Schimmelreiter-Laudatio

Aus Jens Rusch
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Jens Rusch links und Bernhard von Oberg. Foto: Dr. Katrin Schäfer

Das Land, das Meer und der Storm

Laudatio Roter Haubarg am 16. 05. 2010 von Bernhard von Oberg
Alles in einem Rusch

Du gehst ins Schimmelreiter-Land? Du gehst wirklich ins Schimmelreiter-Land? Du gehst über die Eider ins Schimmelreiter-Land?

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Schimmelreiters. 1.200 Jahre nachdem Karl der Große den Fluss Eider zur nördlichen Grenze des Heiligen Römischen Reiches machte, ist es noch allgegenwärtig, das Unbehagen beim kleinen Grenzverkehr.

Ich freue mich, dass Sie keine Berührungsängste haben, sich auf Dithmarscher und Steinburger einzulassen. Ich danke Ihnen, dass Sie in den Peerstall nach Wtzwort gekommen sind, statt nach Gottorf zu gehen, wo eigentlich auch diese Karre hier hätte stehen sollen. Ich hatte gute Argumente. Der Süderholmer Torfbackverein ist mit einer anderen Schubkarre unterwegs.

Dank auch an die Bürgervorsteherin der Stadt Husum, Birgitt Encke. Auch sie hätte sich heute anders entscheiden können. Doch das Thema Storm, der wunderbare Rote Haubarg und die guten Beziehungen zum Nachbarkreis Dithmarschen liegen ihr besonders am Herzen. Danke Birgitt.

Mein Name ist Bernhard von Oberg. Träger des gleichen Namens waren 1500 und 1559 mit dabei, als es gegen die Dithmarschen ging. Doch das ist Geschichte und ich ein Wahl-Dithmarscher und – auf Wunsch der Verlegerin Anja Marschall - Ihr literarisches Vorprogramm für den Aufritt des illustren Schimmelreiters aus der Feder des norddeutschen Farbenflüsterers Jens Rusch.


Die Friesen sind die Nibelungen der Nordsee

Von links: Dr. Klaus Jork Freund des Künstlers und Hauke Haien-Darsteller, Laudator Bernhard von Oberg, Jens Rusch, davor Verlegerin Anja Marschall. Foto: Ausstellungsmacherin Dr. Katrin Schäfer

Der Schimmelreiter ist das Nibelungenlied der Nordfriesen. Davon bin ich überzeugt. Davon muss ich Sie, meine Damen und Herren, nicht überzeugen. Selbst wenn Theodor Storm, mütterlicherseits Nordfriese, das Nationalepos vom „Schimmelreiter“ und Deichgrafen Hauke Haien auf hochdeutsch schrieb.

Foto: Dr. Katrin Schäfer

Wer sich auf Jens Rusch und seinen Illustrierten Schimmelreiter einlässt – und dazu werden Sie heute noch ausgiebig Gelegenheit haben – kommt früher oder später – so wie ich - an das Schlüsselwort „Geopsyche“.

Entdeckt hat diese Geopsyche der Sozialpsychologe und Nervenarzt Willy Hellpach, Jahrgang 1871. Er bemerkte, dass Wetter, Boden, Klima und Landschaft Einfluss auf die Menschenseele haben.

Mit anderen Worten: Wer den Schimmelreiter entschlüsseln will, muss sich mit dem Wetter, dem Boden, dem Klima und der Landschaft auseinandersetzen. Der geniale Kunstgriff von Hellpach besteht darin, dass sich bei ihm naturwissenschaftliches Weltbild und freie Bahn für den irrationalen Überschuss der Seele harmonisch verbinden.

Denken Sie an den Hauke Haien, der auf seiner Schubkarre hockt und den Euklid studiert….

Denken Sie an den Jever Spot

„Keine Staus. Keine Hektik. Keine Cocktailparties. Keine Handys. Keine Meetings. Keine Kompromisse. Kein anderes Bier.“

Seit Mitte der 90ger Jahre geistert der Adonis mit dem Drei-Tage-Bart durch die Dünen. Seine Botschaft: Wie das Land, so das Jever – friesisch herb.

Ich habe mich heute früh rasiert, wie sie sehen, aber ein besseres Beispiel für Ruschs Geopsyche fand ich nicht: Wie das Land, so das Bild.

Wie das Land, so das Bild und das Buch

Bevor Sie, meine Damen und Herren, und Sie Ihrem nordfriesischen Copyright am Schimmelreiter das Wort reden „Wie kommt ein Dithmarscher eigentlich dazu, unseren Schimmelreiter illustrieren zu wollen?“, vergessen Sie nicht:

Es waren Nordfriesen gewesen, die den Dithmarschern gezeigt haben, wie man richtig deicht. Und auch in Steinburg waren sie aktiv. Diesseits und jenseits der Eider leben Menschen an einem Meer und lieben Menschen ein Meer, das die Besten umbringt.

Geographische und klimatische Gegebenheiten auf die Psyche vor Brunsbüttel unterscheiden sich nicht von den geographischen und klimatischen Gegebenheiten vor Eiderstedt.

Werktreue und eine realistische Wiedergabe machen das Buch zu einer visuellen Erweiterung des Texterlebnisses.

Wie der Schimmelreiter, so der Rusch. Wie der Rusch, so der Schimmelreiter.



Textpassagen

Es folgten ausgesuchte Textpassagen.

Schimmelreiter-Lesungen

Presse-Zitate/Dithmarscher Landeszeitung

Schimmelreiter-Lesung begeistert Zuhörer

„Wie das Land, so das Buch!“ lautete das Motto des Vorleseabends im Kultur- und Bürgerhaus (KBH). Im Rahmen der derzeitigen Ausstellung von Werken des Brunsbüttelers Jens Rusch, der die Novelle des Schimmelreiters illustriert hat, kamen sehr viele Gäste, um sich diesen Hörgenuss nicht entgehen zu lassen. „Die Ruhe vor dem Storm gibt es nur hier,“ zwinkerte Bernhard von Oberg zu Beginn seiner Lesung aus Theodor Storms „Schimmelreiter“. Und in der Tat, als er mit den ersten Zeilen begann, wurde es mucksmäuschenstill im Saal. Dann folgten fast 90 Minuten unterhaltende, spannende und dramatische Buchpassagen aus dem Schimmelreiter. Seien es die Gänsehaut erzeugenden abergläubischen Züge der Gegner Hauke Haiens, die romantische Liebesgeschichte zwischen Hauke und Elke, der Hass Ole Peters’, die Anschaffung des Schimmels oder das Mitleid für die kleine Wienke: In jeder einzelnen Zeile stecken Gefühle, die unaufhaltsam ihren Weg zum Zuhörer suchten. Gefühlvoll wechselte von Oberg die Stimmlage zwischen dem Deichgrafen Hauke Haien, seiner Frau Elke und all den anderen Mitwirkenden aus den Passagen, die der 57-Jährige vortrug. Von Oberg rezitierte so faszinierend, dass auch Almuth Gnekow die Hand ihres Mannes Paul-Heinrich suchte, als sich das dramatische Ende der Buchfiguren abzeichnete.

Lesung in Glückstadt. sh:z

„Das Ende ist so unsagbar spannend und auch grausam“, war Claudia Kreie von der Elsterbuchhandlung ergriffen, die einige Bücher mitgebracht hatte. So nutzten Karin Niens und Angelika Kruse die Gelegenheit, sich ein persönliches Exemplar gleich signieren zu lassen. „Ich habe Bernhard von Oberg auch in Glückstadt gehört. Er hat das Buch nicht nur Zeile für Zeile abgeschrieben, sondern diese Geschichte komplett verinnerlicht“, lobte Jens Rusch. Der Künstler hat den Schimmelreiter illustriert und damit den Personen Gesichter gegeben. Von Oberg verlieh den Akteuren im Schimmelreiter seine Stimme. Derzeit stellt Rusch verschiedene Werke im KBH aus – auch Motive des Schimmelreiters. „Im Grunde ist das fast eine Fortsetzung von Liebesgeschichten, die bis in den Tod geht“, so von Oberg, der viel Beifall für seinen Vortrag erhielt. smf / shz

Kontakt

Wenn Sie an einer Lesung interessiert sind, wenden Sie sich bitte an mailto:bernhardvonoberg@gmx.de