Kunstbude Reimersbude

Aus Jens Rusch
Wechseln zu: Navigation, Suche
Plakat Reimersbude.jpg


TIERISCH ANDERS

Unter dem Titel TIERISCH ANDERS zeigt sich eine kleine, aber feine parallele Werkschau der Künstler Achim Schmacks und Solvej Krüger, die sie mit Jens Rusch als Gast im Mai 2015 in der KunstBude 2.0 zusammengestellt haben.

Zu den inhaltlichen Konzepten von Jens Rusch aus Brunsbüttel gehören von jeher die abstrusen Visionen selbsterfundener Kreaturen, die das Watt und unsere amphibische Landschaft in unbeobachteten Momenten bevölkern. Weiße Malplatten überzog er mit dunklen Harzöllasuren und ließ anatomische Fabelwesen durch Wegkratzen und Schaben in vehementen Zügen entstehen. Es entstanden Hybridwesen zwischen Fisch und Marschbewohner, die einen an Röntgenaufnahmen erinnern.

Schwarz ist auch ein wichtiger Bestandteil der Arbeiten von Achim Schmacks. Keine weitere Farbe kann mit ihren Eigenschaften seine Kunst besser darstellen und transportieren. In diesem Jahr entstanden unter anderem ausdrucksstarke S/W-Zeichnungen von regionalen Tieren auf Aquarellpapier, die als feine Drucke in der Serie Schwarzist daherkommen.

Solvej Krüger rundet die Arbeiten der tierischen Werkschau mit ihren außergewöhnlichen Plastiken aus Strandgut ab. Durch das Meer geformte und ausgewaschene Holzstücke kombiniert sie mit ausgeblichenen Knochen, Fragmenten aus der Plastikindustrie, rostigen Eisenstücken und -drähten sowie Naturmaterialien vom Strand zu phantasievollen Vogelwesen und Vierbeinern.

Die Werkschau ist den ganzen Mai im offenen Atelier KunstBude 2.0 je nach Wetterlage Mi, Sa und So von 14.00 – 18.00 Uhr in Reimersbude 12, direkt an der B5 bei freiem Eintritt zu sehen.


Selbstverständlich können die saisonalen Arbeiten der KunstBudenkünstler Pe Hagen, Andrea Lorenz und Independent-Saw neben der Mai-Präsentation weiterhin in Augenschein genommen werden.

Die amphibische Evolution

Die monotypische Serie "Amphibion" stellt nicht nur maltechnisch eine Besonderheit dar. Der inhaltliche Bogen reicht von der wattpsychologischen Aussage "zweitausend Jahre nasse Füße" bis zu maltherapeutischen Experimenten. Themen, die sich mit der amphibischen Küstenregion Norddeutschlands befassen, finden zunehmend Raum im Werkverzeichnis.


Der Hintergrund

Das "Amphibion" entstand in einer psychisch außerordentlich instabilen Lebensphase. Traumatische Depressionen waren ein Nebeneffekt meines Engagements für Krebsbetroffene. Wer sich täglich dutzende von dramatischen Schilderungen zu Herzen nimmt, ist dem irgendwann einmal nicht mehr gewachsen. Ich war dann zwar durch Gespräche mit Prof. Hohagen in der Uni-Klinik Kiel in der Ursache bestätigt, eine eigene Therapie musste ich jedoch selbst entwickeln, weil ich jede Form medikamentöser Lösungen ablehne. Blieb also mein Atelier als Therapie-Zimmer- der bunte Freund, der mich durch mein Leben begleitete. Nur Farbe konnte ich mir in diesem Zusammenhang absolut nicht vorstellen.

Zu den inhaltlichen Konzepten meines Künstlerlebens gehören von jeher die abstrusen Visionen selbsterfundener Kreaturen, die das Watt und unsere amphibische Landschaft in unbeobachteten Momenten bevölkern. Bereits 1977 hatte ich diese in einem Buch vorgestellt. Nun also nahm ich weisse Malplatten, überzog sie mit dunklen Harzöllasuren und ließ anatomische Fabelwesen durch wegkratzen und Schaben in vehementen Zügen entstehen. Etwa zwanzig solcher Hybridwesen entstanden, von denen ich jedoch den größten Teil entweder wieder wegwischte oder wegwarf. Allmählich entstand dann etwas "wissenschaftlich" Schlüssiges- jedenfalls sah es für mich als Wattpsychologe danach aus. Diese Zwischenwesen eines amphibischen Landganges, diese Hybridwesen zwischen Fisch und Marschbewohner, sie zeigten sich in den letzten, halbwegs gelungenen Studien wie Röntgenbilder ab. Und sie bildeten den Ursprung einer danach folgenden, weit farbenfroheren Serie, den "Stelzkühen" und den "Vogelmenschen". Aber das ist ein ganz andere Geschichte .......