Evolution

Aus Jens Rusch
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"Adam und Eva auf Galapagos" Öl auf Leinwand. 90 x 90 cm Preis: 3900.- Euro

Alfred Russel Wallace und Charles Darwin

Alfred Russel Wallace ist im Zusammenhang mit der Evolutionstheorie weit weniger bekannt, als Charles Darwin - und dennoch gebührt ihm ein ebenbürtiger Platz an dessen Seite. Er hatte große Teile der Evolutionstheorie bereits ausformuliert, befand sich aber wie so häufig zu Feldstudien in der Südsee. Während er dort, von Krankheiten und Verletzungen geschunden, seine Forschung betrieb und diese mit der Schiffspost an Darwin übermittelte, hatte dieser bereits die wichtigen gesellschaftlichen Zirkel um die Royal Society über die neue Weltsicht informiert. Allerdings, und das muß zu Darwins Ehrenrettung auch gesagt werden, verschwieg dieser diese wichtigen Einflüsse zu keinem Zeitpunkt. Ehrungen nahm er stets ausdrücklich auch im Namen des abwesenden Alfred Russel Wallace entgegen. Die Evolutionstheorie, wie wir sie heute kennen, ist also eigentlich die Leistung zweier, oder besser gesagt, vieler Köpfe.

Die revolutionären Erkenntnisse Darwins bildeten die neue Basis für eine Weltsicht, die die Genesis in Frage stellt. Sie leiteten einen aufklärerischen Prozess ein, der heute beileibe noch nicht abgeschlossen ist. Unsere Welt, nur durch Vielfalt und Auslese zu einer derartigen Komplexität gelangt, das können sich sehr viele Menschen ohne eine leitende Schöpferkraft nicht vorstellen. Darwins Theorien sind anfechtbar und werden demzufolge auch angefochten. Da wäre beispielsweise die falsche Auszeichnung der Finkenbälge. Zu spät hatte Darwin erkannt, daß alle auf Galapagos gesammelten Bäge zu einer gemeinsamen Subspezies gehörten. Erst diese Erkenntnis und das Spektrum hochspezialisierter Schnabelformen führte zur Formulierung der Anpassungs-Theorie. Heute ist die Insel-Biogeographie eines der aufschlußreichsten Forschungsgebiete, denn nur endemische Lebensräume gewähren uns solche entwicklungsgeschichtlichen Einblicke.


Musical "Evolution"

Gesungen u.A. vom Santiano-Sänger Björn Both und komponiert von Jürgen Petersen. Zu den Grafiken entstand eine einfühlsame und sehr persönliche musikalische Arbeit zur Lebensgeschichte und auch zur familiären Problematik Charles Darwins. Bitte klicken Sie das Musikvideo an, bevor Sie die Bilder weiter betrachten. Das steigert den Genuss.


Evolution-Galerie

Die unterschiedliche Spezialisierung der Schnabelformen der Galapagos-Finken brachten Darwin auf die Formel von Vielfalt und Auslese, dem Schlüssel zu seiner (und Wallaces) Evolutions-Theorie.

Wie mag wohl die Einsichtsfähigkeit des großen Forschers sich in den phantasievollen Geschichten niedergeschlagen haben, die er seinen kleinen Kindern vor dem Einschlafen erzählte ? Jens Rusch hat aus dieser Überlegung heraus ein kleines Szenario mit einem jungen "Seezebra" inszeniert. Die Möglichkeiten von Vielfalt und Auslese, von bizarren Mutationen, stellen für einen Künstler einen riesengroßen surrealen Freiraum dar.

Darwin und Fabre

Zu den wichtigsten Brieffreundschaften, die Jens Rusch während seiner Arbeit faszinierten, gehörten auch die Aufzeichnungen und Dialoge Darwins mit dem südfranzösischen Insektenforscher Jean Henry Fabre. Dieser war ein vehementer Gegner von Laboruntersuchungen und Studien an präparierten Tieren- wenn man so will der erste wirkliche Verhaltensforscher. Auf seinem einfachen Terrain in Südfrankreich betrieb er an simplen Insekten Fallstudien, die ihn zu philosophischen Betrachtungen anregten. Diese übermittelte er Darwin und trug damit erheblich zu dessen Erkenntnisentwickelung bei. Fabres " Ich aber erforsche das Leben " gehört zu Ruschs Lieblingsbüchern. Eine große kosmische Kraft in kleinsten Lebensformen zu erkennen, das ist auch sein persönliches Credo und in gewisser Weise der übereinstimmende Faktor in der Arbeit beider Künstler.

Fortschreiten der Evolution

Die Evolution findet mit dem heutigen Menschen beileibe noch kein Ende.

Bionik, Genetik, die Evolution ist mit dem Erkennen der menschlichen Entwicklungsgeschichte ja durchaus noch nicht abgeschlossen. Schon sprechen wir von der Ergänzung physiologischer Mängel des menschlichen Körpers durch computergesteuerte Nanotechnologie. Mikrochirurgie ist ohne die Ergänzung menschlicher Fähigkeiten durch Elektronenmikroskope und Computer überhaupt nicht vorstellbar. Der Mensch ist längst Bestandteil seiner eigenen technischen Errungenschaften und möglicherweise irgendwann einmal verzichtbar. Das, was asketisch lebende buddhistische Mönche als höchstes Ziel erstreben, sich selbst als unbedeutend, überflüssig, verzichtbar im kosmischen Gefüge zu erkennen, wird der moderne westliche Mensch dann auf höchstem technischen Niveau erreicht haben. Allerdings vermutlich ohne die entsprechende Erleuchtung.

Der Schöpfungs-Disput

In den Arbeiten von Jens Rusch taucht immer wieder einmal der Brückenschlag zwischen Religionswissenschaft und Evolutionstheorie auf, ohne jedoch in die kompromisshaften Sackgassen der Kreatonisten zu geraten. In seinem Bilderkosmos reduzieren sich die Metaphern auf die Versetzung Adams und Evas auf die Galapagos-Inseln. Nicht etwa, weil diese so paradiesisch wären, denn das sind sie leider längst nicht mehr, sondern weil sich aus dieser Übereinstimmung eine schlüssige Ikonographie mit ganz eigener künstlerischer Lesart ergibt.

Der Disput war unausweichlich und es ist fast ein wenig erstaunlich, daß Darwin die Anfeindungen des Klerus´ überlebte. Auch hierin kann man den Anbruch einer zweiten Zeit der Aufklärung sehen: Es gab keine Autodafés mehr, keine Verbrennungen und Scheiterhaufen. Die Genesis mußte neu formuliert werden, infrage gestellt und mit ihr die vatikanische Doktrin insgesamt. Vor diesem Hintergrund ist es als alarmierend zu bezeichnen, daß es in 35 Prozent der amerikanischen Staaten an den staatlichen Hochschulen verboten ist, die Evolutionstheorie zu lehren. Professoren, die sich nicht zur Genesis bekennen, erhalten keine Anstellung.

Paläonthologie und Ethnologie stehen nicht auf dem Lehrplan. Genforschung bedeutet, einem Schöpfer ins Handwerk zu pfuschen. Aus diesem Umfeld zetteln amerikanische Präsidenten religiös motivierte Kreuzzüge an. Auf diesem Nährboden gedeihen KuKluxKlan und ein latenter Rassismus. Dort haben Darwins Erkenntnisse noch keinen Einzug gehalten, werden daran auch vehement gehindert. Wer sich als "Evolutionist" zu erkennen gibt, fliegt von der Hochschule, wird manchmal sogar von der Familie verstoßen. Vor diesem Hintergrund ist die neue Massenbewegung der Kreatonisten als ein verzweifelter Versuch zu werten, einen Mittelweg zu gestalten. Eine auf den ersten Blick naive Reformation.

Nachwort

Nachwort Kreatonisten haben durchaus erkannt, daß die Altersbestimmung unseres Planeten durch die Radiocarbon-Methode zuverlässiger ist, als jene durch das alte Testament. Ihr Credo beinhaltet demzufolge durchaus auch eine Anerkennung unbestrittener zeitgemäßer Wissenschaftserkenntnis. Das schließt für sie aber nicht aus, daß jedem Leben auf diesem Planeten, gleich in welcher Weise es sich seine Form gesucht hat, ein schöpferischer Impuls innewohnt, der sich allein wissenschaftlich nicht deuten läßt. Nach Ihnen muß es nach wie vor eine kosmische Kraft geben, die dieses Lebens bestimmend mit geformt hat. Welchen Namen man dieser Kraft gibt, ist dabei sekundär. Man kann sie gern auch Gott nennen, oder Buddha, oder Allah oder den großen Baumeister aller Welten - der Name ist Schall und Rauch. Jean Henry Fabre war dieser Erkenntnis ein wenig näher als Darwin. Das macht ihn für mich eigentlich zu einer wichtigeren Leitfigur.

Jens Rusch Dezember 2005

Bis auf die Arbeit, die Russel und Darwin Rücken an Rücken zeigt, wurden alle hier gezeigten Blätter in Strichätzung und geschabter Aquatinta auf Kupferplatten im Format 15 x 15 cm radiert. Man könnte das als die "Haustechnik" des Künstlers bezeichnen. Die Kupferplatten wurden hierfür mit einem hauchdünnen, säurefesten Ätzgrund beschichtet und mit spitzen Nadeln "bezeichnet". Danach werden die so bloßgelegten Schraffuren ungefähr eine Stunde einem Säurebad ausgesetzt, damit sich die Linien vertiefen. In den zeichnungsgebenden Linien hält sich später die Kupferdruckfarbe, die Rusch nach eigenen Rezepturen mischt und in Tuben füllt. Für die "Aquatinta" versieht er die halbfertigen Platten mit einem feinen syrischen Asphaltstaub, der ihm als ultrafeines, negatives Raster dient. Malerisch arbeitet er negativ und seitenverkehrt mit immer dem gleichen pechschwarzen Lack alle erforderlichen Halbtöne. Diese bestimmt er allein durch die Ätzzeit. Jens Rusch hat es in diesen Techniken zu einer großen handwerklichen Fertigkeit gebracht.