Galerie

Aus Jens Rusch
Version vom 23. Mai 2012, 11:44 Uhr von Jens Rusch (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Galerie.jpg

Das Schulgebäude stammt noch aus der Kaiserzeit und weist eine bröcklige Romantik auf. Es ist groß genug, um auch ein kleines weltliches Konzept zu ermöglichen: Im Erdgeschoss befindet sich die Galerie, in der Susanne Rusch das alleinige Regiment führt und deren Räume im Bedarfsfalle durch den Förderverein für Kulturarveit Lyra e.V. genutzt werden können. Im ersten Stock das Privatissimum, das paßwortgesichert und nur über Leibesvisitationen und das Ausfüllen dutzender von Kontrollformularen und Fragebögen betreten werden darf. Es stellt praktisch die Pufferzone zum Elfenbeinturm im Dachgeschoss dar, denn dort passieren Dinge, von der die Welt nichts wissen darf. Jens Rusch teilt sein Atelier mit dutzenden ebenfalls bedrohter Arten: Terrarien mit unscheinbaren Insekten, die ihre Schönheit erst bei näherer Betrachtung entfalten. Ist man aber einmal in ihrem Bann, dann ist die Welt in den unteren Geschossen bereits soweit entfernt, daß er gelassen und konzentriert an seine Arbeit gehen kann. Telefon und Internet gibt es hier nicht.


Warum Künstler einfach anders ticken!

Mit freundlicher Genehmigung von Stefan Helmers


Kleiner Leitfaden für Unternehmen, die Kreative - im speziellen Künstler - nutzen möchten ODER: Warum Künstler einfach anders ticken!


Sie haben ein Unternehmen und beschlossen einen Kreativen/Künstler für ein Projekt ins Boot zu holen... Das ist löblich, aber was ist wirklich Ihre Motivation zu so einem Abenteuer?

Sollte es sich um ein ernsthaftes Projekt handeln, so ist Ihre Entscheidung goldrichtig.

Sollte es aus einer Marketing- oder Modelaune heraus geschehen, lassen Sie es bleiben!

Der Umgang mit Künstlern wird für Sie viele Überraschungen mit sich bringen. Lassen Sie Sich drauf ein und lernen Sie dazu...


1) Was macht Künstler aus?

  • Künstler leben in kreativen/schöpferischen Welt!
(Aber Achtung! Es sind keine Traumtänzer; im Gegenteil)
  • Daraus folgt eine ständige Veränderung:
der Technik
der Wahrnehmung
der Weltanschauung
der Prioritäten


Kunstschaffende WERDEN mit ihrem Schaffensprozeß

  • D.h. das dieser Prozeß der Entwicklungspsychologie gleichzusetzen ist: Ein Künstler durchlebt auf kreativem Sektor [über Kind/Jugend/Erwachsen/Alter] das Reifen.
  • D.h. ein Künstler ist ständig in Veränderungs- und Reifungsprozessen bis er sich auf ein Gebiet spezialisiert [und selbst dann ist er nicht 'seßhaft']


Exkurs:

Es heißt, daß sich alle drei Sekunden das Weltbild eines Menschen ändert.
Es heißt, daß alle sieben Jahre sich der Mensch in eine andere Richtung ändert
[In Partnerschaften das 'Verflixte 7. Jahr'].


Diese Änderungsprozesse sind beim Künstler intensiver, offener, radikaler und vor allem hochfrequent! [Ein Indiz warum Künstlerehen selten halten]


2) Für die Praxis im Umgang mit Künstlern heißt das:

  • Künstler sind sehr vielseitig interessierte Menschen
  • Künstler sind sehr vielseitig versierte Menschen
  • Künstler sind sehr vielseitig gebildete Menschen
  • Künstler sind sehr vielseitig emotionale Menschen
  • Künstler sind begeisterungsfähig
  • Künstler sind leidenschaftlich
  • Künstler sind pedantisch
  • Künstler sind perfektionistisch
Künstler haben ein Projektdurchhaltevermögen von maximal 3 Monaten bei 9 to 5 bei 7 Tagen in der Woche


3) Was noch? Womit müssen Sie rechnen?

  • Künstler hinterfragen Abschnitte, die sonst durchgewunken würden
  • Künstler können sich sofort auf eigene Projekte konzentrieren, wenn es in Ihrem Projekt langweilig oder unnötig stressig wird
  • Künstler spielen nach ihren eigenen Regeln
  • Künstler können absolut zuverlässig sein [Profis] aber auch absolut unzuverlässig [ Mittelmaß/Underdogs/Möchtegerne]
  • Künstler sind unbürokratisch
  • kommen Sie Künstlern nicht mit starren Vorgaben oder Buchhalterischen Aufgaben




4) Was Sie über Künstler nicht vergessen sollten:

  • Künstler MÜSSEN von ihrer Kunst leben!!!
  • Künstler haben eine riesige Konkurrenz am Markt
  • Künstler haben nur EIN Produkt, für das sie jeweils einen Käufer finden müssen
  • Künstler zahlen ihre KV selbst. Ebenso ihr Atelier/Wohnung und das Material in Vorkasse
  • Künstler führen einen stetigen, persönlichen und wirtschaftlichen Überlebenskampf!!!
  • Wer sich für den Beruf des Künstlers entscheidet, weiß um das Leben in Armut
  • Künstler verzichten vielfach auf Familie, da sie sich diese nicht leisten können
  • Künstler MÜSSEN ihrer Arbeit den Vorrang einräumen, da sie ansonsten verhungern! → Magen geht vor Ehrenamt! [für NGO's]
  • Künstler sind Einzelkämpfer! Denken Sie nicht, daß Sie durch viele Künstler viel Ergebnis erzielen. Das wird nichts.


5) Wie Sie Künstler sinnvoll in Ihre Vorhaben einbauen können

  • Mittels Geld!!!!
  • Bezahlen Sie Ihre Künstler so, daß diese den nächsten Monat gesichert haben. Dann können sich diese auch auf das Projekt einlassen: als zuverlässige Partner!!!
  • Nutzen Sie die kreativen entwicklungsmomente eines Künstlers. Hören Sie ihm zu, wenn dieser eine Idee entwickelt. *Auch wenn diese erst blödsinnig erscheint oder phantastisch; entdecken Sie die Planungsfreiheit und den Output!
  • Lassen Sie mal Fünfe gerade sein. Einige Dinge können auch später erledigt werden.
  • Machen Sie sich offen für Neues
  • Behandeln Sie den Künstler mit Respekt!

Dieser Mensch führt einen härteren Wettbewerbskampf als Sie.

  • Begegnen Sie dem Künstler auf Augenhöhe.
  • Dieser Mensch hat mehr Entwicklungen durch, da würden Sie vor Neid erblassen. Vor Ihnen sitzt ein Mensch, der über sehr viele Fähigkeiten verfügt und zudem sehr viel im Leben riskier/aufgibt.
  • Beraten Sie GEMEINSAM, welche Aufgaben der Künstler in Ihrem Projekt übernehmen kann und ggf. (an~)leiten könnte.
  • Beziehen Sie den Künstler in das GESAMTprojekt mit ein. Halten Sie ihn auf dem laufenden.
  • Lassen Sie den Künstler auch etwas Rampenlicht abbekommen. Z.B. auf PK's/PM's/... Künstler könnten sich ggf. als natürliche, interessantere 'Werbeträger' erweisen.


Ehre wem Ehre gebührt!

Machen Sie sich nicht Ideen des Künstlers zu eigen, ohne diesen dafür in der Öffentlichkeit hervorzuheben!!!!

Denn das Eine nähert sich im ungünstigsten Fall einer Urheberrechtsverletzung und das Andere ist das, was der Künstler braucht: Öffentlichkeit!

  • Geben Sie dem Künstler keine Verantwortung über Personal! Künstler sind zu sehr Gutmenschen.
  • Lassen Sie den Künstler mit Projektabrechnungen und Buchführung in Ruhe. Nehmen Sie ihm dieses für das Projekt ab.
  • Sorgen Sie für 'kurze Wege' und gute Kontakte.

Künstler sind sehr spontan und wünschen relativ schnelle Resultate und Umsetzungen.

  • Nichts ist selbstverständlich für einen Künstler.
  • Ein Künstler weiß nichts von Ihren (in Ihrer Branche allgemeingültigen) Geflogenheiten.
  • Alles ist selbstverständlich für einen Künstler.

Alles, was sein Fachgebiet betrifft. Reden Sie deshalb interessiert mit ihm.

  • Versuchen Sie nicht vor dem Künstler mit Ihrem Kunstwissen zu prahlen oder ihn gar herauszufordern [Sehr beliebt]; das geht nach hinten los.
  • Der Künstler sieht Sie dann als genau das, was Sie im letzteren Fall sind: ein eitler, arroganter Fatzke! Damit ist jede konstruktive Projektarbeit beendet.
  • Denken Sie daran, daß es nicht gut ist, einen Kreativen zu verprellen. Er wird für Ihre Institution zum Einen nicht mehr zur Verfügung stehen und zum Anderen in seinen Netzwerken despektierlich über Sie sprechen.
  • Pflegen Sie auch nach dem Projekt den Kontakt zum Künstler.

Auch der hat Netzwerke!!!

  • Rechnen Sie damit, daß Ihr Künstler Sie gegen 03:00 Uhr nachts anruft!!!


...Und?! Haben Sie noch immer Lust mit Künstlern zu arbeiten?

Gut! Dann kann es ja losgehen! ^^