Moby Dick
Aus Jens Rusch
Ausstellung im Heimatmuseum Brunsbüttel ab 14. Mai 2011
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Projekt
1989 begann Jens Rusch mit der Illustration von Hermann Melvilles "Moby Dick". Wieder rekrutierte er seine Darsteller aus seinem Freundeskreis, wie bereits zuvor beim Schimmelreiter und wie später bei der Carmina Burana und anderen Themen. Diese Arbeitsweise hatte er von einem seiner ersten Lehrer, Norman Rockwell (Fernstudium Famous artists school) übernommen. In vielen Personen erkennt man regionale Figuren wieder. Der "Starbuck" wurde beispielsweise vom Sohn des Brunsbütteler Pastor H. Heinrich dargestellt. Leider verstarb die Verlegerin, Frau Beatrice Heinemann vom Verlag Heinrich Möller Söhne, vor der Fertigstellung dieses Werkes. Das Auftrags-Buchprojekt wurde niemals vollendet, ein neuer Verleger konnte bislang nicht gefunden werden.
Der weiße Wal lebt
Als Herman Melville starb, am 28. September 1891, war sein erzählerisches Werk fast in Vergessenheit geraten. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts jedoch wurde im Rahmen des sogenannten 'Melville Revivals' auch 'Moby-Dick' wiederentdeckt. Seitdem hat der Roman zahlreiche Ausgaben, Übersetzungen, Interpretationen und Adaptionen erfahren - als Bühnenstück, Kinderbuch, Comic, Film oder Hörspiel. Heute scheint es, als hätte es die Geschichte vom einbeinigen Kapitän Ahab, der verbissen ein furchterregendes Ungeheuer über die Weltmeere jagt und schließlich von ihm in die Tiefe gerissen wird, schon immer gegeben: ein Klassiker, ein Mythos.
Besessener Erzähler in Geldnot
Von 1841 bis 1844 hatte Melville Erfahrungen als einfacher Seemann gesammelt, zeitweise auch auf Walfängern. Gerüchte über einen gefährlichen weißen Wal tauchten seit einigen Jahren in Zeitungen auf und in Erzählungen von Seemännern. Aus eigenen Erfahrungen sowie einer Vielzahl von Motiven und Stilen schöpfend, schrieb er - immer unter Zeitdruck, denn er benötigte Geld - sein gigantisches, experimentelles, vielstimmiges Meisterwerk. So verbindet Melville das Heldenepos mit einem illusionslosen Porträt der damaligen Gesellschaft, zeigt den Walfang als Teil einer aufstrebenden Industrie und spottet über religiöse Heuchelei. Mit Ishmael schafft er einen besessenen Erzähler, dessen Bericht weit hinausgeht über die Jagd auf den weißen Wal - und dessen Neugier vor nichts halt macht: von der Anatomie des Wals über die Angst vor der Farbe Weiß bis zur Kunstgeschichte des Walfangs und der Technik des Harpunenschleuderns.
Zeichnungen und Mischtechniken
"Call me Ishmael"
Mit diesem schlichten Satz führt sich der Erzähler in 'Moby-Dick' ein. Die deutschen Übersetzungen bieten an: "Nennt mich Ishmael", "Nennt mich meinethalber Ishmael", "Man nenne mich Ishmael", "Ich heiße Ishmael" u.a. Die erste, stark gekürzte deutsche Übersetzung erschien 1927 und stammt von Wilhelm Strüver. Der ungekürzte Roman gehörte lange Zeit in die Kategorie 'kaum gelesener Klassiker'. Doch Anfang der 90er Jahre erschien eine Sonderausgabe der literarischen Zeitschrift 'Schreibheft', mit neu übersetzten Auszügen aus 'Moby-Dick oder Der Wal'. Die beste aktuelle Übersetzung stammt von Friedhelm Rathjen und wurde bei Zweitausendeins verlegt. Der Sprecher ist kein Geringerer als Christian Brückner.
Sepia-Zeichnungen
Nekrolog auf eine Obsession
Geschrieben im Juni 1989 im Atelier in Calossa de Ensarria, wiedergefunden 20010:
Pequod
Jedes Besatzungsglied seine eigene Legende, der Kapitän seine eigene Apotheose
Wenn Gott überall ist, warum nicht in der Fluke eines Leviathans?
Elmsfeuer in geschundenen Herzen, Tran und Walrat in den Venen - was ist eine Bibel wert, wenn man Wesen mordet, tausendfach wertvoller als man selbst?
Kundisches Geschirr, Karten und Sextanten, der Mensch nutzt jede Schwäche um sich selbst zum Gott zu machen.
Melville hat gefehlt, seine Geschichte könnte nur von Moby Dick selbst schlüssig erzählt werden.
Jens Rusch

