-Bildern zu.

Bleiben wir noch ein wenig beim Werk. Da sind die Auftragsarbeiten: Einiges sehen wir ja hier in der Ausstellung. Kaum eine Persönlichkeit aus der Region und gerne auch darüber hinaus, die sich und die Familien- und/oder Unternehmensgeschichte nicht zeichnerisch portraitieren ließ. Das war für Jens (und auch für Suse, der Taschenrechner an seiner Seite) sehr wichtig. Diese Auftragsarbeiten schufen das sichere wirtschaftliche Fundament für die freien Arbeiten des Künstlers, wenn ich es mal so formulieren darf. Und zur wirtschaftlichen Absicherung haben nicht nur die Auftraggeber dieser gezeichneten Familien-Geschichten beigetragen. Sondern schon ganz früh zu Beginn der Karriere von Jens Rusch, der ja heute auch anwesende Günter Ahlf. Sie, lieber Herr Ahlf, haben Jens in der Anfangsphase sozial abgesichert und an ihn geglaubt. Das war nicht selbstverständlich und soll an einem Tag wie diesem nicht vergessen werden. Dafür hat Jens sich nicht nur mit wunderbaren Werken revanchiert, sondern wie Sie in Ihrem Grußwort schreiben, es ermöglicht, dass ein leibhaftiger Ministerpräsident Sie in den Arm nahm. Das ist doch was.

Durch Auftragsarbeiten und Förderer konnte sich Jens Rusch immer stärker den freien Arbeiten widmen: Und diese haben es in sich. Klar, alle Arbeiten von Jens Rusch haben ihre Geschichten. Häufig sind es zeichnerisch umgesetzte Wortspiele aus dem großen Schatz der Gebrüder Grimm. In den Worten stecken für Jens Rusch die Bilder. Sprache und Texte sind für ihn Inspiration. Das hat auch immer und stets was mit der ständig anhaltenden Befriedigung des Bildungshungers bei Jens zu tun. Da sitzen Vögel plötzlich auf einem Zug. Klar: Zugvögel. Banal. Muss man nur drauf kommen und es dann auch noch so umsetzen, dass es gelungen wirkt. Surrealismus soweit das Auge reicht. Nicht umsonst entstanden Schlagzeilen wie der "Dali vom Deich". Vogelmenschen, Stelzkühe und und und.

Zu gemeinsamen Weggefährten, wenn ich das so bezeichnen darf, gehört der ehemalige Landtagspräsident Martin Kayenburg. "Beton ... was man draus macht," hieß das Symposium, was unser Jubilar 1990 mit dem damaligen Alsenchef organisierte. Jens stand für den Dialog zwischen Künstlern und Beton. Und Du lieber Jens, warst neben all dem anderen, was so eine Begegnung verlangt, mit dem Zeichenstift dabei. Ich war inzwischen in leitender Funktion bei RTL in Kiel und habe eine hoffnungsvolle Nachwuchsjournalistin samt Team gen Lägerdorf in Marsch gesetzt. Bleiben wir beim Zement. Im stillgelegten Werk in Itzehoe. Hier im von Martin Kayenburg zur Verfügung gestellten Atelier tobtest Du Dich großformatig zu lauter Musik aus. Kraftvoll und ungestüm. Wurzeln für die Wacken-Arbeiten späterer Zeit. Es ist also fast schlüssig, dass sich diese Riesengemälde heute in der Wacken-Foundation (Stiftung) befinden.

Es folgte eine Zeit gemeinsam mit den Norddeutschen Realisten. Ich organisierte ja einige Symposien und konnte irgendwann den Begründer Niko Störtenbecker dazu bewegen, dass Du mittun konntest. So landetest Du plötzlich im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Als langjähriges Mitglied der Landespressekonferenz wollte ich gerne einmal Parlamentsgeschichte schreiben. Und so zogen die Malerinnen und Maler fröhlich in das Landeshaus ein, ergänzten die Arbeiten der Parlamentsstenografen mit Pinsel & Leinwand. Wir nannten das "Farbige Debatten". Jens war begeistert und begeisterte. Landtagspräsident Heinz-Werner Arens fand lobende Worte. Ganz nebenbei wurde so nicht nur Parlamentsgeschichte, sondern auch Kunstgeschichte geschrieben. Denn dass mehr als eine Handvoll Künstler eine Woche lang hautnah in einem Parlamentssaal und den angeschlossenen Fraktionsräumen malen konnten wie sie wollten, so etwas gab es bisher nicht und hat es auch so nicht wieder gegeben. Der Deutsche Bundestag übrigens lehnte ein entsprechendes Ansinnen von mir ab. Es folgten dann noch mehrere Symposien mit den Norddeutschen Realisten.

Vielleicht weiß der eine oder andere es: Ich befasse mich ja intensiv mit der Gedenkarbeit für die Opfer des Nationalsozialismus. Es geht mir dabei um das erste Mahnmal für die NS-Opfer in Nordeuropa. Es steht in Itzehoe. Auch hier hat Jens in den 1990er Jahren künstlerisch gewirkt. Er hat ein ergreifendes Bild gemalt, dass das Mahnmal mit seinem Initiator Prof. Gyula Trebitsch und seinem Architekten Prof. Fritz Höger zeigt. Am Fuße des Bauwerks sind gequälte KZ-Häftlinge halb verhungert zu sehen und Soldaten, die sie befreien. Als wir damals dieses Bild Prof. Trebitsch zeigten, der ja mit viel Mühe und nur durch Zufall die deutschen KZs überlebt hatte, war er sichtlich ergriffen. Und Jens ist mir auch jetzt wieder bei meinem aktuell in Arbeit befindlichen Buch zum Thema eine Stütze bei der Gedenkarbeit. Übrigens genauso wie der wertgeschätzte Martin Kayenburg.

Springen wir noch mal zur Landespolitik. Im schmucken Haus B, ein von Regierung und Parlament genutztes repräsentatives Haus neben dem Landtag an der Kieler Förde, hängt ein Monumentalgemälde von Dir, lieber Jens. Als zum Abschluss des vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages initiierten Projektes "Schleswig-Holstein Topographie" sich 2008 mehr als tausend Bürgermeister auf Gut Schierensee trafen, hast Du - nach der berühmten Vorlage des Hambacher Festes - diese alle in einem Gemälde zusammengefasst. Großartig. So etwas kannst eben nur Du. Und natürlich der damalige Chefredakteur des sh:z Stephan Richter, der sich ja dieses riesige Projekt, alle Orte des Landes journalistisch zu portraitieren, ausgedacht hatte. Brunsbüttler halten eben auch mal zusammen, könnte man meinen. Schön, lieber Herr Richter, dass Sie gleich auch noch ein paar Worte an uns richten.

An diesem von Freude bestimmten Tag will ich gar nicht so sehr auf Deine fürchterliche Krebserkrankung eingehen. Nur so viel: Ich bekam eines Tages einen Anruf von Jens, der ungefähr so lautete: "Ich bin hier in Kiel, ganz in Deiner Nähe!" Ich sagte: "Mensch Jens, dann komm doch vorbei." "Nee geht nicht, ich bin hier in der Hals-, Nasen- Ohrenklinik und werde morgen operiert. Wie das ausgeht weiß ich nicht." Na, was soll ich sagen. Solche Anrufe braucht man. Ich bin dann in die Klinik gefahren und habe einige Stunden mehr oder minder hilflos bei Jens am Bett gesessen und dummes Zeug geredet. Ich weiß nicht, wer hilfloser war. Der Patient oder der Freund, der daneben saß. Nach der gelungenen OP habe ich von den postoperativen Beschwerden viel erfahren. Schön, dass Du zusammen mit Suse gekämpft hast. Es hat sich gelohnt und begründet ja Dein unglaubliches soziales Engagement. In wenigen Jahren haben Du und Deine Mitstreiter fast 500.000 € gesammelt. Wer kann das schon von sich sagen. Respekt. Du hilfst vielen unglücklichen Menschen. Das ist wunderbar. Hut ab!

Neben den Arbeiten als Maler, Zeichner, Radierer bestichst Du ja auch mit Deinen Plastiken. Auch das ist ein weites Feld, um einmal Günther Grass zu zitieren, der ja auch als Plastiker unterwegs war. Auch mit diesen Arbeiten hast Du Dir einen Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus erworben. Wolfgang Kubicki hat ja längst nicht immer recht. Aber wenn der Vizepräsident des Deutschen Bundestages in Zusammenhang mit Deinem Werk von einem "kuriosen Facettenreichtum" spricht, ist dem wenig hinzuzufügen.

Meine Damen und Herren, wenn ich von gelegentlichen Garstigkeiten gegenüber Jens gesprochen habe, dann gibt es natürlich die andere Seite. Als die ersten Meldungen in der Lokalpresse standen, dass ich für die Bilderauswahl die Verantwortung trage, kamen prompt Anrufe auf meinen Anrufbeantworter. Aus den Kögen schallte es mal auf hochdeutsch mal auf platt, wir haben dieses, wir haben jenes bei uns zu Hause hängen. Gerne stellen wir das Bild für die Ausstellung zur Verfügung. Das zeigt a) lieber Herr Chefredakteur a.D., die Zeitung wird gelesen und b) die Besitzer dieser Werke sind stolz und bekennen sich zu "ihrer" Kunst.

Diese Ausstellung zeigt einen Querschnitt des Schaffens und wahrlich nicht alles. Das geht schon allein von der Zahl der Arbeiten und der Vielfältigkeit der Interessenlagen des Künstlers nicht. Jens hat allein rund 1.500 Radierungen geschaffen. Aber es sind etliche Arbeiten hier, die Brunsbüttel zeigen. Das muss wohl auch so sein. Schließlich ist dieser Ort die engere Heimat von Jens und wenn die Stadt Brunsbüttel diese Retrospektive dem Meister zum Geburtstag schenkt, ist ja wohl klar, dass Brunsbütteler Motive dazugehören. Bonn oder Berlin würden nicht so viel Sinn machen. Überhaupt muss ich sagen, großartig lieber Herr Bürgervorsteher, lieber Herr Bürgermeister, das Sie Jens Rusch dieses Geburtstagsgeschenk hier machen. Auf der einen Seite könnte ich sagen, es ist selbstverständlich. Ist es aber wahrlich nicht. Neben dem Nord-Ostsee-Kanal, der chemischen Industrie steht aber schon Jens Rusch als Sohn und Botschafter dieser Stadt, mit seiner Kunst und mit seinem sozialen Engagement. Schön, dass die Kommunalpolitik beides heute zu würdigen weiß. Respekt!

Auch Künstler gehen gelegentlich nicht immer so miteinander um, wie es vernunftbegabte Menschen tun sollten. Künstlerkollegen wissen schon, wo es wehtut, wenn man treffen will. Aber es gibt natürlich jede Menge wohltuende Gegenbeispiele: Lassen Sie mich hier mal beispielsweise von dem großen Friedel Anderson sprechen. Viele wissen es vielleicht gar nicht. Friedel hat vor 34 Jahren bei Jens Geduld und Demut gelernt, wie er heute schreibt. Und er sei nachhaltig mit dem Tiefdruckvirus infiziert. Ohne die damals von Jens Rusch ausgegangenen Impulse hätte es wohl das grafische Werk von Friedel Anderson nicht gegeben. Anderson bezeichnet Jens Rusch als Meister, der weiß, dass ohne Handwerk, Disziplin, Fleiß und Ausdauer nur das Scheitern bleibt. "Für Dein Vertrauen und Deine Großzügigkeit bleibt Dir immer mein Dank", sagt Friedel Anderson und meint damit die vor mehr als drei Jahrzehnten stattgefundene einjährige radiertechnische Zusammenarbeit.

Und der Großmeister der Radierung schlechthin, Wolfgang Werkmeister, spricht Jens "verblüffende Fähigkeiten" zu. Er beherrsche die Radiertechnik ebenso brillant wie die transparente Ölmalerei. Jens Rusch habe sich nie dem Zeitgeist gebeugt, sondern als eine Art Solitär seine Bildwelten gestaltet. Was Beachtung fand und findet.

Und die Legende unter den Marinemalern schlechthin, Kapitän Hans-Peter Jürgens, stellte einst in der von mir schon erwähnen IHK-Galerie in Kiel zum Thema Walfang aus. Zusammen mit Jens, der seine Moby Dick-Arbeiten präsentierte. Der schon sehr betagte Seemann, der in jungen Jahren das Kap Horn mit Segelfrachtschiffen umfahren hatte, kam meist täglich mit einer wechselnden Fanschaar in die Ausstellung. Ich dachte mir so, mein Gott, was ist der alte Herr eitel. Als ich ihm mal freundlichst auf die häufigen Besuche in der Merkur-Galerie ansprach und ihn fragte, ob er nun bald alle seine Werke an die mitgebrachten Fans verkauft habe, antwortete er lachend. Nein, ich komme hier nicht wegen meiner Bilder her. Ich zeige meinen Freunden die Arbeiten von Jens Rusch. So etwas an großartiger Technik habe ich noch nie gesehen. Das können nicht viele. Glauben Sie einem alten Pinselquäler. Tat ich! Drei Beispiele, dass Künstler nicht nur das eigene Werk loben können.

Meine Damen und Herren, ich könnte noch viel zitieren. Auch aus der unendlichen Flut der beeindruckenden Grußworte. Es ließe sich viel über Wacken sagen. Da bin ich auch anfällig. Ich habe ja in meinem Buch über den Verleger Alexander Jahr dazu geschrieben. Zu Santiano könnte ich mich äußern, zu Prof. Joachim Krause, dessen politischen Analysen ich nicht immer teilte, jedoch seine Worte über Jens gefielen und gefallen mir stets gut. Die Wattikan-Freunde nicht zu vergessen oder Helmut Schramm, auch ein Förderer von Jens. Auch will ich jetzt hier und heute nicht alle Prominenten, die in Eurer Galerie zu Gast waren, liebe Suse, lieber Jens, aufzählen. Das ging ja von Hellmut Karasek, Rüdiger Nehberg über Ralph Giordano bis hin zu Uwe Friedrichs und vielen mehr.

Es gäbe noch so viel zu sagen. Aber diese kleine Rede soll ja nicht in so eine Art Christenverfolgung der Neuzeit ausarten. Eines möchte ich gegen Ende meiner Worte hier gerne noch loswerden. Lieber Jens, Du gehörst ja heute zu den wenigen Künstlern, die im Alter gut leben können. Das ist ja nicht die Regel. Wirtschaftlich unabhängig zu sein, ist ja ein Wert an sich. Das alles hast Du Dir, lieber Jens, erarbeitet. Das war nicht immer so. Ich habe ja von frühen Förderern gesprochen. Aber es gab auch die anderen. Du musstest schon gewaltig gegen den stürmischen Wind in Dithmarschen ankämpfen. Aber als Fischerjung' war und ist Wind ja Dein Element. Du bist nicht untergegangen. Ganz im Gegenteil. Und Deinen Zopf trägst Du auch nicht ohne Grund. An dem hast Du Dich symbolisch oft genug aus diesem Sumpf ziehen müssen.

Mich erinnert an diese Zeit und an die damit gelegentlich verbundenen Unbotmäßigkeiten Dir gegenüber ein Gemälde, was einst im fernen Spanien entstand. Und als Kurator dieser Ausstellung habe ich darauf bestanden, dass es hier ausgestellt wird. Es heißt "Dithmarscher Pils" und zeigt eine am Boden liegende zerdepperte Bierflasche aus dem Hause Hinz. Das passt! Treffender kann man es nicht erschaffen. Da ist sie wieder, so eine kleine Geschichte auf der Leinwand. Und weil es so schön passt und ich den großen Staatsmann Winston Churchill so gerne zitiere: "Alle verdienstvollen Männer haben Feinde".

Lieber Jens, liebe Suse, ich bin sicher, dass ich im Namen aller hier sagen kann: Wir wünschen Euch noch viele gemeinsame und schöne Jahre. An Jens sei die Bitte gerichtet, schenke uns noch möglichst lange Deine wunderbaren Arbeiten. Hör nicht auf zu Schaffen. Viele Ideen im Kopf und auf Papier!

Ich verneige mich in Respekt vor Dir und Deinem Lebensweg, vor Deiner Kunst und Deiner Persönlichkeit. Danke, dass es Dich gibt, alter Freund! Und warum setze ich jetzt diesen ollen Zylinder von Opa auf? - Ist doch klar: Damit ich den Hut vor Dir ziehen kann.

Festrede Wolfgang Kubicki

Kubicki Rusch2.jpg
2020 ist ein sehr ungewöhnliches Jahr. Es sollte eigentlich ein Jahr der großen Ereignisse für Brunsbüttel werden. Der Nordostseekanal wird 125 Jahre alt, die Wattolümpiade hätte morgen (15. August) stattfinden sollen und nicht zuletzt: Jens Rusch feiert seinen 70. Geburtstag. Doch nach all der Vorfreude kam Corona!

Zwei der drei Veranstaltungen konnten leider nicht stattfinden. Daher freut es mich außerordentlich, dass Ihr Geburtstag trotz Pandemie nachgefeiert wird.

Die Stadt Brunsbüttel ehrt Sie heute – selbstverständlich unter Corona-Auflagen – mit einer großen Retrospektive. Ich danke Bürgermeister Martin Schmedtje und Bürgervorsteher Michael Kunkowski dafür, dass diese Veranstaltung unter diesen erschwerten Bedingungen überhaupt stattfinden konnte. Dafür noch einmal herzlichen Dank!

Lieber Jens Rusch, ich weiß genau, wie es ist, von anderen Menschen einen Namen oder eine Bezeichnung nachgerufen zu bekommen. Bei mir waren diese Charakterisierungen im Laufe meines Lebens allerdings nicht annähernd so schmeichelhaft wie bei Ihnen.

Eine kurze Gegenüberstellung: Mich nannte man „Knallfrosch“, Sie sind der „Dali vom Deich“. Sie sind Botschafter Dithmarschens, ich der „Querulant des Nordens“. Ich wurde als „Windei“ bezeichnet, Sie wurden als „Mensch des Jahres“ ausgezeichnet. Was zumindest bei Ihren Bezeichnungen erkennbar wird, ist, dass hinter Ihrem künstlerischen Schaffen ein Mensch steht, der deutlich mehr ausstrahlt als jemand, der „nur“ sein künstlerisches Handwerk versteht.

Sie haben einiges durchgemacht, das Leben war nicht immer gut zu Ihnen. Einer der schlimmsten und unerbittlichsten Krankheiten haben Sie nicht nur mutig getrotzt, sondern anschließend beherzt den Kampf angesagt. Und dabei haben Sie Großes geleistet. Die Wattolümpiade, der wir regelmäßig mit gespannter Freude entgegensehen, ist eigentlich aus etwas Traurigem geboren worden. Trotzdem – oder gerade deshalb – feiert sie das Leben. Dabei hat sie mittlerweile nicht nur internationale Bekanntheit erreicht, sondern bald eine halbe Million Euro im Kampf gegen den Krebs eingespielt. Die Wattolümpiade ist also ein Gegenmittel gegen viele Krankheiten, weil sie an Wahnsinn grenzenden Spaß mit dem guten Zweck verbindet.

Lieber Jens Rusch, Schleswig-Holstein kann sich glücklich schätzen, dass Sie dem Land nicht nur treu geblieben sind, sondern ihm auch Ihren Stempel aufgedrückt haben. Ob mit Veranstaltungen wie „Lautstark gegen Krebs“, „Moin Refugees“ oder Ihrer Corona-Spendenaktion in diesem Jahr: Es ging Ihnen immer darum, selbst auch vorzuleben, dass der Stärkere dem Schwächeren helfen muss. Wer einmal selbst zu den Schwächeren gehört hat, dem geholfen werden musste, weiß genau, wovon er spricht.

Zu Ihrem 70. Geburtstag gratuliere ich Ihnen ganz herzlich. Bleiben Sie so, wie Sie sind. Denn Sie animieren andere, so zu werden, wie Sie sind. Alles Gute!

Werke, die durchaus polarisieren

von Ulrike Krickau

Boyens-Medien

16. August 2020


Wirkmächtige Arbeiten hat er geschaffen und im Laufe der Jahrzehnte ist ein gewaltiges Oeuvre entstanden. Zur Vernissage sind viele der Weggefährten von Jens Rusch erschienen.

Der Journalist Michael Legband hält die Laudatio, erinnert an seine erste Begegnung mit Jens Rusch, als der mit einem Band Illustrationen in der Marner Redaktionsstube auftauchte, erinnert auch an die Verwirrung seiner beiden seinerzeit noch kleinen Töchter angesichts der erotischen Malereien Ruschs. Der Politikwissenschaftler Joachim Krause merkt in seiner Ansprache an, dass es Jens Rusch gelungen ist, sich über all die Jahrzehnte seines Wirkens die Kreativität erhalten zu haben. Wolfgang Kubicki, nie um ein Bonmot verlegen, weiß etwas Hübsches aus der Bayerischen Staatskanzlei beizutragen. Denn die hatte, anlässlich des geplanten Besuches von Markus Söder, darum gebeten, für die Wattwanderung des Ministerpräsidenten Gummistiefel bereitzustellen. Kubicki, das ist ihm anzumerken, hätte den bayerischen Ministerpräsidenten samt seiner Gummistiefel gerne für ein paar Minuten ins Watt gestellt, um ihm dann dabei zuzuschauen, wie er aus der Situation wattolümpiadenreif wieder rauskommt.

Aber als schon beinahe alle wohlwollenden Worte gesprochen sind, wird das Mikrofon an den Zahnarzt Dr. Klaus Jork weitergereicht. Der erinnert sich noch gut an die kleine Beule am Kiefer von Jens Rusch. Die rasch wuchs. Und dann als rasch wachsende Krebsgeschwulst diagnostiziert wurde, die im Jahre 2001 mit Operationen, Chemo- und Strahlentherapie behandelt wurde. Jork sprengt mit seinen Worten den sonst üblichen Rahmen einer Vernissage, es ist ein wahrhaftiger Moment, der berührt und betroffen macht. Jens Rusch, der nach ihm spricht, kämpft während seiner ersten Sätze deutlich um Fassung. Seine Krebserkrankung war für ihn der Anlass seines Engagements gegen den Krebs, über 400 000 Euro Spendengelder sind inzwischen zusammengekommen, unter anderem auch durch die von ihm initiierte Wattolümpiade.

Rusch spricht von dem Maler Norman Rockwell, der erst lange nach seinem Tod Anerkennung fand. 14 Jahre war Jens Rusch alt, als sein Großvater ihm einen Fernkurs für die damals ungeheure Summe von 1400 DM finanzierte, bei der Norman Rockwell die Arbeiten von Jens Rusch kommentierte und korrigierte. Rusch spricht auch von Max Ernst, der in seinem Heimatort Brühl zu Lebzeiten auf Ablehnung stieß. Um so mehr freut es ihn, auch das ist ihm anzumerken, dass die Stadt Brunsbüttel, unter den Laudatoren vertreten durch den Bürgermeister Martin Schmedtje und den Bürgervorsteher Michael Kunkowski, nun diese Retrospektive ermöglicht hat.

Im Elbeforum sind die Werke zu sehen, für die Jens Rusch bekannt ist: Gemälde von Szenen beim Wacken-Open-Air, dargestellt in der für Rusch typischen Verknüpfung von Wort- und Bildersprache; Bilder von langbeinigen Kühen, mit Buchseiten segelnden Walen, ein von Hieronymus Bosch inspiriertes Werk und hier und dort auch einige der Skizzen, die er zur Vorbereitung der vielfarbig ausgeführten Werken anfertigt und die von beeindruckender Lebendigkeit sind.

Jens Rusch, das haben seine Laudatoren immer wieder erwähnt, ist ein Mensch, der polarisiert und auch sein Werk ist bestens dazu geeignet, die Betrachter zu polarisieren. Denn Jens Ruschs Anfänge als Künstler liegen in einer Zeit, in der alles möglich war, in der der Punk geboren und Kunst gelebt wurde. Dieses Herkommen ist seinen Werken bis heute anzumerken, doch es fehlt ihnen der Stallgeruch der Akademien. Was aber weder die Fans in aller Welt noch die Besucher der Vernissage davon abhält, begeistert zu sein. Vom Maler Jens Rusch und von der Möglichkeit, so viele seiner Werke auf einem Rundgang durchs Elbeforum zu sehen.


Hygienekonzept

von Ralf Pöschus 11. August 2020, 17:11 Uhr

Brunsbüttel | Der Countdown für die Werkschau des Brunsbütteler Künstlers Jens Rusch im Elbeforum anlässlich seines 70. Geburtstags läuft. Am Freitag findet eine Vernissage mit rund 130 geladenen Gästen statt, ab Sonnabend bis Monatsende ist die Retrospektive täglich von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Rusch wird durch die Ausstellung führen, für Gespräche mit Besuchern zur Verfügung stehen. Auch hier gilt wie schon bei der Eröffnung ein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Bis zu 50 Menschen dürfen gleichzeitig in die Ausstellung.

Die Idee zu der Werkschau hatten Bürgervorsteher Michael Kunkowski und Bürgermeister Martin Schmedtje – und stießen damit in Brunsbüttel auf offene Ohren. Jeder, der nur irgendwie am Zustandekommen der Retrospektive beteiligt war, freut sich Rusch, habe hinter dem Projekt gestanden. Die Bürgerstiftung um Alt-Bürgermeister Wilfried Hansen hat Sponsoren angeworben. Nicht unwichtig, schließlich musste auch der 112-seitige Katalog finanziert werden. Den gibt es ab Freitag für 20 Euro zu kaufen. Überschüsse fließen an die Aktion „Stark gegen Krebs“.

Zur Ausstellung erscheint ein 112seitiger Katalog. Dieser kostet 20.-€

Kuratiert hat die Werkschau der Kieler Journalist Michael Legband, ein enger Vertrauter mit Ruschs Arbeiten. Michael Kunkowski formuliert das so: „Wir hätten keinen besseren finden können.“ Legband hat, gemeinsam mit dem Künstler, versucht alle kreativen Perioden des Brunsbüttelers abzubilden: von der frühen spanischen Phase bis hin zum über neun Jahre entstandenen Wacken-Zyklus – und dazwischen viele weitere Facetten. Er sagt: „Das ist ein grandioses Statement der Stadt, einen Bürger so zu ehren.“

Kunkowski ergänzt: „Wir ehren das Gesamtkunstwerk von Jens Rusch.“ Dazu gehört für ihn auch das soziale Engagement des 70-Jährigen, etwa die Erfindung der Wattolümpiade oder die Aktion „Stark gegen Krebs“. Der Bürgervorsteher verweist auch darauf, dass sich in den Bildern so mancher Brunsbütteler wiederfinde.

Eine Vorgehensweise, die Rusch von seinem frühen Tutor Norman Rockwell (1894 - 1978) übernommen hat. Dessen Bild „Das Problem, mit dem wir alle leben“ zur Bürgerrechtsbewegung in den USA der 1960er Jahre hatte Barrack Obama im Weißen Haus aufgehängt.

– Quelle: https://www.shz.de/29253072 ©2020

Gesamtkunstwerk

Retrospektive zur Würdigung von Jens Rusch

Von Michaela Reh

Bürgervorsteher Michael Kunkowski (CDU) hat es auf den Punkt gebracht: „Mit dieser Retrospektive wollen wir das Gesamtkunstwerk Jens Rusch würdigen.“

Im Mittelpunkt der Ausstellung, die am Freitag, 14. August, in der Stadtgalerie im Elbeforum eröffnet wird, steht das Lebenswerk des Dithmarscher Kulturpreisträgers. Kein Zweifel. Aber die Stadt will mit dieser Präsentation auch das soziale Engagement des geistigen Vaters der Wattolümpiade ehren.

Zahlreiche Kunstveranstaltungen sind in diesem Jahr schon wegen der Coronapandemie abgesagt worden. Auch Jens Rusch, der im April 70 Jahre alt geworden ist, hat bis zum Schluss gebangt: „Die Ausstellung stand nicht nur einmal auf der Kippe“, sagt der Künstler. Bürgermeister Martin Schmedtje dagegen hat seinen Optimismus in den vergangenen Wochen kein einziges Mal verloren. „Meine schwierigste Aufgabe war es nur, Jens Rusch in dieser Zeit bei Laune zu halten“, sagt der Verwaltungschef mit einem Schmunzeln. Bislang zählte Rusch, obwohl ein Sohn der Stadt, nicht zu den zahlreichen Künstlern, die in der Stadtgalerie ihre Arbeiten präsentieren durften. Umso größer ist seine Freude über diesen Wendepunkt in Form der Retrospektive. „Ich bedanke mich insbesondere bei Martin Schmedtje und Michael Kunkowski für ihren vehementen Einsatz zum Gelingen eines würdigen Lebensrückblicks“, schreibt Jens Rusch deshalb auch gleich zu Beginn des Kataloges, der begleitend zur Retrospektive erscheint.

Jens Rusch selbst habe seine Wurzeln nie verleugnet, die eindeutig in Brunsbüttel zu finden sind, auch wenn er als Kosmopolit viele Jahre in Spanien gelebt und gearbeitet hat. Rückblickend könne er von sich behaupten, immer authentisch und ehrlich gewesen zu sein. „Ich bin mir immer selbst treu geblieben. Das ist wie ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht.“

Die Leidenschaft für Malerei und Kunst hat Jens Rusch übrigens schon als Jugendlicher verspürt: „Ich war gerade 14 Jahre alt, als mir mein Großvater einen Fernkursus geschenkt hat.“ Einer seiner Lehrer war Norman Rockwell, ein bedeutender amerikanischer Maler, der dem jungen Rusch damals Verbesserungsvorschläge in die Bilder gemalt habe. „Da bin ich heute noch richtig stolz drauf.“

Kuratiert wird die Retrospektive von Journalist Michael Legband, einem engen, aber „kritischen Freund“ Ruschs. Er war es auch, der die rund 70 Werke gemeinsam mit Jens Rusch aus einer Fülle von Arbeiten ausgewählt hat. Keine leichte Aufgabe. „Dabei habe ich darauf geachtet, dass alle Schaffensperioden Ruschs Berücksichtigung finden.“ Die frühe spanische Phase beispielsweise, aber auch die vielen Wacken-Bilder sowie Illustrationen zu literarischen Werken wie Faust und Schimmelreiter. „Hier werden sich viele Brunsbütteler wiederfinden“, sagt Legband. Schließlich habe Rusch seine Darsteller für die Bilder häufig unter den Einheimischen gesucht.

Diese Ausstellung, so findet Legband, sei „ein grandioses Statement der Stadt“. Eine derartige Ehrung sei nicht selbstverständlich und nicht häufig zu finden. „Das mag natürlich auch daran liegen, dass nicht so viele Städte einen Künstler wie Jens Rusch haben.“ Jens Rusch ist aber nicht nur ein Kunstschaffender, sondern auch der Erfinder der Wattolümpiade. Er hat dazu beigetragen, dass die Strukturen für Krebsbetroffene in der Region verbessert wurden. Immerhin 440 000 Euro an Spenden sind mit der Benefizveranstaltung in den vergangenen 16 Jahren für den guten Zweck generiert worden. V Die Ausstellung, die am kommenden Freitag, 14. August, um 18 Uhr mit geladenen Gästen im Elbeforum eröffnet wird, läuft bis einschließlich 30. August, und kann ab Sonnabend, 15. August, täglich von 15 bis 19 Uhr besucht werden. Jens Rusch ist immer vor Ort, um sich mit den Besuchern zu unterhalten. Wegen der Coronapandemie gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht.

Retrospektive

Virtuell versus Analog


Man kann sich darüber streiten, ob eine virtuelle Ausstellung im Internet einer besuchbaren analogen Ausstellung in einer norddeutschen Kleinstadt tatsächlich entspricht.

Selbstverständlich ist der Dialog mit einem ausstellenden Künstler anlässlich seiner Vernissage oder eines Atelierbesuches kaum zu ersetzen. Darüber kann es keine zwei Meinungen geben. Andererseits beschränkt sich dieser Radius an erlebbarem Austausch auf eine Mobilität und Erreichbarkeit, die eindeutig durch das Internet übertroffen wird. Jens Rusch hat längst Sammler und Freunde seiner Arbeit in aller Welt. Und genau um diese geht es, wenn der Künstler nun erstmals seine wichtigsten Werke in einer virtuellen Ausstellung zusammenfasst, die auf eine ganz andere, interaktive Weise für den Kunstfreund erfahrbar wird.

Ganz nach persönlichem Gusto und Interesse kann sich der Besucher nun durch die Ausstellungsräume bewegen, in Muße vor einem Bild verharren und ist dabei keinerlei Zeitdruck unterworfen. Freunde können informiert werden und wenn gewünscht, ist auch der Kontakt mit dem Künstler kein Problem. Und das alles völlig nach eigenen Termin-vorstellungen und nicht nach vorgegebenen Öffnungszeiten.

Die Räume der virtuellen Retrospektive

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