Oberg

Aus Jens Rusch
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Das Oberg-Portrait

Wir schreiben das Jahr 2015. In diesem Jahr hat Georg Wilhelm Ludwig v. Ober, der nachgewiesenermaßen erste deutsche Logenmeister ein Gesicht erhalten.

Der behutsamen Ausführung ging eine sorgfältige Recherche voraus.

Im nachstehenden Workshop erläutert Jens Rusch die einzelnen Arbeitsschritte.

Dankwort

Georg Wilhelm Ludwig v. Oberg ist zu uns gekommen

Wie ist es eigentlich dazu gekommen?

Es bleibt nicht aus, dass, wenn man sich mit der FM auch im Internet beschäftigt, auf das Freimaurer-Wiki des Roland-Brs. Jens Rusch stößt. Ein Internet-Portal, dem man unbedingt seine Aufmerksamkeit schenken sollte / muss, enthält es doch eine unglaublich umfangreiche Informationsbereitstellung, die uns viele Fragen beantworten kann.

Und in eben jener Freimaurer-Wiki fand ich u.a. eine Abbildung unseres ersten MvSt, des Freiherrn G. W. L. von Oberg. Sofort hatte ich den Kontakt zu Br. Jens hergestellt, um zu erfahren, ob und wie man an eine Reproduktion des Portraits kommen könne.

Leichter gedacht als verwirklicht. Die Rechte des Bildes befinden sich auch heute noch bei der Familie v.Oberg. Glückliche Umstände wollten es, dass Br. Jens Kontakt zu einem Nachfahren unseres 1. MvSt hat, dem Herrn Bernhard v.Oberg in Heide/Holstein. Br. Jens hat mir den Kontakt zu Herrn v.Oberg ermöglicht. Ich habe ihm mein Anliegen erläutert. „In unserem Vorbereitungsraum finden wir etliche Portraits verdienter Brr. und im nächsten Jahr begehen wir das 275. Stiftungsfest unserer Loge und der FM im Deutschland.

Da sei es doch folgerichtig gedacht, wenn der erste Stuhlmeister einer Deutschen Loge ebenfalls einen Ehrenplatz in unserer Ruhmeshalle finden würde. Herr v. Oberg hatte mir interessiert zugehört und zugesagt, sich um mein Anliegen zu kümmern. Das hat er freundlicherweise auch getan. Unter dem ausdrücklichen Vorbehalt einer einmaligen Reproduktion für den angesprochenen Zweck und unter dem Versprechen, keine weiteren Abbildungen herzustellen, erkläre sich die Familie bereit und fühle sich geehrt, dass das Portrait bei uns aufgehängt werde. Um das Vorhaben zu realisieren, hat Herr v.Oberg mir einen Stick zur Verfügung gestellt, der es ermöglichte, das Euch inzwischen bekannte Portrait zu reproduzieren. Dafür bin ich, sind wir dem Br. Jens Rusch und seinen Mitstreitern seiner Freimaurer-Wiki und Herrn v. Oberg zu Dank verpflichtet.

H.-P. Meißner / Absalom zu den drei Nesseln, Hamburg

Biographie

Quelle: Lennhoff, Posner, Binder

in Hamburg 1737 Mitbegründer, dann Vorsitzender Meister der ersten deutschen Loge, der "Société des acceptés macons libres de la Ville de Hambourg", nahm am 10. August 1738 in Braunschweig mit einer Abordnung der Hamburger Loge den preußischen Kronprinzen Friedrich in den Bund auf, der zwei Jahre später König (Friedrich der Große) wurde. 1739 weilte Georg Wilhelm Ludwig von Oberg mit dem Schriftsteller von Bielfeld, der in Braunschweig als Schriftführer fungiert hatte, auf Einladung des Kronprinzen bei diesem in Rheinsberg, um hier eine Loge einzurichten. Er war der erste Meister dieser "Kronprinzenloge", deren Leitung nach seiner Abreise dann Friedrich selbst übernahm.

Workshop

Hamburger Freimaurer und Preußens Geheimnis

Der erste Meister vom Stuhl, Georg Ludwig von Oberg. Gemälde Öl auf Leinwand von BR Jens Rusch

Bernhard von Oberg

Am 15. August 1738 wird Friedrich II Freimaurer. Baron Georg Wilhelm Ludwig von Oberg nimmt ihn in den Geheimbund auf. Die Frau des Logenmeisters hatte Gut Jersbek mit in die Ehe gebracht. Ohne ihn wäre Friedrich der Große vielleicht nicht zum Reformer geworden. Am 15. August 1738 nimmt Georg Wilhelm Ludwig von Oberg, der Schwiegersohn des Grafen Benedikt von Ahlefeld, Mitbegründer und Meister vom Stuhl der ersten Freimaurerloge in Deutschland, Loge d’Hambourg (1737), den preußischen Kronprinzen in einer Nacht- und Nebelaktion in den Kreis der Freimaurer auf. Aus Angst vor dem unberechenbaren väterlichen Zorn Friedrich Wilhelm I. arrangieren die Verschwörer für den 14. August ein Treffen im Braunschweiger Gasthaus „Zum Schlosse Salzdahlum“. 25 Kilometer entfernt befindet sich in Oberg seit dem 12. Jahrhundert der Stammsitz derer von Oberg.

Nachdem am folgenden Tag, dem Geburtstag des Soldatenkönigs, gegen 4 Uhr in der Früh die Zeremonie abgeschlossen ist, verlässt die illustre Gesellschaft umgehend den Ort der Tat in verschiedene Himmelsrichtungen. Der gebürtige Preuße Friedrich gilt bis zu seinem Tod als eingetragenes Mitglied der Loge d’Hambourg. Das Regiment des Vaters ist hart und Frankreichs Freiheit weit. Ganz Preußen ist für den Sohn des Soldatenkönigs ein Kerker. Seit dem gescheiterten Fluchtversuch des 18-Jährigen am 5. August 1730, der für den Freund Katte tödlich endet, wird der junge Fritz auf Schritt und Tritt überwacht.


Ein Affront gegen den König

Aber Friedrich führt ein Doppelleben: Nach außen spielt er die Rolle des gehorsamen Sohnes. Innerlich will sich der Kronprinz vom harten Regiment seines Königs befreien. In Georg Ludwig von Oberg findet er schließlich einen zweiten „Katte“. Am 15. August 1738, dem Geburtstag des strengen Preußenkönigs, gelingt die Flucht — unter den Augen des Vaters. Endlich sind seine Gedanken frei. Selbst für den preußischen Kronprinzen, der später als König den Namen „der Große“ trägt, ist es ein lebensgefährliches Spiel mit dem Feuer: Am 5. August 1730 unternimmt der dritte Sohn von Friedrich Wilhelm I. den Versuch, vor der strengen Erziehung seines Vaters Richtung Frankreich zu entfliehen, und riskiert damit seine königliche Karriere. Der Versuch kostet seinem Freund und Mitwisser, dem Leutnant Hans Hermann von Katte, in der Festung Küstrin den Kopf und dem Kronprinzen für Monate die Freiheit.

Bevor die strenge Kerkerhaft für den 18-Jährigen endet, schwört er einen besonderen Eid. Fast auf den Tag genau acht Jahre nach der Verhaftung Kattes bricht der Kronprinz bei einer Nacht- und Nebelaktion diesen Schwur. Der Kronprinz bekennt sich am 15. August 1738, dem Geburtstag seines despotischen Vaters, vor dem Meister des Stuhls Georg Ludwig von Oberg in Braunschweig zur Freimaurerei. Friedrich Wilhelm I. wünscht sich einen richtigen Kerl als Nachfolger und kein „Weichei“. Er verurteilt das „schlaffe und bequeme französische Wesen“ und setzt auf Disziplin und Paradeschritt. Die überlieferte Warnung seines Vaters ist unmissverständlich: „Daß er wolle streng und gehorsamlich dem Willen des Königs nachleben und in allen Stücken tun, was einem getreuen Diener, Untertan und Sohn zukomme und gebühre, wofern er aber wieder umschlüge und auf die alten Sprünge kommen würde, sollte er der Krone, der Kurwürde und der Thronfolge verlustig sein.“

Mit dem Exempel von Küstrin hat der Soldatenkönig nur eine Schlacht um den Kopf seines Nachfolgers gewonnen. Kriegsentscheidend ist sie nicht. Der Kronprinz geht noch zu Lebzeiten des Vaters eigene Wege.

Am 6. Dezember 1737 gründet der Oberger zusammen mit Freunden im Weinhaus d’Angleterre des Jens Arbien in der Bäckerstraße zu Hamburg die erste Freimaurerloge Deutschlands, die „Loge d’Hambourg“. Die Urkunde wird in französischer Sprache abgefasst. Als bekannt wird, dass der Kronprinz von Preußen Freimaurer zu werden wünsche, vereinbaren die Mitglieder der Hamburger Loge Stillschweigen.

Noch lebt König Friedrich Wilhelm I., der Richter von Katte. Er darf von dieser Aktion nichts erfahren. Im August 1738 befindet sich die königliche Gesellschaft auf der Rückreise von Holland nach Berlin. Es gelingt dem Kronprinzen und seinen Freunden, Station in Braunschweig zu machen. Zu jener Zeit ist Georg Ludwig von Oberg Meister vom Stuhl. Alles ist arrangiert.

Zusammen mit seinem Sekretär Jakob Friedrich von Bielfeld trifft der Logenmeister am 11. August 1738 in Braunschweig ein, wo dann in der Nacht vom 14. auf den 15. August in dem Kornschen Gasthaus „Zum Schlosse Salzdahlum“ die rituelle Aufnahme Friedrichs und seines Begleiters Graf von Wartensleben vollzogen wird.


Kölnisch-Hildesheimer Kammerherr

Morgens um 4 Uhr ist der Kronprinz Freimaurer. Die Beteiligten verlassen die Stadt vor Tagesanbruch. Sollte der Vater des Kronprinzen Wind von diesem Ereignis bekommen, wären die Folgen für die Verschwörer tödlich. Fast zwei Jahre dauert das Versteckspiel. Erst als Friedrich Wilhelm I. am 31. Mai 1740 verstirbt, veranlasst Friedrich II. die Einsetzung einer Loge in Berlin Charlottenburg. Georg Ludwig von Oberg wird zum „Kölnisch-Hildesheimer Kammerherrn“ erhoben.

Eine der Schlüsselfiguren des bestgehüteten Geheimnisses Preußens ist der Ehemann von Gräfin Metta Henriette von Ahlefeld, die 1733 das Gut Jersbek mit in die Ehe bringt, Baron Georg Ludwig von Oberg. Er stirbt 1762 im Alter von 51 Jahren. Sein Sohn, Georg Wilhelm von Oberg, verkauft Gut Jersbek 1774. Friedrich der Große regiert Preußen bis 1786. Jedem seiner Untertanen erlaubt er großzügig, nach eigener Facon selig zu werden. Vielleicht hätte es ohne den mutigen Oberger den toleranten Friedrich II. nicht gegeben.

Der 15. August ist ein bemerkenswertes Datum für die Zukunft Preußens und die Geschichte von Gut Jersbek.

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