Insekten
Aus Jens Rusch
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Der Künstler liebt Insekten
Entomomanische Gesellschaft
Entomomanie, die Seite von Jens Rusch bei MySpace über Insekten und ihre Auswirkung auf den Atelieralltag.
Vorbilder
Jean-Henri Fabre
Victor Hugo nannte ihn den »Homer der Insekten«.
Jahrzehntelang widmete sich Jean-Henri Fabre der Beobachtung und Beschreibung der Insekten in ihrem Lebensraum: von der Grabwespe, dem Mistkäfer und der Gottesanbeterin über die Spinne bis hin zum Nachtpfauenauge. Dabei gelingen ihm literarische Gattungsbiographien, die zu den schönsten und einfühlsamsten aber auch genauesten Tierbeobachtungen zählen, die je geschrieben wurden. Fabre stand mit vielen Geistesgrößen seiner Zeit in Kontakt, beispielsweise mit Charles Darwin, dessen Auffassung der Instinkte und der Entstehung der Arten er vehement ablehnte. Doch mit seinen Erinnerungen schuf er ein unvergleichliches, unerschöpfliches künstlerisches Monument, ein so ungewöhnliches wie herausragendes literarisches Meisterwerk, mit dem es ihm gelingt, dem Leser die Poesie des Lebens und der Natur zu offenbaren.
»Ich glaube nicht an Gott, ich sehe ihn«, versicherte er im hohen Alter. Inmitten einer positivistischen Welt, die Analyse und Berechenbarkeit absolut setzt, entdeckt Fabre die Schönheit der Schöpfung. Sein nie endendes Staunen vor den Wundern der Natur und ihrer Schönheit fasste er in Worte und wurde damit für Generationen von Schriftstellern, von Victor Hugo, Marcel Proust und André Gide über die Surrealisten bis hin zu Ernst Jünger zum Vorbild und Inspirationsquelle. Der Insektenforscher Jean-Henri Fabre (1823-1915) war zunächst Kellner, dann Lehrer, später studierte er Mathematik und Biologie. 1879 kaufte er in Serignan (Departement Vaucluse) ein Landgut, wo er bis zu seinem Tod Insektenforschungen betrieb. Seine 'Souvenirs entomologiques' blieben bis heute das umfassendste Werk der Insektenforschung. Fabre schrieb auch Gedichte und Lieder und wurde 1904 für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen.
Die Wiedergeburt des Scarabäus
Die Anmutungen dekorativer Käferflügel sind seit Jahrhunderten als Schmuck oder Verzierung auf der Kleidung und als dekorative Objekte verwendet worden. Käfer haben zwei Paar Flügel: die harten chitinigen vorderen Paare, die Flügeldecken, falten sich bei den meisten der Käferals schützende Hülle über die zerbrechlicher Flügel. Im Flug sind sie offen gehalten und sorgen als Winkel für zusätzlichen Auftrieb. Dauerhaft, praktisch schwerelos, und spektakulär in ihrer Farbe, sind die Flügeldecken ideale natürliche Edelsteine. Die weitestgehende Nutzung dieser Flügeldecken in Textilien kannte man in der Mogul-Kultur von Jaipur in Indien. Artefakte dieser Bekleidung und Accessoires mit Käferflügeln verziert stammen aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert. Smaragdgrüne Eleytra wurden auf Gewebe mit Metallfäden in einer Methode ähnlich wie ein Stein in einem Cabochon-Lünette auf die Kleidung genäht. Sogenannte "Beetle-Eleytra" waren als Ware sehr lukrativ. Millionen schillernder Käfer wurden in den Laubwäldern von Burma für den Export nach Indien geerntet.
In der Regenzeit suchen die Käfer in großen Schwärmen nach Geschlechtspartnern. Nachdem die Paarung stattgefunden hat, und die Eier gelegt sind, und die ausgewachsenen Käfer starben, war die Ernte der Flügel eine einfache Sache. Im neunzehnten Jahrhundert wurde so ein neuer Exportmarkt für Textilien mit Käferflügel-Dekorationen entwickelt. Das Viktorianische England hatte eine Faszination für exotische Waren aus den entlegensten Winkeln des Reiches und damit die ideale Voraussetzung für eine Industrie mit den von indischen Handwerkern produzierten Textilien.
Die Victorianische Epoche entwickelte ein exotisches, gesteigertes Interesse an den Naturwissenschaften, nicht zuletzt auch durch die Untersuchungen von Sir Charles Darwin und Alfred Russel Wallace inspiriert. Das Sammeln von Mineralien, Pflanzen und exotischen Insekten wurde gesellschaftsfähig und führte zu beliebten, gemeinsame Freizeitaktivitäten.
Zum viktorianischen Salon gehörte einfach eine Sammlung von schönen tropischen Schmetterlingen oder Käfern, unter Glas montiert und sorgsam abzuschließen. Viktorianischen Damen entwickelten sogar die Mode des Tragens lebender Prachtkäfer in Anbindehaltungen von winzigen goldenen Ketten. Es entstand Schmuck aus den Flügeldecken der Käfer oder aus dem gesamten Körper , oder es wurden Abformungen angefertigt.
Käfer-Körperteile sind bei Eingeborenen im Amazonasbecken, in Neuguinea und bei Bergstämmen in Thailand und Burma symbolträchtige Assecoires. Alle diese Ornamente, zusätzlich zu ihrer offensichtlichen Schönheit, werden als Inbegriff einer spirituellen Energie wahrgenommen. In feierlichen Zeremonien erhalten privilegierte Mitglieder der Stämme diese Käfer zur Steigerung von Macht und Würde überreicht. Solche Gegenstände und Kleidungsstücke werden mit äußerster Vorsicht behandelt, da deren Missbrauch das Potenzial einer Katastrophe in sich birgt. In einigen Gebieten von Indien und Sri Lanka wird "Buprestid Chrysochroa ocellata" gleich doppelt als Haustier und als Brosche verwendet. Der etwa vier Zentimeter lange und grün metallic, kupferfarbenen rot blinkende Chrysochroa wird als Schmuck bei festlichen Anlässen getragen. Der Käfer wird dort ebenfalls mit einer kleinen Kette an der Kleidung befestigt.
Perlen, Strass und Schmuckelemente werden auf die Schalen der lebenden Käfer geklebt in Mexiko und Zentralamerika, und sie werden auch dort als lebendige Schmuckstücke getragen. Der Louvre in Paris besitzt eine große Sammlung von ägyptischen Altertümern durch die napoleonischen Eroberungszüge am Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Das frühe neunzehnten Jahrhundert war der Beginn einer breiten Verwendung alter ägyptischer Motive in der modernen westlichen Mode und im Design. Ägyptisch-inspirierte Möbeln, Textilien und Schmuck wurden zu europäisierten Versionen von Sphinxen, Darstellungen der Göttin Isis, der stilisierte Lotus, undnatürlich auch der Skarabäus.
Viele Juweliere des neunzehnten Jahrhunderts übernahmen echte antiken Skarabäen. 1922 entdeckte der Archäologe Howard Carter das Grab des Königs Tutanchamun. Scarabäen in feinstem Gold und mit Edelsteinen besetzt, Emaille, Glas und Stein inspirierten Schmuckdesigner und Modemacher. Louis C. Tiffany hatte eine grosse persönliche Sammlung von antiken Skarabäen. Sie war die Inspiration für seine Skarabäen aus schillerndem Glas. Auch Cartier fügte in seine Juwelen antike ägyptische Skarabäen ein. Die stilisierte Geometrie der Käfer gehörte zu diesen Entwürfen ebenso, wie zu den gewundenen Kurven des Jugendstils oder der ausgeklügelten Geometrie des Art Deco-Stils. Der Skarabäus besitzt eine unwiderstehliche Ausstrahlung, auch auf die moderne Phantasie. Wann immer eine bedeutende Sammlung ägyptischer Altertümer für eine internationale Wanderausstellung zusammengestellt wird, sammelt die Welt des Designs neue Erfahrungen. Der Scarabäus erschafft seinen Einfluss auf das ästhetische Bewusstsein des modernen Menschen immer wieder aufs Neue.
Links
- Kopfbedeckung mit eingearbeiteten Käferflügeln.
- Käfer in Textilien.
- Der geniale Jan Fabre überzieht Möbel und Särge mit Insektenflügeln.
- Kompositionen mit Insekten



