Moby Dick

Aus Jens Rusch
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Projekt

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1989 begann Jens Rusch mit der Illustration von Hermann Melvilles "Moby Dick". Wieder rekrutierte er seine Darsteller aus seinem Freundeskreis, wie bereits zuvor beim Schimmelreiter und wie später bei der Carmina Burana und anderen Themen. Diese Arbeitsweise hatte er von einem seiner ersten Lehrer, Norman Rockwell (Fernstudium Famous artists school) übernommen. In vielen Personen erkennt man regionale Figuren wieder. Der "Starbuck" wurde beispielsweise vom Sohn des Brunsbütteler Pastor H. Heinrich dargestellt. Leider verstarb die Verlegerin, Frau Beatrice Heinemann vom Verlag Heinrich Möller Söhne, vor der Fertigstellung dieses Werkes. Das Auftrags-Buchprojekt wurde niemals vollendet, ein neuer Verleger konnte bislang nicht gefunden werden.

Der weiße Wal lebt

Als Herman Melville starb, am 28. September 1891, war sein erzählerisches Werk fast in Vergessenheit geraten. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts jedoch wurde im Rahmen des sogenannten 'Melville Revivals' auch 'Moby-Dick' wiederentdeckt. Seitdem hat der Roman zahlreiche Ausgaben, Übersetzungen, Interpretationen und Adaptionen erfahren - als Bühnenstück, Kinderbuch, Comic, Film oder Hörspiel. Heute scheint es, als hätte es die Geschichte vom einbeinigen Kapitän Ahab, der verbissen ein furchterregendes Ungeheuer über die Weltmeere jagt und schließlich von ihm in die Tiefe gerissen wird, schon immer gegeben: ein Klassiker, ein Mythos.

Besessener Erzähler in Geldnot

Von 1841 bis 1844 hatte Melville Erfahrungen als einfacher Seemann gesammelt, zeitweise auch auf Walfängern. Gerüchte über einen gefährlichen weißen Wal tauchten seit einigen Jahren in Zeitungen auf und in Erzählungen von Seemännern. Aus eigenen Erfahrungen sowie einer Vielzahl von Motiven und Stilen schöpfend, schrieb er - immer unter Zeitdruck, denn er benötigte Geld - sein gigantisches, experimentelles, vielstimmiges Meisterwerk. So verbindet Melville das Heldenepos mit einem illusionslosen Porträt der damaligen Gesellschaft, zeigt den Walfang als Teil einer aufstrebenden Industrie und spottet über religiöse Heuchelei. Mit Ishmael schafft er einen besessenen Erzähler, dessen Bericht weit hinausgeht über die Jagd auf den weißen Wal - und dessen Neugier vor nichts halt macht: von der Anatomie des Wals über die Angst vor der Farbe Weiß bis zur Kunstgeschichte des Walfangs und der Technik des Harpunenschleuderns.

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Zeichnungen und Mischtechniken

"Call me Ishmael"

Mit diesem schlichten Satz führt sich der Erzähler in 'Moby-Dick' ein. Die deutschen Übersetzungen bieten an: "Nennt mich Ishmael", "Nennt mich meinethalber Ishmael", "Man nenne mich Ishmael", "Ich heiße Ishmael" u.a. Die erste, stark gekürzte deutsche Übersetzung erschien 1927 und stammt von Wilhelm Strüver. Der ungekürzte Roman gehörte lange Zeit in die Kategorie 'kaum gelesener Klassiker'. Doch Anfang der 90er Jahre erschien eine Sonderausgabe der literarischen Zeitschrift 'Schreibheft', mit neu übersetzten Auszügen aus 'Moby-Dick oder Der Wal'. Die beste aktuelle Übersetzung stammt von Friedhelm Rathjen und wurde bei Zweitausendeins verlegt. Der Sprecher ist kein Geringerer als Christian Brückner.

Ishmael hat sich an Quequec gewöhnen müssen, und an seinen mitgeführten Schrumpfkopf. Quequec überzeugt den anmusternden Quäker von seiner Wurfkunst, die wichtiger ist, als der Umstand, ob jemand seinen Namen schreiben kann, oder nicht.


Sepia-Zeichnungen

"Walblut" Öl auf Leinwand 120 x 120 cm. Walfang-Ausstellung im Haus der Wirtschaft ( IHK zu Kiel) Drei Künstler, drei Perspektiven. Auszug: [...] Einen ganz anderen Zugang zur Jagd auf die gewaltigen Tiere hat Jens Rusch. Der 59-jährige Künstler aus Brunsbüttel ließ sich von „Moby Dick“ inspirieren – dem berühmten Buch von Herman Melville. Rusch nahm sich 1989 des Themas an und begann im Rahmen eines nicht vollendeten Buchprojekts mit der Illustration des Romanklassikers. Für die Darsteller seiner Illustrationen standen ihm seine Freunde in historischer Verkleidung Modell. Der in der Merkur-Galerie präsentierte Ausschnitt des künstlerischen Schaffens von Jens Rusch umfasst 25 Bilder. Es bleibt zu hoffen, dass das Buchprojekt mit den großartigen Interpretationen der „Moby Dick“-Szenen eines Tages vollendet wird, sagte IHK-Pressesprecher Michael Legband in seiner Eröffnungsrede. Respektvoll begrüßte Jens Rusch anlässlich der Ausstellungseröffnung Hans Peter Jürgens als „Meister“. Dieser lobte wiederum die „handwerklich präzise herausragende Arbeit“ von Rusch.



Nekrolog auf eine Obsession

Geschrieben im Juni 1989 im Atelier in Calossa de Ensarria, wiedergefunden 20010:


Pequod

Jedes Besatzungsglied seine eigene Legende, der Kapitän seine eigene Apotheose

Wenn Gott überall ist, warum nicht in der Fluke eines Leviathans?

Elmsfeuer in geschundenen Herzen, Tran und Walrat in den Venen - was ist eine Bibel wert, wenn man Wesen mordet, tausendfach wertvoller als man selbst?

Kundisches Geschirr, Karten und Sextanten, der Mensch nutzt jede Schwäche um sich selbst zum Gott zu machen.

Melville hat gefehlt, seine Geschichte könnte nur von Moby Dick selbst schlüssig erzählt werden.

Jens Rusch


Pequod
Hier sehen Sie übrigens Orson Welles aus der berühmten Verfilmung mit Gregory Peck als Prediger in der Walfängerkirche die Geschichte vom Jonas erzählen. Daneben ein Detail aus der Kirchenszene, in der der Künstler selbst als Statist mitwirkte. Leicht erkennbar an seinem Zopf, den er seitdem trägt.
Sepia-Zeichnungen für eine Ausstellung in der Merkur-Galerie der Industrie und Handelskammer zu Kiel in Zusammenarbeit mit dem Kieler Stadt- und Schiffahrtsmuseum. Bitte ins Bild klicken, um die Hängeordnung zu vergrößern.