Schimmelreiter-Laudatio
Aus Jens Rusch
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Das Land, das Meer und der Storm
Laudatio Roter Haubarg am 16. 05. 2010 von Bernhard von Oberg
Alles in einem Rusch
Du gehst ins Schimmelreiter-Land? Du gehst wirklich ins Schimmelreiter-Land? Du gehst über die Eider ins Schimmelreiter-Land?
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Schimmelreiters. 1.200 Jahre nachdem Karl der Große den Fluss Eider zur nördlichen Grenze des Heiligen Römischen Reiches machte, ist es noch allgegenwärtig, das Unbehagen beim kleinen Grenzverkehr.
Ich freue mich, dass Sie keine Berührungsängste haben, sich auf Dithmarscher und Steinburger einzulassen. Ich danke Ihnen, dass Sie in den Peerstall nach Wtzwort gekommen sind, statt nach Gottorf zu gehen, wo eigentlich auch diese Karre hier hätte stehen sollen. Ich hatte gute Argumente. Der Süderholmer Torfbackverein ist mit einer anderen Schubkarre unterwegs.
Dank auch an die Bürgervorsteherin der Stadt Husum, Birgitt Encke. Auch sie hätte sich heute anders entscheiden können. Doch das Thema Storm, der wunderbare Rote Haubarg und die guten Beziehungen zum Nachbarkreis Dithmarschen liegen ihr besonders am Herzen. Danke Birgitt.
Mein Name ist Bernhard von Oberg. Träger des gleichen Namens waren 1500 und 1559 mit dabei, als es gegen die Dithmarschen ging. Doch das ist Geschichte und ich ein Wahl-Dithmarscher und – auf Wunsch der Verlegerin Anja Marschall - Ihr literarisches Vorprogramm für den Aufritt des illustren Schimmelreiters aus der Feder des norddeutschen Farbenflüsterers Jens Rusch.
Die Friesen sind die Nibelungen der Nordsee
Der Schimmelreiter ist das Nibelungenlied der Nordfriesen. Davon bin ich überzeugt. Davon muss ich Sie, meine Damen und Herren, nicht überzeugen. Selbst wenn Theodor Storm, mütterlicherseits Nordfriese, das Nationalepos vom „Schimmelreiter“ und Deichgrafen Hauke Haien auf hochdeutsch schrieb.
Wer sich auf Jens Rusch und seinen Illustrierten Schimmelreiter einlässt – und dazu werden Sie heute noch ausgiebig Gelegenheit haben – kommt früher oder später – so wie ich - an das Schlüsselwort „Geopsyche“.
Entdeckt hat diese Geopsyche der Sozialpsychologe und Nervenarzt Willy Hellpach, Jahrgang 1871. Er bemerkte, dass Wetter, Boden, Klima und Landschaft Einfluss auf die Menschenseele haben.
Mit anderen Worten: Wer den Schimmelreiter entschlüsseln will, muss sich mit dem Wetter, dem Boden, dem Klima und der Landschaft auseinandersetzen. Der geniale Kunstgriff von Hellpach besteht darin, dass sich bei ihm naturwissenschaftliches Weltbild und freie Bahn für den irrationalen Überschuss der Seele harmonisch verbinden.
Denken Sie an den Hauke Haien, der auf seiner Schubkarre hockt und den Euklid studiert….
Denken Sie an den Jever Spot
„Keine Staus. Keine Hektik. Keine Cocktailparties. Keine Handys. Keine Meetings. Keine Kompromisse. Kein anderes Bier.“
Seit Mitte der 90ger Jahre geistert der Adonis mit dem Drei-Tage-Bart durch die Dünen. Seine Botschaft: Wie das Land, so das Jever – friesisch herb.
Ich habe mich heute früh rasiert, wie sie sehen, aber ein besseres Beispiel für Ruschs Geopsyche fand ich nicht: Wie das Land, so das Bild.
Wie das Land, so das Bild und das Buch
Bevor Sie, meine Damen und Herren, und Sie Ihrem nordfriesischen Copyright am Schimmelreiter das Wort reden „Wie kommt ein Dithmarscher eigentlich dazu, unseren Schimmelreiter illustrieren zu wollen?“, vergessen Sie nicht:
Es waren Nordfriesen gewesen, die den Dithmarschern gezeigt haben, wie man richtig deicht. Und auch in Steinburg waren sie aktiv. Diesseits und jenseits der Eider leben Menschen an einem Meer und lieben Menschen ein Meer, das die Besten umbringt.
Geographische und klimatische Gegebenheiten auf die Psyche vor Brunsbüttel unterscheiden sich nicht von den geographischen und klimatischen Gegebenheiten vor Eiderstedt.
Werktreue und eine realistische Wiedergabe machen das Buch zu einer visuellen Erweiterung des Texterlebnisses.
Wie der Schimmelreiter, so der Rusch. Wie der Rusch, so der Schimmelreiter.
Textpassagen
Es folgten ausgesuchte Textpassagen.

