Kafka

Aus Jens Rusch
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"Kafka" 3D-Gemälde auf diversen Materialien. Format 160 x 80 cm. Preis: 8600.- Euro

Verwandlung und Identifikation

Die Selbstdarstellung als Gregor Samsa ist für Jens Rusch weit mehr als ein künstlerischer, ein malerischer Vorgang. Die unmittelbare Verwandlung des Menschen Gregor in den Käfer Gregor stellt das bei Kafka oft anzutreffende "kritische Moment" der Erzählung dar: Die Unbedingtheit des Käfermotivs in seiner phantastischen Irrealität wird von den übrigen Personen, seiner Familie, seinem Arbeitgeber als Gefährdung der Alltagswirklichkeit empfunden.

In dieser gravierenden Phase seiner Verwandlung bleibt Gregor ein weitgehend intaktes Identitätsgefühl, obwohl sich seine Lebensweise ins Animalische transponiert. Die anthropologische Trennung zwischen Mensch und Tier ist auf radikale Weise aufgehoben.

Nicht nur Gregor Samsas Verwandlung an sich ist ungewöhnlich, auch seine Reaktion darauf und die seiner Umgebung sind es. Daraus leitet sich ab, dass das Käfermotiv den Gesamtrahmen der Erzählung erfüllt, dass die gesamte Welt dieser "Metamorphose" weitgehend eine Käferwelt ist. Durch die Selbstdefinition über die Fremdwahrnehmung der "Anderen", der Familie, wird Gregors Selbst zum absolut Befremdlichen.

Tatsächlich entspricht diese Form der Verwandlung nur einer radikalen Verschärfung der vorher bestehenden Umstände, deren Umkehrung nur scheinbar ist. Die Rahmenverhältnisse bleiben bestehen. Dieser Prozess ist übertragbar.

Gregor Samsa und allen anderen fehlt die Einsicht in das, was ihm widerfahren ist. Das heißt, die Verwandlung machte nur sichtbar, was ohnehin vorhanden war. Ekel und Abscheu sind die Verschärfung der Demütigung und Erniedrigung, die Gregor auch schon bisher erfuhr. Kafka setzt hier eine Erkenntnis realer Lebensumstände voraus, die ihre Entsprechung ohne Deklaration im Darstellerischen auf die gleichen Automatismen zurückführt, wie die Freudsche Analaytik. Für Rusch eine metaphorische Herausforderung, den Grad der eigenen Befindlichkeit auszuloten und eine analysierbare Identifikation auf die Leinwand zu bringen.


Materialbild

Ein Teil dieses Gemäldes wurde dreidimensional ausgeführt. Über bemalte Stoffe, Faltenwürfe und simple Schnürsenkel gelangt das Bild aus der Zweidimensionalität in den fühlbaren und somit für den "Betrachter" in den fühlbaren, erfahrbaren Raum. Auch der Stacheldraht, an dem die gemalten Schmetterlinge an Schnürsenkeln aufgehängt wurden, ist real, sein Schatten aber gemalt. Experimente mit der Raumerfahrung sind eine kausale Folge der Auseinandersetzung des Künstlers mit kafkaesker Literatur.

Auszug

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen. »Was ist mit mir geschehen?« dachte er. Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Menschenzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden. Über dem Tisch, auf dem eine auseinandergepackte Musterkollektion von Tuchwaren ausgebreitet war -- Samsa war Reisender --, hing das Bild, das er vor kurzem aus einer illustrierten Zeitschrift ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte. Es stellte eine Dame dar, die, mit einem Pelzhut und einer Pelzboa versehen, aufrecht dasaß und einen schweren Pelzmuff, in dem ihr ganzer Unterarm verschwunden war, dem Beschauer entgegenhob.


"Selbst als Gregor Samsa" Öl auf Leinwand 120 x 80 cm Preis: 5200.- Euro

Kafka's Metamorphosis

The helpless antihero who morphed into a cockroach in Kafka's Metamorphosis is resurrected and given a rather busy second life in Estrin's brilliantly conceived but erratic debut novel. In Estrin's version, Gregor Samsa is sold to a Viennese sideshow rather than being swept into the trash, and he quickly becomes the major attraction in entrepreneur Amadeus Hoffnung's bizarre little circus. The author keeps his early incarnation of Samsa reasonably close to Kafka's character, and he even adds a cheeky chapter in which Samsa meets Ludwig Wittgenstein. But when the circus subplot runs its course and Samsa goes off to New York, he undergoes a radical transformation into a half-man, half-insect superhero whom the author uses to reexamine the first half of the 20th century, with Samsa working behind the scenes as a liaison in the worlds of science, music, business and politics to push pivotal historical events in the right direction. His encounters with Charles Ives, FDR, Einstein and Oppenheimer, among others, are rendered with a combination of humor, chutzpah and intelligence. Even though Estrin has a tendency to go over the top, he succeeds at many levels in his recreation of one of Kafka's most memorable characters, redrawing Samsa as a compassionate, brilliant bug. The book's many excesses don't detract from the scope of its premise and the kaleidoscopic dazzle of its most successful episodes. Agent, Dorian Karchmar. (Jan.)Forecast: The whimsical jacket art and the tie to Kafka should catch the eye of a brainy subgroup of readers; the lively prose will keep them hooked.


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