Rückblick Ausstellung Kreishaus Heide

Aus Jens Rusch
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Ausstellungsplakat


Ausstellung Kreishaus Heide

Ausstellung anläßlich des 60ten Geburtstages im Kreishaus Heide Stettiner Straße 30 vom 21. April bis zum 14. Mai 2010.

Landrat Dr. Klimant merkte in seiner Begrüßungsansprache völlig zu Recht Kritik an dem Symbol für "Denkgeschwindigkeit" an. Für das Kreishaus ist die Bronze auch eigentlich gar nicht gedacht, sie ist nur aus dem Leistungsnachweis des Künstlers kaum wegzudenken.
Laudator Bernhard von Oberg erweiterte den Bilderkosmos um bildhafte Verbalaspekte, die er hier nur scheinbar an eine Hirnschnecke richtet. Das Publikum fühlte sich durchaus angesprochen.
Symbolträchtig und informativ: Zeitreise in die dithmarscher Neocorus-Epoche durch einen Dialog zwischen den Pastoren Jan Steffens und Dr. Dietrich Stein, der als Modell für die Neocorus-Bronze in Büsum diente.


Gezeigt wurden überwiegend großformatige Gemälde aus verschiedenen Arbeitsphasen. Parallel zu dieser Ausstellung fand in der Galerie Rusch in Brunsbüttel eine Ausstellung mit kleinformatigen Arbeiten statt.


Vom Niemand zum Jemand?

Sprache kann verräterisch daherkommen. Sie kann Bedeutung erklären und verklären. Während in allen lateinbasierten Sprachen der künstlerische Exhibitionismus in jeder nur vorstellbaren Umschreibung per se eine Legitimierung* findet, führt das gleiche Wort im deutschen Sprachraum nicht selten zu einer psychopathologischen Stigmatisierung eines Künstlers. Auszustellen bedeutet, sich zu exhibitionieren.

So etwas machten früher auf den Jahrmärkten der Welt kleinwüchsige, Missgestaltete oder Hellseher, ganzkörperbehaarte Frauen und siamesische Zwillinge. Erfolg hatte, wer mit Superlativen aufwarten konnte. Der Hunger des Publikums nach Kuriosum und Spektakel bestimmte die Auslese der Gaukelei und der heutige Veranstaltungszirkus folgt diesen Kriterien auf allen vorstellbaren Drehscheiben.


Andy Warhol führte der Welt durch einen wohl inszenierten Eklat vor Augen, dass Kunst heute mit den gleichen Mitteln und Medien vermarktet wird, wie ein Waschmittel. Jackson Brown geht sogar einen Schritt weiter und behauptet, dass uns auf die gleiche Weise Präsidenten und Kriege verkauft werden. Kann es denn auch andere Beweggründe außer Markkriterien und Eitelkeiten geben, um anderen Menschen die Ergebnisse kurioser und intimer Prozesse "vor Augen" zu führen? Sind Ausstellungen unverzichtbare Hilfsmittel auf dem Weg eines Künstlers vom Niemand zum Jemand?

Eine Antwort auf diese Frage ergibt sich immer dann, wenn ein Besucher eine Ausstellung "in Augenschein" nimmt. Wieder solch ein mehrdeutiges Wort, über das sich nachzudenken lohnt. Realismus muss man nicht unbedingt erklären, aber nicht selten bleiben beim Betrachter Fragen offen. Diese Lücken zu schließen ist für Außenstehende, die keinen freundschaftlich freien Zugang zum Atelier des Künstlers haben, oft sehr schwierig. Zu diesem Anlass wurden die Vernissagen geschaffen, in denen Laudatoren und oft auch der Künstler selbst freimütig die Lindenblätter im kreativen Drachenblut offen legen.

Hierin herumzustochern ist das Privileg geladener Gäste. Genau deshalb macht man sich große Gedanken darüber, wen man zu diesem Anlass einlädt. --Jens Rusch 11:04, 18. Apr. 2010 (UTC)

Foto: Hartmut Tamcke. Laudator Bernhard von Oberg (links)im Vorgespräch über Denkgeschwindigkeiten mit Jens Rusch (rechts).



Der Offene Kanal Westküste (OK) sendet die „Rusch Hour“ Donnerstag, 29. April, 16-17 Uhr auf Welle 105,2 .

Jens Rusch, der Farbenflüsterer aus einem farbenblinden Hadesland

Laudatio von Bernhard von Oberg anläßlich der Ausstellung zum 60ten Geburtstag von Jens Rusch im Kreishaus Heide am 20. April 2010


Willkommen zur Rusch-Hour
Jens Rusch, der Farbenflüsterer aus einem farbenblinden Hadesland

Die Uhr hat sieben geschlagen, meine sehr verehrten Damen und Herren, Herr Landrat, willkommen zur Rusch-Hour. Ich freue mich über das kulturell bedingte Verkehrsaufkommen. An gewöhnlichen Tagen herrscht um diese Zeit im Forum des Dithmarscher Kreishauses ein Betrieb wie gestern früh im Frankfurter Flughafen.

Angesichts des Programms, der großen Formate des Brunsbütteler Künstlers und Ihrer Erwartungen, liebe Freunde, werde ich mich auf einige – aus meiner Sicht wesentliche - Wesensmerkmale beschränken, die Jens Rusch auszeichnen.

Andere, die den jüngsten Dithmarscher Kulturpreisträger aller Zeiten seit einem Menschenalter kennen, mögen ihn anders sehen. Ich kenne ihn noch nicht so lange. Doch wer sich die Zeit nimmt, sich unter den Augen der Medusa in der Villa Rusch auf den Menschen und Maler Jens Rusch einzulassen, betritt Neuland. Ich habe Neuland betreten.

Davon will ich Ihnen berichten. Mein Name ist Bernhard von Oberg. Jens Rusch bat mich, die Laudatio zu übernehmen.

Aufbauleistung. Freund und Adlatus des Künstlers Hans-Erich-Sievers (rechts) hilft wie immer zuverlässig und präzise. Foto: Jörg Lotze
Verlegerin Anja Marschall (links) und der Künstler freuen sich über die gelungene "Volksausgabe" des illustrierten Schimmelreiters in der nun bereits dritten Auflage. Foto: Hartmut Tamcke
Aufmerksame Gäste der Vernissage lauschen der Laudatio.

Jens Rusch wird 60

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Als sich auf Einladung des Feuilletons der ZEIT der Leipziger Maler Neo Rauch und der Dresdener Schriftsteller Uwe Tellkamp zum ersten Mal trafen- das war vor einem Jahr -, prägte Tellkamp den Satz: “Ich möchte schreiben können, wie Sie malen.“ In dieser Woche feiern Museen in Leipzig und München Neo Rauchs 50. Wiegenfest und sein Lebenswerk. Tellkamp hat die Laudatio geliefert.

Der Farbenflüsterer Jens Rusch steht am Vorabend seines 60sten Geburtstages. Am 26. April ist es so weit. Dithmarschen trifft sich heute schon im Kreishaus. Den Satz von Tellkamp kann ich blind unterschreiben: Respekt, Jens Rusch!

„Auf einem Tandem“, so formulierte es Pastor Edgar Huhn vor 35 Jahren anlässlich einer Vernissage, „auf einem Tandem fahren zwei Menschen gleichzeitig. Sie sind aufeinander angewiesen. Was der eine macht, hat Wirkung auf den anderen. Der eine muss reagieren auf das, wozu ihn der andere herausfordert. Beide ergänzen sich in ihren Handlungen. Im Dialog erst kommen sie voran.“

Gut gesagt, lieber Eddie Huhn. Einer der „jungen Dithmarscher Maler“, die im Heider Pastorat stets eine Plattform fanden, das war Jens Rusch. Huhn lobte „die starke Entwicklung der Gestaltung in den Ausführungen des jungen Brunsbüttelers“, der ihn, die Ausstellungsbesucher und seine Mitstreiter im Dezember 1975 mit einer unverkäuflichen – im Sinne von „sollen nicht verkauft werden“ - Serie von „Kampfschmetterlingen“ überraschte. Huhn hat`s gesagt, die DLZ hat`s geschrieben.


Kampfschmetterlinge

Kampfschmetterlinge, dieses Wort muss man sich Silbe für Silbe auf der Zunge zergehen lassen. Da spürt man das Kribbeln auf den Geschmackspapillen förmlich.

Alle hier Anwesenden, die sich in meinem Alter befinden, bestimmt auch eine ganze Anzahl von jüngeren Besucherinnen und Besuchern der Vernissage haben mehr als eine Begegnung gehabt mit einem Kampfschmetterling, ungelogen.

So wahr ich hier stehe, ungelogen!

Neocorus-Stifter Willi Schmidt überreicht Fotos von Kai Klüwer als Erinnerung an einen großen Tag in der aktuellen dithmarscher Geschichte.

Nein, ich meine nicht den Kohlweißling, einen Zitronenfalter oder ein Tagpfauenauge.

Die Lösung heißt: Cassius Clay alias Mohammed Ali, der größte Boxer aller Zeiten. Sein Ringmotto lautete: “Float like a butterfly, sting like a bee” zu deutsch “Schweben wie ein Schmetterling, stechen wie eine Biene“, ein echter Kampfschmetterling eben.

Liebe Freunde, unser Jens Rusch liebt Insekten, in Öl, als Grafik und – das bezeuge ich – in echt. Die Kerfe begleiten ihn während seines ganzen Künstlerlebens. Noch hat man keinen nach ihm benannt.

1964 zeigte Cassius Marcellus Clay der Welt, dass er so gut kämpfen wie reden kann. Er versteht sich exzellent auf sein Handwerk und sein, mit Verlaub gesagt, Maulwerk.

In diesem Sinne zählt auch Jens Rusch zu den echten Kampfschmetterlingen – aus meiner Sicht.

Chapeau, papillon! Chapeau, Meister!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir alle, jeder von uns, Sie und Sie und ich, sitzen gerade auf einem Tandem – mit mir oder mit dem Künstler. Was ich sage, bleibt nicht ohne Wirkung. Was Sie sehen, ist eine Herausforderung. Erst wenn Sie den Künstler kaufen, kann er seinen Weg als Künstler fortsetzen. Das eine bedingt das andere. Ohne Publikum, ohne Mäzene, ohne Sammler ist die Luft schnell raus aus den Reifen. Jens Rusch hat sich sein Domizil an der Schulstraße Stein für Stein ermalt.

Rusch hat viel gewagt und manches weggesteckt. So ist es, wenn man sein Leben ausschließlich der Kunst verschreibt ohne Erbe und staatlich alimentierten Boden.

Sie kennen die Geschichte von dem Künstler, der sich ein Ohr abgeschnitten hat, oder?

Das nur am Rande bemerkt.

Bevor Sie die Veranstaltung im Dithmarscher Kreishaus am heutigen Abend auf Ihrem Tandem verlassen, gebe ich Ihnen einen Rat mit auf den Heimweg:

„Ein annäherndes Verständnis meiner Bilder kann nur durch ein persönliches Gespräch mit mir erzielt werden.“ Der 22jährige Elektroinstallateur Jens Rusch über Jens Rusch.

Nutzen Sie auch heute die Gelegenheit zum Dialog. Nicht jede Pfeife ist eine Pfeife und nicht jedes Pferd ist ein Pferd. Der Künstler Jens Rusch steht für Transrealismus. Bei ihm treffen Wirklichkeiten und Kunstwelten aufeinander.

Ruschs Cola-Dosen sind keine Cola-Dosen! Fragen Sie Rusch, kaufen Sie Rusch!


Alea iacta est!

Gajus Julius Cäsar hat die Welt erobert, Jens Rusch das Watt! Gajus Julius Cäsar hat die Welt erobert, Jens Rusch das Watt!

Als der große Feldherr vor 2058 Jahren, Gallien besiegt hatte, zog er mit einer Legion Richtung Rom. Das war in den Augen der Römer ein Staatsverbrechen, eine Kriegserklärung. Doch Cäsar entließ seine Truppen nicht und marschierte über den Rubicon.

Was sagte er? Jeder Lateiner weiß das, nicht wahr?

Klackeraklack!

„ Alea iacta est!“- Als klassischer Lateiner nehme ich mir die Freiheit, diesen Satz frei zu übersetzen: „Die Würfel sind gefallen!“

Ich möchte Ihnen kein Geschichtskolleg halten.

Klackeraklack!

Auch Jens Rusch hat seinen Rubicon überschritten. Jens Rusch hat seinen Rubicon überschritten in dem Augenblick, als er sich sagte: Ich werde Künstler und lebe ausschließlich von meiner Kunst.

Wie hieß es bei Gajus Julius Cäsar?

Alea iacta est!

Was passierte bei Jens Rusch?Ein kleines Wortspiel und schon wird aus Alea, dem Würfel, der Ort Altea. Also:

Al(t)ea iacta est.

Jens Rusch fand seine künstlerische Heimat im spanischen Altea.

Als Meisterschüler von Eberhard Schlotter entdeckte er Ende der 70er Jahre seine wahre Bestimmung. Schlotter half dem seinerzeit noch verpuppten Kampfschmetterling, dem Autodidakten aus Dithmarschen, die Metamorphose zu vollenden.

So könnte man diesen besonderen Lebensweg umschreiben, der übrigens erst in der vergangenen Woche Rusch zu einem neuen Gipfelpunkt führte.

„Ich heiße Eberhart.“ Sein Meister (89) bot ihm (59) nach gut drei Jahrzehnten der engen Zusammenarbeit das Du an.

In diesem Augenblick zeigte sich wieder einmal, dass Rusch kein chitingepanzerter Kerf ist. Da flossen die Tränen auf beiden Seiten, ungelogen.

„Ich heiße Eberhart.“

Klackeraklack!

Al(t)ea iacta est.

Vor drei Wochen traf ich mich mit dem Neffen von Matisse und wir sahen uns gemeinsam den Kinofilm „meerkampf. Watt“ an, in dem „die besonderen kämpfe der menschen am deich“ gezeigt werden.

Auch hier gab es die Komponenten „Brot und Spiele“ wie bei den alten Römern. Das nur nebenbei.

Matisse Neffe, ein alter Graf, brachte es auf den Punkt: „Der Rusch ist ein guter Organisator von Matschtagen.“ Dann fuhr er fort: „Wenn man sich aber seinen Faust ansieht, zeigt sich das Wilde des Künstlers, des Pudels feuriger Kern.“

Ganz schnell stößt der Betrachter an seine Grenzen. Stoßen Sie sich nicht daran, meine Damen und Herren. Lassen Sie sich nicht verwirren. Fragen Sie Ihren Rusch.

Jens Rusch hat tausend Facetten wie ein Kaleidoskop. Die Zeit reicht nicht aus, den „Dorfmaler“ – wie er sich manchmal bescheiden nennt oder nennen lässt – auszuloten.

Jens wer?

Als Bundespräsident Horst Köhler zur Wahl antrat, titelte BILD: „Horst wer?“

Jens wer? - Zärtlich wie ein Rusch:

Als Juan Ramon Dura, ein spanischer Freund und Schüler Ruschs, ein Bild von Franco malen wollte, ging Jens Rusch mit ihm ins Gebirge wie Erzvater Abraham mit seinem Stammhalter Isaak auf den Berg Moria. Dort oben baute Rusch keinen Altar und er zückte kein Messer. Jens las seinem Freund stundenlang Gedichte von Miguel Hernandez vor. Und ganz plötzlich verstand Juan die Botschaft. Er weinte, weil er erkannte, wen er mit Franco malen würde, den Schlächter. Juan Ramon Dura malte kein Franco Bild.

Jens wer? - Unterhaltsam wie ein Rusch:

Die meisten von Ihnen werden es nicht kennen, das Manifest des Surrealismus. Über die Art der Unterhaltung, die Rusch muttersprachlich perfekt beherrscht, heißt es: Sie gleicht dem zufälligen Zusammentreffen eines Regenschirms und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch.

Zugegeben, nicht nur Dithmarschen ist, was solche Feinheiten angeht, ein schwieriges Pflaster. Ich habe diesen Dialog mit Rusch genossen. Fortsetzung folgt.

Jens wer? - Rusch zieht viele Register:

Rusch ist Hauke Haien und Kapitän Ahab, Faust und Mephistopheles. Rusch wagt es, die ungedachten Worte zu ergänzen, die ungemalten Bilder zu stechen und das Ungesagte auszusprechen.

Jens Rusch wagt es sogar mit dem Hochrad zu fahren. Von dieser Fortbewegungsart schwärmte Mark Twain, sie sei wunderbar, „wenn man es überlebt“.

Rusch hat, wie er mir sagte, sogar den Zusammenstoß mit einem „Dithmarscher Kampf-Schaf“ überlebt, mit gebrochenem Arm. Und mit gebrochenem Arm und einer Staffelei hat er sich für die Medien am Deich aufs Hochrad geschwungen!

Jens wer? - Sie nicken! Ja, das ist unser Rusch!

Mit dem Internet-Portal „Dithmarschen-Wiki“ hat sich Jens Rusch ein Stück binär gewordener Unsterblichkeit gesichert. Das globale Dorf vergisst nie.

Unvergesslich bleibt auch:

Jens Rusch, der mit dem Tod auf Augenhöhe verkehrte, ist der Kampf gegen Krebs ein ganz großes Thema geworden. Die Krebshilfe, ein weiteres abendfüllendes Thema bei einer Tasse Jiagoulan.

Neocampus bellosus

Gestatten Sie mir noch eine kleine Überleitung von Rusch nach Köster, vom Grafiker zum Bronzegießer.

Jens Rusch hat jenem großen Dithmarscher Humanisten ein Gesicht gegeben, den wir alle unter dem Namen Neocorus kennen.

Foto: Jörg Lotze

Pastor Dr. Dietrich Stein hat dem überzeugten Freimaurer geduldig Modell gesessen. Dietrich Stein ist der wohl einzige Geistliche bundesweit, der zu Lebzeiten wie Schillers Glocke in Bronze gegossen wurde. Sie müssen mich korrigieren, wenn Sie einen anderen kennen.

Jens Rusch, der Künstler mit den vielen Talenten, ist gebürtiger Neufelder. Hätte er seine Kunst zu Dürers Zeiten in der Freien Bauernrepublik Dithmarschen ausgeübt, wäre er bestimmt als „Neocampus“ in unser Geschichtsbuch eingegangen, vielleicht sogar als „Neocampus bellosus“, ein schillernder Kampfschmetterling.

Das ist meine Meinung. Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Danke für Ihr Vertrauen, Herr Rusch. PublicHeide2.jpg

Aus der Presse

Die Ausstellung wird unterstützt von der Sparkasse Westholstein
Die Ausstellung wird unterstützt von Kalle Bäcker

Bildnerische Lebenskunst

Quelle: DLZ

Werkschau zum 60. Geburtstag von Kulturpreisträger Jens Rusch Heide (asb) Im Foyer des Kreishauses werden noch bis zum 15. Mai großformatige Arbeiten von Jens Rusch gezeigt. Es ist eine Hommage an den Brunsbütteler Künstler, der heute seinen 60. Geburtstag feiert. Man könnte Jens Rusch auch als Lebenskünstler bezeichnen, denn er beschränkt sich nicht allein auf das Malen und Radieren. Ohne den schmalen, weißhaarigen Mann mit Bart und langem Zopf wäre dieser Landstrich im weltweiten Netz nicht so gründlich erschlossen (Dithmarschen-Wiki), es gäbe die verrückte Wattolümpiade ebenso nicht wie den Kulturförderverein Lyra, der Literaten und Musiker nach Brunsbüttel holt. Der 1950 in Neufeld geborene Jens Rusch ist ein Handwerker. Er erlernte den Beruf des Elektrikers, obwohl er schon als Kind lieber zeichnete. Mit der Note vier im Zeugnis waren die Aussichten auf einen künstlerischen Beruf gleich Null. Und dennoch schaffte es der Fischer-Sohn, der 1990 den Dithmarscher Kulturpreis erhielt. Zur Eröffnung seine Geburtstagsschau kamen 140 geladene Gäste ins Kreishaus. Vorwiegend Auftraggeber und Wegbegleiter aus Dithmarschen, die sein Gesamtwerk kennen und schätzen. Rusch schuf Illustrationen zu Theodor Storms Schimmelreiter, malte die Artefakte des vom Meeresgrund geborgenen Wracks „Cimbria“ und fertigte Radierungen zur Liedersammlung „Carmina Burana“, die er im spanischen Altea vorstellte, wo er von 1979 bis 1982 als Meisterschüler bei Eberhard Schlotter studiert hatte und vor allem das Handwerk der Druckgrafik erlernte. Der Freimaurer Rusch, der eine Zungenkrebserkrankung überwunden hat, legt Wert darauf, dass er sich alles, was er besitzt, mit seiner künstlerischen Arbeit verdient hat, darunter das große alte Schulhaus am Elbedeich, in dem Galerie, Atelier und Wohnung eingerichtet sind. „In der bildenden Kunst haben sich die Erfolgreichen denselben Marketing-Mechanismen unterworfen, die auch für Waschmittel gelten“, hat Jens Rusch einmal gesagt und dass er verhungern müsste, wenn er auf Dithmarschen angewiesen wäre. Auch mit Kritik am „Kunstgriff“ hält er nicht zurück. Das aktuelle Konzept des Kreises nennt er fatal. Man brauche eine qualifizierte Selektion und überregionale Relevanz, sonst könne man sich von dem Projekt verabschieden. Die Geburtstagsausstellung wird dennoch im Kreishaus gezeigt und nicht in einem Museum oder einer öffentlichen Galerie wie dem Elbeforum. Dort nimmt man der Künstler Rusch nach eigenem Empfinden als „Dorfmaler“ wahr. Eine Einzelausstellung bleibt ihm verwehrt. Das hat den Jubilar eine Zeitlang geschmerzt. Mittlerweile sind die Wunden vernarbt; denn als Kunstschaffender ist er trotzdem gefragt, lässt sich in seiner Kupfertiefddruck-Werkstatt ebenso gern über die Schulter schauen wie bei der Insekten-Malerei. In 60 Jahren konnte Jens Rusch nicht nur in Bildern die verrücktesten Ideen verwirklichen. Deshalb kann er auch verschmerzen, dass es ihm nicht gelungen ist, die Bürgermeister aller Kreisgemeinden für ein Dithmarschen-Gemälde an der Dusenddüwelswarf zu versammeln. 26.04.2010