Im Schatten der Loge

Aus Jens Rusch
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Gemeinschaftswerk

Gemeinschaftliche Lesung mit Hannes Nygaard (links) und Jens Rusch auf Einladung der Hamelner Loge "Zur königlichen Eiche" am 5. Mai 2017. Foto Roland Marz.

Kein Freimaurer ist wirklich scharf darauf, von seinen Brüdern als Verräter eingestuft zu werden. Dieses Stigma ist schnell errungen, denn so facettenreich die gegenwärtige Freimaurerei auch ist, so allgegenwärtig ist auch dieses Damoklesschwert. Im bunten Reigen einer globalen Bruderschaft findet man neben den kreativen Anarchisten - also den Künstlern wie Jens Rusch - auch jene, die am Liebsten jede Wasserpfütze unter Denkmalsschutz stellen würden, weil sie möglicherweise von der Sintflut herrühren könne. Das Spektrum der Ansichten ist so groß, wie die Anzahl der Brüder, denn die Freimaurerei ist keinesfalls doktrinär, sie respektiert individuelle Auffassungen und Lehrmeinungen.

Kein unkomplizierter Start also für ein Duo wie den erfahrenen Krimi-Autor Hannes Nygaard und den weitgewanderten Freimaurer und Co-Autor Jens Rusch. Beide begannen ihre gemeinsame Arbeit deshalb mit dem Vorsatz, diese Welt sei groß genug, dass Beide darin Unrecht haben könnten. Ein gutes Konzept, um einen literarischen Klumpen Lehm zu kneten.

Ein freundschaftliches Grundverständnis und ein wertschätzender kollegialer Dialog ließen einen Kriminalroman entstehen, der in der deutschen Literaturlandschaft eine einsame Position bekleiden dürfte. Wie die Häute einer Zwiebel muss der ermittelnde Kommissar Verschwiegenheiten und Verdrängung beseitigen, um sich dem Kern eines Verbrechens nähern zu können. Die Lesungen der beiden Autoren sind öffentlich.

Inhaltsbeschreibung

Ein Richter, Freimaurer und jüdischen Glaubens, wird rituell auf Föhr ermordet. Hat er Geheimnisse der Bruderschaft verraten? Oder hat ihn sein Amt das Leben gekostet? Lüder Lüders bekommt in diesem verzwickten Fall Unterstützung von den Kollegen aus Husum: Große Jäger und Cornilsen reisen an. Gemeinsam tauchen sie in ein Dickicht aus Verschwiegenheit, dunklen Machenschaften und Zeremonien ein.

Statements der Autoren

Dichtung und Wahrheit 1

von Hannes Nygaard

Als mir der bekannte Künstler Jens Rusch, ein bekennender Menschenfreund, vorschlug, zum dreihundertsten Jahrestag nach der international gültigen Zeitrechnung der englischen Großloge UGLE das Freimaurertum in einem Kriminalroman zu thematisieren, habe ich zunächst gezögert. Zu fremd ist mir die geheimnisvolle Welt der Bruderschaft. Jens, selbst seit über zwanzig Jahren Freimaurer und Initiator des weltweit größten Internet-Lexikons »Freimaurer-Wiki«, überredete mich schließlich. So entstand die Idee, das Thema gemeinsam zu bearbeiten.

Ich erfuhr viel über die Ziele und Ideale der Freimaurer, musste aber feststellen, dass Jens sich in manchen Dingen an das Gebot des Schweigens, das er bei seiner Aufnahme in den Freimaurerbund gelobt hatte, hielt.

Ich wollte aber weiter hinter die Geheimnisse blicken. Nicht alles ist in allgemein zugänglichen Quellen zu finden, auch wenn Arte, BBC und NDR spannende Beiträge über die Freimaurer ausgestrahlt haben. Es war ein mühsames Suchen, bis ich mich an ein Mitglied der Bruderschaft erinnerte, einen Amerikaner, den ich aus der gemeinsamen Arbeit als Unternehmensberater kannte. Steve verriet mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit ein paar Geheimnisse und stellte den Kontakt zu Paddy, einem Iren, her. In Irland erfuhr ich mehr über geheime Rituale der Bruderschaft, darunter die Bestrafung mit dem Cable-Tow.

Es gab während der Arbeit an diesem Buch mit Jens lebhafte Diskussionen darüber, ob wir diese Dinge veröffentlichen. Ich hielt es für meine Pflicht. Jens sagte, als Künstlerkollege müsse er vor solch einer Entscheidung Respekt haben. Er sah seine Aufgabe eher darin, dass die Sachverhalte richtig dargestellt wurden.

Auch wenn es sicherlich Verstrickungen zwischen den Freimaurern und der Politik gab, hat man die Brüder oft zu Unrecht verfolgt. So auch im Dritten Reich, da die Freimaurer eine verschwiegene Gemeinschaft von Männern sind, die zueinander stehen. Man fürchtete, daß sich in der Hermetik der Logen ein Widerstand gegen Hitler formieren könnte.

Die Handlung und alle in diesem Buch auftretenden Personen sind frei erfunden. Es gibt sie ebensowenig wie die erwähnten Logen oder Unternehmen. Jede Ähnlichkeit wäre rein zufällig. Mein Dank gilt Dr. Christiane Bigalke und meinem Sohn Leif für die medizinische Fachberatung sowie meiner Lektorin Dr. Marion Heister. Birthe hat mich erneut unterstützt. Und natürlich gilt mein besonderer Dank Jens Rusch. Es ist nicht einfach, gemeinsam an einem Buch zu schreiben und den Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Wir haben es geschafft. Danke, Jens.

Hannes Nygaard

Dichtung und Wahrheit 2 von Jens Rusch

Unabhängig von der symbolhaft reizvollen Bilderflut dieser metaphernreichen Vereinigung reizte mich das fundierte Selbsterziehungssystem der Freimaurer bereits vor meiner Aufnahme. Das Zitat »Man sollte eigentlich bereits Freimaurer sein, bevor man mit dem Gedanken spielt, einer zu werden«, trifft auf mich uneingeschränkt zu. Heute steht diese Organisation auf dem Prüfstand. Es imponiert niemandem mehr, dass große Denker, Humanisten und Künstler zu ihr, gehörten und ihre ethische Weltsicht prägten. Das »Arkanum«, das Gebot der Verschwiegenheit scheint überholt, seit es das Internet gibt. Und dennoch ist der Rückzug in die vertrauenswürdige Geborgenheit einer Bruderschaft auch heute noch ein schwer zu definierendes Grundbedürfnis.

Die Flut schwachköpfiger Anwürfe im Internet ist unsteuerbar geworden – das war mein Impulsgeber für die Gründung eines vertrauenswürdigen Mediums, eines objektiven und transparenten virtuellen Lexikons. In einer Zeit, die von Verrohung und einem dramatischen Verlust an ethischer und moralischer Verantwortung geprägt wird, kommt der Freimaurerei eine bedeutende Aufgabe innerhalb unserer Gesellschaft zu. Die Freimaurer verfügen über das ethische und moralische Instrumentarium – es wäre unlogisch, es nicht einzusetzen. Unsere Zeit ist rasant und schnelllebig – an diesen Werten rast die Gesellschaft vorbei, wenn wir unsere Tore nicht weiter öffnen.

Aber: Freimaurerei ist facettenreich, und einen einzigen gemeinsamen Nenner für einen Paradigmenwechsel [eine aktualisierte Definition] gibt es nicht. Visionäre müssen ertragen können, dass man sie als Verräter empfindet, Konservative wähnen sich auch hier als Gralshüter – das sind normale, altbekannte Vorgänge. Freimaurerei zu leben ist primär ein [vitaler] organischer, ein lebendiger Vorgang.

Wer sich selbst formt, gestaltet einen winzigen Teil unserer Gesellschaft. Wenn das aber viele so machen würden, wäre unser Beitrag elementar. Ich habe mir bei dieser gemeinsamen Arbeit versagt, Hannes Nygaard in die Feder zu greifen, wenn es darum ging, wie er die Freimaurer dargestellt hat. Ich hätte seinen Spannungsbogen zerstört, wenn ich auf mein Idealbild vom ausschließlich positiv dargestellten Ideal-Freimaurer gedrängt hätte. Als Künstler habe ich Respekt vor seiner schriftstellerischen Leistung und habe mich daher lediglich auf faktische Korrekturen beschränkt.

Fakt ist aber auch: Ich kenne keinen einzigen Freimaurer, der zu den hier geschilderten Straftaten fähig oder auch nur bereit wäre. Unumstritten ist jedoch die ausgesprochen fragwürdige Rolle einiger Freimaurer in der Dunklen Zeit. Möglicherweise kommen die Visionen Nygaards dem verdrängten Geschichtsbild sehr nahe. Mich besorgt der Blick in die nahe Türkei, denn dort scheint sich Geschichte gerade zu wiederholen. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann wird Erdogan die Freimaurer-Logen verbieten. Es würde mich nicht wundern, wenn dann wieder die Juden und die Freimaurer als die Schuldigen für alles Denkbare herhalten müssen.

Hannes Nygaard

Hannes Nygaard ist das Pseudonym, nein, eigentlich eine Kurzform von Rainer Dissars-Nygaard. 1949 in Hamburg geboren. Nach einer seriösen Ausbildung als Kaufmann und einem BWL-Studium habe ich spannende Jahrzehnte Unternehmen der Mineralöl- und der Kreditwirtschaft in die Problemzonen begleitet, die sie ohne Unternehmensberater nicht durchlebt hätten. Man könnte vermuten, dass ich dabei so viel Erfahrung mit fragwürdigen Dingen gesammelt habe, die zu Papier gebracht werden sollten. Und da nach Volkes Meinung Unternehmensberater ohnehin professionell lügen können - war der Weg zur Schriftstellerei vorgezeichnet.

Ich habe mein halbes Leben in Schleswig-Holstein zugebracht, auch wenn es mich bereits im letzten Jahrtausend in das zu Recht von der Unesco zur lebenswertesten Stadt der Welt erklärte Münster verschlagen hat. Der Beruf hat mich u.a. langjährig an Hamburger, Frankfurter und Münchener Schreibtische geführt. Fern ab von Schleswig-Holstein sind dort, aber auch in Köln und Münster, die ersten Krimis mit dem Tatort "Norden" entstanden.

Heute lebe und arbeite ich überwiegend „direkt hinterm Deich“ auf der Insel Nordstrand. Interessante Informationen zu meinen Büchern, zu Lesungen und zu Neuheiten, aber auch ein Forum, in dem sich Freunde meiner Krimis austauschen können, finden Sie auf

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