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"Um alle Hürden dieses Jahres erfolgreich zu meistern, bedarf es besonderer Anstrengung in allen Belangen. Achtung in Finanzangelegenheiten! Es kommen zahlreiche Ausgaben auf Euch zu, die Ihr am besten durch kluge Sparmaßnahmen ausgleichen könnt. Es lohnt sich, Euren Freundeskreis zu erweitern. Sorgt für einen gesunden Lebenswandel und achtet besonders auf Hygiene."
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Na, treffender konnte man es ja wohl nicht vorhersagen. Deshalb sollen sie einen zentralen Platz erhalten.
  
 
=== Do 9. 4. 2020 ===
 
=== Do 9. 4. 2020 ===

Aktuelle Version vom 19. Mai 2020, 18:43 Uhr

"...grad wollte er noch insistieren
und kroch bereits auf allen Viren..."

Corona Copyright.jpg

NDR-Kurzbericht im Schleswig-Holstein Magazin

Ich denke, das ist bemerkenswert. Seit vielen Jahren signiere ich meine Bilder ohne Jahresangaben. Das hat seinen Grund. Aber heute mache ich eine Ausnahme. Spätere Generationen sollen wissen, dass ich dieses Gemälde inmitten der Corona-Krise gemalt habe.

Als ich die Berichte über die Leichentransporte in Italien und das "Massengrab" in New York in den Abendsendungen sah, hatte ich zwei schlaflose Nächte. Mit Schweissausbrüchen und Herzrasen. Das kenne ich, denn ich leide als Krebsbetroffener unter "Fatique" und da genügen solche Anlässe, um pathologische Effekte bis hin zur Suizidgefährdung zu provozieren. Abgesehen von entsprechenden Medikamenten, die ich ablehne, bleibt meine lebenslang erprobte Therapie: ich gebe meine Probleme an eine Leinwand ab. Das ist nun in den vergangenen Wochen mit grosser Verbissenheit geschehen. An einigen Tagen habe ich zwölf Stunden an diesem Bild gearbeitet und bin abends todmüde ins Bett gefallen. Aber es geht mir gut - und das verdanke ich dieser ureigenen Therapie.

Das Corona-Logbuch

Mi 8.4.2020

Prognose für das "Jahr der Ratte" (nach dem chinesischen Kalender):

Vorhersagen für 2020

"Um alle Hürden dieses Jahres erfolgreich zu meistern, bedarf es besonderer Anstrengung in allen Belangen. Achtung in Finanzangelegenheiten! Es kommen zahlreiche Ausgaben auf Euch zu, die Ihr am besten durch kluge Sparmaßnahmen ausgleichen könnt. Es lohnt sich, Euren Freundeskreis zu erweitern. Sorgt für einen gesunden Lebenswandel und achtet besonders auf Hygiene."

Na, treffender konnte man es ja wohl nicht vorhersagen. Deshalb sollen sie einen zentralen Platz erhalten.

Do 9. 4. 2020

"Heute fand in meinem Atelier (Home office) ein Treffen der fünf wichtigsten Virologen statt. Alle verfügen über ein gerüttelt Maß an Fachwissen, welches allerdings überwiegend aus der Zeit vorangegangener Epidemien resultiert. Wie könnte das auch anders sein? Und so verliefen dann auch die ersten Sondierungsgespräche erwartungsgemäß eher als ein divergierender Rückblick mit allerlei Spekulationen. Diese habe ich zunächst im Hintergrund abgelegt, um den Vordergrund für aktuellere Auslegungen freizuhalten."

Mi 15. 4. 2020

Gestern habe ich die große Leinwand aufgezogen und heute damit begonnen, den Hintergund anzulegen. Ausgerechnet heute verkündet unsere Regierung, dass unsere Wattolümpiade in diesem Jahr ausfallen muss. Damit leider auch eines meiner wichtigsten Projekte, das Palliativ-Hospiz. Morgen werde ich vermutlich düstere Farben verwenden. Die Corona-Debatten bei Facebook werden immer unerträglicher, nehmen reaktionäre Züge an. Wenn doch die Vernünftigen genau so laut wären. Ich bin froh, dass ein Bild angeblich mehr als tausend Worte sagt. Dann kann ich mir die schon mal sparen.

Selbstverständlich trage ich bei der Arbeit eine adäquate Atemschutzmaske.

Do 16. 4. 2020

Heute in meinem Home-Office.

das große Buch, das einer der Virologen mitbrachte, enthält den WHO-Jahresbericht. Zu den Faltenwürfen wurde ich durch die Übertragung der Rede des Papstes angeregt: Urbi et orbi. (Was wie die Lateiner unter uns wissen, "Stadt, Land Fluß bedeutet) .Eines der beliebtesten Gesellschaftsspiele, an das sich viele unter meinen älteren Zuhörern sicher noch erinnern. Im Wattikan wurden ja viele sehr beliebte Gesellschaftsspiele entwickelt, wie beispielsweise die Inquisition oder die Autodafes. Daraus wurde dann später das Bijkebrennen.

Frei 17. 4. 2020

Heute in meinem Home-Office. Der hinzugekommener Virologe Freiherr von Droste-Vischering (rechts) erzählt uns etwas von Herden-Immunität. Das müsse man sich etwas wie eine "natürliche Schutzimpfung" vorstellen. Etwa 80% aller Deutschen hätte ein komplett intaktes Immunsystem und bräuchte überhaupt nichts zu befürchten. Wir fragten nach den übrigen 20%. Nun ja, da würde dann eben mal "kräftig durchsortiert" meinte der Virologe, der uns zunehmend suspekt vorkam. Ob er damit nicht verdammt nahe an der Euthanasie stände, fragten wir. Seine Antwort: "Diese Theorie ist weit älter". Irgendwie macht es sie in meinen Augen nicht sonderlich humaner. Dann strapazierte er noch eine Weile die Aspekte des sozialverträglichen Absterbens und den Begriff "Sozial-Darwinismus". Ich nutzte die Zeit, um meine Pinsel zu waschen.

Sa 18. 4. 2020

"Lassen wir einmal dahingestellt, ob die Chinesen Raubbau in jeglicher Form an unserem Planeten betreiben - ob Pangolinos oder Fledermäuse, nun unbedingt zu den Grundnahrungsmittel zu zählen sind, darf nicht Gegenstand dieser Diskussion sein", warf Bocaccio ein.

"Ein Paradoxon erster Güte ist ja die Regulierung der ungeheuren Vermehrungsquote (okay, die Einkind-Ehe gibt es indes nicht mehr) und dem Wahn der Potenzsteigerung, beispielsweise durch gehobelte Nashorn-Hörner." merkte nun Prof Freiherr von Droste Vischering (rechts an). Dann fuhr er fort:

"Die asiatischen Schuppentiere werden vom Menschen vielfach genutzt. So dient ihr Fleisch als Nahrungsquelle, sowohl lokal zur Proteinversorgung als auch international als exotische Spezialität, darüber hinaus werden den Schuppen und zahlreichen anderen Körperteilen Heilkräfte zugeschrieben, die sie unter anderem für die Traditionelle Chinesische Medizin, aber auch für weitere regionale Gebräuche attraktiv machen. Die dadurch bedingte Bejagung der asiatischen Schuppentiere durch den Menschen geht auf eine lange Tradition zurück, aber erst die Internationalisierung des Handels seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhöhte den Druck auf die Populationen der verschiedenen Manis-Arten beträchtlich. So wurden allein zwischen 1958 und 1965 über 60 t an Schuppen der Schuppentiere legal aus Sarawak exportiert.

Die gefangenen oder getöteten Tiere stammen im überwiegenden Maße aus Wildbeständen, Zuchtmaßnahmen sind bisher nur selten erfolgreich, da sich Schuppentiere in menschlicher Obhut kaum vermehren. Dies brachte einige Bestände regional an den Rand des Kollapses, was vor allem im nördlichen Verbreitungsgebiet der Fall ist, so dass Schuppentiere dort heute selten sind. Seit dem Jahr 2000 unterliegen die asiatischen Schuppentiere dem Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES), ein Handel mit den Tieren oder deren Körperteilen ist somit verboten.

Allerdings gelangen die asiatischen Schuppentiere häufig auf den illegalen Schwarzmarkt, Hauptabnehmer sind heute China und Vietnam. Zunehmend verlagert sich die Jagd dabei auf die Bestände im südlichen Verbreitungsareal. In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts konnten allein in Malaysia über 6000 lebende Individuen konfisziert werden, im Jahr 2008 beschlagnahmten Behörden in Vietnam 24 t gefrorener Schuppentiere und weitere 14 t auf Sumatra.

So 19. 4. 2020

Panizza, der ebenfalls einen Hund mitgebracht hatte, erhob nun seine Stimme: "Lassen Sie uns über die Ausrottung des Sumatra-Nashorns und des afrikanischen Spitzmaulnashorns reden. Bei der TCM dienen die Hörner vor allem in pulverisierter Form als Medikament gegen Fieber und Schmerzen, ein häufig angenommener Einsatz als Aphrodisiakum ist historisch nicht verbürgt. Vor allem aufgrund dieses Marktes sind Nashörner durch die damit verbundene Wilderei vom Aussterben bedroht. So wurden auf dem Schwarzmarkt im Jahr 2017 bis zu 45.000 US-Dollar für jedes Kilogramm Horn eines asiatischen Nashorns gehandelt,bis zu 10.000 US-Dollar im Jahr 2011 für die entsprechende Menge eines afrikanischen Nashorns. Durch die hohe Nachfrage aus Ostasien an Horn stieg in den letzten Jahren nicht nur die Anzahl der durch Wilderei getöteten freilebenden Nashörner vor allem im südlichen Afrika, sondern es kam auch verstärkt zu Diebstählen in Museen, Sammlungen und Auktionshäusern und damit verbundenem Schmuggel. Mehrere durchgeführte Tests seitens der Pharmaindustrie und biowissenschaftlicher Forschungsinstitute ergaben jedoch keinerlei medizinische Wirkung.

Die Plünderung selbst entlegendster Urwald-Areale im Auftrage chinesischer Händler öffnete auch neue Verbreitungswege ansonsten endemischer Virus-Populationen. Darüber muss man reden dürfen!"

Mo 20. 4.2020

Das hier abgebildete Duo Bocaccio und Panizza (links) hat seine Hunde mitgebracht, die einen leidlich mitgenommenen Eindruck machen. Beide haben in ihren Erfahrungsberichten, den Verlust an Humanität beschrieben. Aber auch eine ausufernde Lustausübung unter dem Damoklesschwert einer unausweichlichen Endgültigkeit. Wer den Menschen als das größte Übel für diesen Planeten betrachtet, dem ist das Virus ein willkommener Ausrotter.

Di 21. 4.2020

Der Virologe mit dem grossen Buch ist Professor Frank Snowden. "Sars, Vogelgrippe, Ebola, Covid 19 - all dies sind Krankheiten, die entstehen, wenn Erreger von Tieren auf den Menschen überspringen. Wie oft muss das noch passieren, damit wir endlich merken, dass es da ein Muster gibt? Dass der mensch aufhören muss, seinen Lebensraum immer weiter auszudehnen?


Mi 22. 4. 2020

Dass heute bereits Superreiche sich in Refugien zurückziehen oder an ferne, entlegene Orte flüchten, stellt eine deutliche Parallele zu Pest und Cholera, auch zur Syphilis-Epidemie dar. Giovanni Bocaccio ergriff das Wort: Ich habe in meinem Decamerone genau beschrieben, wie sich zehn junge Menschen in einem Landhaus ausserhalb von Florenz vor der Pest in Sicherheit bringen. Viele verlieren ihren Glauben und frönen der Lust in öffentlichen Exzessen, wie Kollege Panizza in seinem Liebeskonzil so anschaulich darzustellen weiss.

Auch das Suchen nach Feindbildern und Schuldigen, wie es zur Zeit die USA und China in einem sich steigernden Schlagabtausch vorführen, hat Parallelen. Alessandro Manzoni, den man unbedingt wieder lesen sollte, beschreibt, wie vier Spanier auf grausame Weise hingerichtet werden, weil man sie verdächtigt, die Pest verbreitet zu haben. Sein Historien-Roman heisst "Die Verlobten". Und natürlich die Juden als klassische "Brunnenvergifter" müssen bei jeder widerlichen Kleinigkeit herhalten. Bei der Cholera war es ähnlich. Chinesisch aussehende Menschen sind bereits wieder in vielen Ländern in Gefahr, angegriffen zu werden.


Do 23.4. 2020

Freiherr von Droste-Vischering meldet sich artig zu Wort: "Es gibt tausende von Virenstämmen in endemischen Populationen. Dort erledigt sich das Thema jedoch über kurz oder lang immer schon deshalb, weil Viren kein Abitur haben und ihren Wirt töten. Diese Dummerchen. Anders sieht es aus, wenn es auf eine Spezies übergeht, von denen es gigantische Populationen gibt. Und das ist nun einmal der Mensch."

Oskar Panizza jetzt: "Das fett besiedelte China mit seinen barbarischen Fressgewohnheiten und seiner raubzugartigen Ausbeutung aussterbender Tierarten ist deshalb geradezu perfekt für diese Zusammenhänge."

Bocaccio insisiert: "Ein Virus will eben NICHT, dass sein Wirt stirbt. Denn ein Virus kann sich nur in den Wirtszellen vermehren! Daher stirbt ein Virus ja auch nach relativ kurzer Zeit außerhalb seines Wirts. Im Gegensatz zu Bakterien, die lediglich eine passende "nahrhafte Umgebung" brauchen. Oder im Gegensatz zu Parasiten, die teilweise (wie Zecken oder Blutegel) monatelang ohne Nahrung auskommen.

Daher freut sich ein Virus, wenn es auf eine große Population von Wirtstieren trifft - z.B. in Großställen, in Mastbetrieben, in Zuchtbetrieben, egal ... Hauptsache viele Wirte. Da kommt es dann eben in der Menge nicht darauf an, wenn ein paar Wirte sterben. Darum tötet man ja auch meist in Ställen, in denen z.B. Schweinepest oder Vogelgrippe auftritt, alle Tiere. Man nimmt dem Virus so seine Lebensgrundlage.




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Vorgeschichte und Anlass

Vor etwa zwei Jahren hatte Jens Rusch beschlossen, keine großen und anstrengenden Themen mehr zu bearbeiten. Lebensalter, angeschlagene Gesundheit und der kaum noch aufnahmebereite Kunstmarkt waren hinreichende Gründe für diese Entscheidung. "Eine letzte Retrospektive noch, dann kann das große Malbuch zugeklappt werden." Neue Leinwände und Ölfarben, die noch auf der Anschaffungsliste standen, wurden gestrichen.

Doch es kam anders. Zwei durchgrübelte Nächte mit Herzrasen, Angstschweiß und einer spürbar werdenden Depression, ausgelöst durch Videos der Corona-Leichentransporte zu den Krematorien in Italien, waren der erste Auslöser. Austherapierte Beatmungs-Opfer in transparenten Plastikhüllen der zweite. Selbst ein Hochrisiko-Patient aufgrund seiner Krebs-Anamnese, keimte in ihm ein bislang ungekanntes Maß an Unruhe und Ängsten. Und dieser Aufruhr wollte auch in den folgenden Tagen nicht weichen.

Diese aufgewühlte Emotionslage und der unzureichende Schlaf sind für einen seismografisch veranlagten Künstler eigentlich lebenslange Begleiter. Und er kennt auch die Katalysatoren und Stellschrauben, um zu einem handlungsfähigen Allgemeinzustand zurückzukehren. So entstehen kompensierende Bildideen. Von Goya bis Beckmann, von Bosch bis Dali war die Leinwand immer schon das, was für den Psychiater die Couch sein muss. Ein Ablageort, eine Projektionsfläche oder wenn man es so sehen will, eine Restmülltonne oder ein Scheiterhaufen.

Skizzen, das Ordnen der Gedanken

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