Rückblick Vernissage KBH Marne

Aus Jens Rusch
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Artikel: sh:z Silke Maria Christoph


Die Laudatio

Gehalten von Bernhard von Oberg

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich, dass Sie trotz des Wintereinbruchs im Schwarzwald den Weg zum Kultur- und Bürgerhaus Marne angetreten und gefunden haben. Das Tief „Roswitha“ wird uns in den kommenden Tagen noch genug beschäftigen. Hier und heute ist das Thema Rusch und morgen sicher auch noch; denn Sie werden alle ein paar Eindrücke mitnehmen und vielleicht auch ein bisschen mehr.

Foto: Silke Maria Christoph

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Jens Rusch, der zu seinem Laudator ein Vertrauensverhältnis hat wie die Franzosen zu ihrem Fischhändler. Das will etwas heißen, wie jeder weiß, der schon einmal wie Gott in Frankreich gegessen hat.

Danke, lieber Jens!

Vertrauen Sie mir jetzt wie ein Franzose seinem Fischhändler.

Ich werde Ihre Zeit nicht über Gebühr in Anspruch nehmen. Die Laudatio dauert nicht länger als die Bergpredigt, die durch ihre 50 Redefiguren vergleichbar so viele Bilder bietet wie die Retrospektive von Jens Rusch.

Denken Sie nur an „das Salz des Meeres“…

Sie haben es erkannt, auch der Franzose und sein Fischhändler bilden eine Redefigur.

Gestatten Sie mir jetzt, aus Ihren Ohren Augen zu machen!


Wagen Sie es in Bildern zu denken!

Farbenflüsterer Jens Rusch versteht es meisterhaft, außergewöhnliche Reize auf der Netzhaut zu platzieren.

Öffnen Sie die Augen, öffnen Sie die Ohren, liebe Freunde, und wenn Sie eine Frage haben, bitte fragen. Dazu sind wir da. Dazu mehr später.

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Was ist ein Rusch? Was ist eine Redefigur?

Klappern, lieber Herr Bersch, das Klappern gehört im Bereich der Kunst zum Handwerk. Ein Zimmermann ohne Hammer und Zange im Werkzeugkasten ist wie ein Rusch ohne Reklame.

Meine Lieblingsreklame hat einen Namen.

Als junger Pennäler stand ich mit dem Lateinischen auf dem Kriegsfuß. Da gab es eine Vokabel, die wollte nicht in den Kopf: „adulescentulus“, der „Jüngling“. Auf einmal war er drin und – für immer gespeichert, mittlerweile schon ein halbes Jahrhundert.

„Geopsyche“ ist so ein Werbewort aus der Galerie Rusch.

„Geopsyche“. Diese Geopsyche kommt so geheimnisvoll daher wie der Bodennebel nach einer kalten Nacht. Man schaut im achten Stockwerk in Heide aus dem Fenster und glaubt, ringsum sei Wasser. Fünf Minuten später ist der Blick wieder frei auf die Hamburger Straße.

„Geopsyche“ erzeugt Gänsehaut.

Geopsyche erzeugt aber auch Lust auf Trinken oder Lust auf Lesen.

Warum erzeugt Geopsyche Lust auf Lesen?

Nehmen Sie den illustrierten Schimmelreiter von Jens Rusch aus dem Deich-Verlag. Dieser Schimmelreiter, sagte ich im Roten Haubarg, dieser Schimmelreiter ist das Nibelungenlied der Nordfriesen, ihr Epos gewissermaßen.

Die Formel lautete: „Wie das Land so das Buch!“

Foto: Silke Maria Christoph

„Wie das Land, so das Buch!“, das ist „Geopsyche!“

Vergessen Sie das Fremdwort „Geopsyche“. Halten Sie im Kopf, dass unser Jens Rusch das Nibelungenlied der Nordfriesen, den Schimmelreiter, illustriert hat.

Der Leser und die Leserin, wir also, können uns orientieren wie der Autofahrer auf seiner guten alten Aral-Karte.

Jens Rusch spricht Deutsch!

Rusch macht es uns mit seiner Kunst möglich, uns selbst zu betrachten. Wir sehen Einmaliges, Ungewöhnliches und Interessantes, etwas ganz anderes als dieser Hollywood-Reality-Schau-Blödsinn am Nachmittag im Privatfernsehen.

Die Bilder des Dorfmalers vom Kampf des Menschen mit dem Meer haben eine Heimat, eine Sprachheimat.

Rusch bearbeitet Storm mit dem Beistrich und nicht mit dem Komma. Hier stürmt noch der Blanke Hans über den Deich und kein „Wind of Change“.


Wie das Land, so die Kunst!

Der Kreis Dithmarschen verfügt über 83 Kilometer Seedeich. Wenn wir von Brunsbüttel an den Seedeich abschreiten bis zum Eidersperrwerk, haben wir eine Strecke von 83 Kilometern zurückgelegt.

Sie fragen jetzt: Was will uns der Oberger damit sagen? 83 Kilometer Seedeich. Ist doch klar!

Jetzt stellen Sie sich mal dieses Stück vor von Brunsbüttel aus senkrecht nach oben!

Wissen Sie, wo wir da ankommen, wenn wir unseren Seedeich in die Senkrechte kippen?

Ja! Wir befinden uns im Weltall.

Warum befinden wir uns im Weltall? Wir befinden uns nicht im Weltall, weil die NASA sagt: Nach 50 Meilen beginnt das Weltall. Nein, wir befinden uns im Weltall, weil Philipp von Zesen in Hamburg bereits im 17. Jahrhundert das Fremdwort Universum durch die Verdeutschung Weltall ersetzte. Darum befinden wir uns im Weltall.

Schon Philipp von Zesen, ein Meister der Redefiguren, war wie Jens Rusch ein Pionier der Geopsyche: Wie das Land so die Sprache.

Komma ersetzte Zesen durch den Beistrich, das Wort Ortographie durch den Begriff der Rechtschreibung. Seine Vorschläge „Jungfernzwinger“ für Kloster, „Meuchelpuffer“ für Pistole oder „Blitzfeuererregung“ für Elektrizität setzten sich nicht durch.

Jens Rusch, ein gelernter Blitzfeuererreger

Den Schimmel reit der Teufel!

„Als aber der Knecht sich jetzt auf seinen Rücken schwingen wollte, sprang er mit einem jähen Satz zur Seite und stand dann wieder unbeweglich, die schönen Augen auf seinen Herrn gerichtet.

’Hoho, Iven’, rief dieser, ’hat er dir Leids getan?’ und suchte seinem Knecht vom Boden aufzuhelfen.

Der rieb sich eifrig an der Hüfte. ’Nein, Herr, es geht noch; aber den Schimmel reit der Teufel!“

Diese Zeilen finden Sie auf Seite 95 in „Der Illustrierte Schimmelreiter“, Deich-Verlag von Anja Marschall.

Die Novelle, die im Hause der Stormschen Urgroßmutter ihren Anfang nimmt, hat viele Lesarten erfahren. (Eigenwerbung muss sein: Die Oberger Lesart gibt es am 19. November 2010, 19 Uhr, hier im Marner Kultur- und Bürgerhaus).

Im illustrierten Schimmelreiter treffen zwei Kunstformen aufeinander: Literatur und Malerei – und sie ergänzen sich wie zwei Eheleute, die über Jahrzehnte durch Dick und Dünn gehen.

Der Schimmelreiter ist ein literarischer Urknall. Dazu passt der Overkill an visuellen Eindrücken unseres Brunsbütteler Farbenflüsterers.

Jens Rusch, das zeigt sich beim Schimmelreiter, bei Moby Dick, beim Faust, Jens Rusch ist ein Multimedium.

Souverän gelingt es ihm darüber hinaus, eine weitere Dimension ins Farbenspiel zu bringen, vertraute Heimatgesichter.

Jens Rusch ist es, der dem Kapitän Ahab ein Gesicht und damit eine Persönlichkeit gibt, dem Neocorus und dem Hauke Haien. Jens Rusch bringt Uwe Friedrichsen an die Galerie-Wand.

Und diese Metamorphose passt, liebe Freunde.

Ruschs Bilder bringen die Hirnaktivität in Gleichklang. Ich bin davon überzeugt, dass seine Szenen bestimmte Hirnbereiche synchronisieren und so einen angenehmen Entspannungszustand erzeugen.

Stichwort: Geopsyche.

Ich verlasse mich auf Ihr Bauchgefühl, meine Damen und Herren. Es hätte heute zu weit geführt, einen Magnetresonanztomographen nach Marne zu bringen, um das aufzuzeichnen, was Sie erleben, während Sie die Bilder betrachten. Sie würden sehen, wie bestimmte Hirnbereiche miteinander vernetzt und in Einklang gebracht werden wie Yin und Yan.

Geopsyche.

Tjark Nagel

Wie der Schimmel, so der Reiter, ein Teufelskerl. Mit Tjark Nagel im Sattel hat Rusch ein wahrhafter Teufelsreiter Modell gesessen, wobei der Maler selbst auch zum Modell wurde.

Der Künstler hatte mit Zeichenbrett und Stift in den Händen, den in vollem Galopp auf dem Deich sich nähernden Gaul plus Reiter mit wenigen Strichen aufs Papier gebannt – unter den Augen der Kamera.

Wenige Tage nach dem Dreh kam prompt die Anzeige vom Deich- und Sielverband. Denn Reiten auf dem Deich, zumal schneller Galopp, wie in der Szene, ist streng verboten. Das hätten alle beteiligten Dithmarscher einschließlich Tjark Nagel eigentlich wissen müssen. Nur der Regisseur Wilfried Hauke wusste es nicht und dachte, das gehört zum Schimmelreiterland einfach dazu.

Insofern hat Jens Rusch nicht nur einen Schimmel gezeichnet, sondern zugleich das Dokument einer Straftat hergestellt. Dieses „Corpus delicti“ gehört als Besonderheit eigentlich ins Kriminalmuseum nach Schleswig, nicht wahr. Übrigens: Das Reiten auf dem Deich wird je nach Gangart des Pferdes mit einem zweistelligen Bußgeld geahndet. Je schneller, desto teurer.

Pastor Stein. Über Neocorus und sein anderes Ich (Alter Ego) habe ich bereits im Dithmarscher Kreishaus geredet. Dr. Dietrich Stein ist auch hier und heute wieder als Kunst-Kopf präsent. Diesem Kopf liebe Freunde, können Sie gleich getrost auch die zweite Wange streicheln, ohne dass er es Ihnen Übel nimmt. Frei nach Bergpredigt.


Ahab. 1989 begann Jens Rusch mit der Illustration von Hermann Melvilles "Moby Dick". Wieder rekrutierte er seine Darsteller aus seinem Freundeskreis, wie bereits zuvor beim Schimmelreiter.

Haben Sie den Darsteller von „Walblut“ wieder erkannt?

Tauschen Sie sich einfach aus, nachher.

Was mich als Laudator gerade an diesem Thema reizt – und ist das Thema Rusch noch lange nicht ausgereizt -, was mich hier reizt ist die Frage:

Kapitän Ahab oder Kapitän Kirk?

Der gebürtige Neufelder Jens Rusch ist der Sohn eines Fischers. Kapitäne von Fischereischiffen sind heute eher Kirk als Ahab.

In Kontrollräumen voller Elekronik wie ein Hubschraubercockpit halten Sie die Fischschwärme im Auge, um zu optimalen Zeitpunkt zuzuschlagen.

Radar und Echolot, wie man es früher für die Ortung feindlicher U-Boote verwandte, bestimmen den Alltag von Käpt’n Kirk und somit unsere Speisekarte.

Ahab steht für Handarbeit. Ahab, das klingt nach einer Zeit, als die Telefone noch Wählscheiben hatten.


Jens Rusch ist ein Grenzgänger

Für mich verkörpert Jens Rusch beide Seelen, den Kirk von der Enterprise und den Ahab. Rusch kann bodenständig, aber er kann auch anders. Rusch arbeitet mit Beistrichen und mit Kommata.

Daher gibt es hier mehr als einen Rusch, den vertrauten Kohlweißling und den gefürchteten Kampfschmetterling.

Einige von Ihnen erinnern sich: Er schwebt wie ein Schmetterling und sticht wie eine Biene.

Ahab zeigt uns Vertrautes, Kirk entführt uns in fremde Galaxien.


Der Papst, der Rusch und das Gold!

Liebe Freunde!

„Der Papst, der Rusch und das Gold!“

Foto: Silke Maria Christoph

1987 arbeitete ich im Ruhrgebiet bei der Presse. Papst Johannes II. besuchte Schalke. Plietsch wie sie sind, machten die Blauweißen den Herrn auf dem Stuhl Petri zu einem Ehrenmitglied auf Schalke und reservierten ihm einen Stuhl, einen Heiligen Stuhl.

Dieser Stuhl wurde nie besetzt. Wir haben derzeit einen neuen Papst.

Auch Jens Rusch hat einen Stuhl für einen ganz besonderen Ehrengast vorgesehen, der ihm ein guter Freund, ein ausgezeichnetes Modell ist und am Herzen liegt.

Dieser Freund hat als Zollamtsrat Zaluskowski Millionen Zuschauern klargemacht, dass Zoll weit mehr ist als ein lästiger Aufenthalt an Grenzen.

Für seine Rolle in „Schwarz Rot Gold“ bekam Schauspieler Uwe Friedrichsen von Theo Waigel das Bundesverdienstkreuz.

Waigel laudierte: „Die realistische Darstellung seiner Geschichten lebte dabei auch vom direkten Kontakt zum Zoll in Hamburg.“


Jens und Zalu, zwei Geopsychologen, wie sie im Buche stehen!


Zum Ende meiner Laudatio möchte ich Ihnen einen Satz mit auf den Weg durch die Ausstellung geben:

„Vergesst den Applaus, der Künstler braucht Geld!“

Das Durchschnittseinkommen eines Künstlers liegt in diesem Land bei 1.000 Euro brutto. Brutto, das ist vor Abzug der Steuern. Das liegt so an der Grenze der Armut, wenn man bedenkt, dass Künstler auch Familie haben.

Wer würde von einem französischen Fischhändler verlangen, Taxi zu fahren, um das Geld für Netze zu haben und für Treibstoff, damit er aufs Meer kann?

Welcher Feinschmecker möchte auf die Dienste seines Fischhändlers verzichten? Es gibt auf die Dauer keinen Gratisfisch und keine Gratiskultur.

Foto: Silke Maria Christoph

Vom Fisch zum Gemüse:


Unser Dithmarscher Kraut, das wissen wir alle, ist gut für die Gesundheit. Um die Nieren gewickelt heißt es im Volksmund „Nierenwickel“.

Kraut macht fit im Kopf. Also liegt es nahe, auch das Gehirn mit Kraut zu umwickeln, mit einem „Hirnwickel“ oder einem „Hirnwirsing“?

Persönlich würde ich, wenn Sie mich fragen würden, sagen: Für die Krone der Dithmarscher Gemüseschöpfung durch einen Homo sapiens gibt es nur einen Namen:

„Brassica sapiens“, der denkende Kohl!


Der Künstler, der dem Kohl einen Kopf gegeben hat, der Schöpfer des "Brassica sapiens" ist anwesend

Auf Latein heißt der Satz: „Ich bin ein Laudator!“ „Ego presenter!“

Ihr Laudator verabschiedet sich mit dem Hinweis:

„The Rusch is present!“


„The Rusch iiiiiii iiiii iiii s present!“

Sonntagszeitung des Anzeigers.

Das Grußwort von Oliver Kumbartzky

Oliver Kumbartzky

Zunächst möchte ich Siegfried Bersch und seinem Team danken, dass sie es wieder geschafft haben, eine hervorragende Ausstellung hier ins Marner Kultur- und Bürgerhaus zu holen. Ich habe es bereits im Frühjahr bei der Ausstellungseröffnung von Achim Goetze gesagt und wiederhole es an dieser Stelle gerne wieder: Das Marner Bürgerhaus mit seinem eifrigen und sehr engagieren Leiter Siegfried Bersch ist eine wirkliche Bereicherung, nicht nur für die Stadt Marne, sondern für die gesamte Westküste.

Ebenso möchte ich Siegfried Bersch danken, dass ich heute ein Grußwort sprechen darf. Obwohl: eigentlich hab ich gar nicht erst groß gefragt, sondern habe gleich, nachdem ich erfahren habe, dass Jens Rusch hier heute ausstellt, darauf bestanden, dass ich heute ein Grußwort sprechen darf.

Meine Damen und Herren, die meisten von Ihnen werden es wissen: Jens Rusch und ich sind seit einigen Jahren eng befreundet. Es fing alles im November 2003 an, als ich Jens eine Email schrieb um eine Mannschaft anzumelden für die Wattolümpiade, die im Sommer 2004 ihr Comeback feiern sollte. Nun war ich dummerweise der erste, der eine Mannschaft anmeldete und Jens sagte in seiner unverfrorenen, forschen Art: Willkommen im Team, du hast den Job. Auf meine Nachfrage, welchen Job er denn meinte, sagte er: von nun an bist du Wattkampfleiter und du hast die ehrenvolle Aufgabe, die Spiele im Watt zu organisieren und die benötigten Mannschaften zusammenzutrommeln. Was sich daraus dann in den folgenden Jahren entwickelt hat, brauche ich glaube ich nicht ausführen, zumal es den Rahmen sprengen würde. Schauen Sie doch einfach am 24. Juli vorbei, wenn es wieder heißt „Das Dreckige muss ins Eckige“.

So, nachdem ich nun die Werbebotschaft geschickt platziert habe, komme ich zurück zu Jens Rusch und seiner Ausstellung. Um Jens‘ Arbeit zu beschreiben, brauche ich eigentlich nur auf das Bild hinter mir zu verweisen: Bunte Vögel, die zwischen Stühlen sitzen und keinen Schatten werfen.

Jens Rusch ist ein bunter Vogel. Das belegt nicht nur seine Vita, sondern auch seine Kunst und sein vielfältiges kulturelles und ehrenamtliches Engagement. Der bunteste Vogel der Westküste lebt nicht auf Trischen, sondern in der Schulstraße in Brunsbüttel. Ein Künstler wie Jens Rusch sieht sich auch als Außenseiter. Eben als Vogel, der zwischen den Stühlen sitzt und keinen Schatten wirft. Auf seiner Homepage findet man folgendes Zitat: „ Im Außenseiter stigmatisiert eine Gesellschaft gern ihre eigenen Unzulänglichkeiten.“ An diesem kausalen Zusammenhang scheitern viele Künstler. Jens Rusch hat gelernt, damit umzugehen. Während ein Bäcker nicht rechtfertigen muss, was er wie gebacken hat, muss ein Künstler seine Arbeit rechtfertigen. Und ein Künstler weiß: seine Arbeit wird ihn selber überleben. Und Kunstfehler damit auch. Sie kennen vielleicht die berühmten Worte von Max Liebermann, die er dem bedeutendsten Chirurgen seiner Zeit, Ferdinand Sauerbruch, sagte: „Sauerbruch, wenn Sie ‘nen Fehler machen, dann deckt ihn der grüne Rasen. Ein Fehler von mir hängt noch nach 100 Jahren an der Wand!”

In diesem Sinne lade ich Sie herzlich ein, sich die Bilder von Jens Rusch anzusehen und zu deuten. Ich habe schon bei der ersten Begegnung mit Jens Rusch gemerkt, dass kreative Anarchie und Improvisation ihn und seine Kunst auszeichnen. Nicht umsonst hat Jens Rusch bei der Wattolümpiade den Satz geprägt „Chaos gehört zum Konzept“.

Die Werke von Jens Rusch sind vielseitig und regen zum Nachdenken an. Bewundernswert finde ich vor allem, dass er sich auch mit seiner Krebserkrankung in seinen Werken auseinandersetzt. Außerdem ist Jens Rusch jemand, der seine Heimat nicht vergisst und der sich auch in seiner Kunst mit seiner Heimat beschäftigt, ohne dass es tümelnd wirkt.

Das neueste Beispiel ist das Werk mit dem Arbeitstitel „Denkkohl“. Insofern kann es keinen besseren Ausstellungsort als Marne geben. Für die kommenden Wochen und darüber hinaus wünsche ich dem Kultur- und Bürgerhaus und der Ausstellung viele Besucher.

Ich danke Jens Rusch und Siegfried Bersch für diese wunderbare Ausstellung.


Ihnen allen danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.