Musik für die Tauben

Aus Jens Rusch
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Sie waren mir mehrfach aufgefallen, die unauffällig auffällig und phantasievoll gekleideten Wacken-Besucher. Hätten sie sich nicht in einer Gebärdensprache mit Handzeichen verständigt, wäre ich wohl nicht auf die Idee für dieses Bild gekommen. Niemand bewegte die Lippen, aber die Mimik war expressiv. Ab und zu ein gutturales, unkontrolliertes aber herzliches Lachen, vermutlich hatte jemand mit den Fingern einen Witz erzählt. Ein Stückchen weiter stand eine andere Gruppe und ich folgte ihnen zur Hauptbühne. Als die Musik lauter und heftiger wurde, tanzten viele in unserer Nähe- es dauerte gar nicht lange, und auch die offensichtlich gehörlosen Metal-Fans begannen zu tanzen. Mit geschlossenen Augen, irgendwie wegtreten. Das machte mich neugierig und am Ende des Tages war ich erstaunt, wieviele Gehörlose mir aufgefallen waren. Ganz offensichtlich ist Wacken ein wichtiger Wallfahrtsort für sie. Wieder zuhause, suchte ich im Internet Informationen und mußte dabei immer an Grönemeiers "Sie mag Musik nur wenn sie laut ist" und die rätselhafte Passage "Der Mann ihrer Träume muss ein Bassmann sein" denken.

So langsam reimte ich mir immer mehr Informationen zu einem Bild zusammen. Wussten Sie, dass man Bässe auch ohne Trommelfell hören kann, weil sich der Schall auch über die Schädelknochen ans Innenohr überträgt? Insbesondere laute Musik wird dadurch für Gehörlose verstärkt erfahrbar. In der Uniklinik in Kiel implantiert man deshalb winzige Schallverstärker auf die Knochen hinter dem Ohr. Die konnte ich aber nicht gebrauchen, überhaupt stellte sich die Frage: Wie um alles in der Welt stellt man auf einem Gemälde einen gehörlosen Menschen dar? Wochenlang fand ich keine Lösung, bis mir die Idee mit den Hörrohren kam. Die waren zwar so in Wacken gar nicht vorhanden, aber diese Bedenken darf ich als Künstler im surrealen Laufgitter gern außer Acht lassen. Und dann fiel mir das bekannte Beethoven-Zitat ein: "Sollte ich noch einmal leben, würde ich mehr für die Tauben tun". Nun hatte ich alle Zutaten für dieses Bild beieinander. Auf dem T-Shirt ist dann noch abschließend W:O:A in der sogenannten "Gallaudet-Schrift" unter dem tauben Beethoven zu lesen. --Jens Rusch 20:16, 21. Dez. 2011 (UTC)

Leinwandskizze 110 x 150 cm

Musik für die Tauben

Vorspiel

Vorspiel: Zitat des tauben Ludwig van Beethoven: "Könnte ich noch einmal leben, würde ich mehr für die Tauben tun"
Siehe auch: Palomos

Leinwandskizze

Bildentwickelung

Taubheit und Musik

Quelle: Deafzone


  • 4. Hirnforschung
  • 4.1. Warum Gehörlose Musik geniessen können

Dean Shibata, Assistentsprofessor für Radiologie an der University of Washington, führte mit zehn gehörlosen und elf hörenden Freiwilligen ein Experiment durch. Dabei fügte Shibata den Personen Vibrationen an den Händen zu und beobachtete mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie (fMRI) die Verarbeitung dieser Vibrationen in deren Gehirn. Bei allen 21 Versuchspersonen konnte er eine Gehirnaktivität im Bereich, welcher für die Verarbeitung der Vibrationen zuständig ist, feststellen. Zudem zeigte sich bei den Gehörlosen eine Aktivität in einer golfballgrossen Region des Gehirns, dem auditiven Cortex. Dieser Bereich wird von Hörenden zur Musikwahrnehmung benötigt und wird normalerweise nur für die Verarbeitung von Tönen und Geräuschen aktiv. Dieser Befund weist darauf hin, dass die Erfahrungen von Gehörlosen beim Fühlen der Musik ähnlich sind mit den Erfahrungen von anderen Personen beim Musikhören. Die gemachte Studie hilft erklären, wie gehörlose Musiker Töne, Klänge, Geräusche und Musik wahrnehmen können und wie Gehörlose Konzerte und andere Musikereignisse geniessen können.

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