Baudelaire

Aus Jens Rusch
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„Die Imagination ist die Königin des Wahren“, schreibt er, „das Mögliche aber ist eine der Provinzen des Wahren und positiv mit dem Unendlichen verwandt.“ Bei diesem Feind des Fortschrittsglaubens erscheint auf einmal die Dimension der Zukunft in dieser Forderung an die Imagination.

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„Im Vorbeigehen sei angemerkt, daß die Allegorie, dieses so geistreiche Genre, das unbeholfene Maler uns zu verachten gewöhnt haben, das aber in Wahrheit eine der ursprünglichsten, natürlichsten Formen der Poesie ist, in der vom Rausch erleuchteten Intelligenz ihre rechtmäßige Herrschaft zurückgewinnt.“

Workshop "Baudelaire"

Edition Bear-Press


»In einer Zeit, da Handwerk und Ethos des Handwerkers in der Buchherstellung durch eine immer mehr zunehmende Industrialisierung und Verwahrlosung gleichermaßen Schaden genommen haben, versucht die 1979 gegründete Privatpresse The Bear Press technisch und künstlerisch zu einem höchstmöglichen Grad der Vollendung ihrer Druckwerke vorzudringen. Aus diesem Grunde wird – entgegen allen Zeitströmungen – radikal das Prinzip der Handarbeit verfolgt. The Bear Press hat darum nicht im eiligen Fabrikationstempo Werk auf Werk gehäuft, nicht im unablässigen Lauern auf Nebenbuhler jeglichen Ranges in der Zahl und Schnelligkeit der Veröffentlichungen die Spitze zu halten gesucht – bislang erschien lediglich ein Buch im Jahr –, sondern sich einem einmal erwählten druckkünstlerischen Motiv mit all jener Geduld und jenem Fleiß hingegeben, die von einer allein auf das Sachliche gerichteten künstlerischen Gesinnung unzertrennlich sind. The Bear Press hat deshalb nicht viele Werke aus ihrem Arbeitsprozeß entlassen, sondern nur an ganz wenigen Auserlesenheiten der Weltliteratur ihre bildende und künstlerische Kraft kundgegeben.« So der Beginn einer Selbstdarstellung der Presse. Ihr Anliegen und ihr Anspruch thematisieren die Suche nach dem Schönen, dessen Realisierung durch den harmonischen Zusammenklang von literarischem Gehalt, geistiger Durchdringung und künstlerischer Ausformung in jeder Edition aufs neue erstrebt wird. Zur Erfüllung dieser Programmatik ist Wolfram Benda von Haus aus bestens gerüstet: als Literaturwissenschaftler sowie Herausgeber einer großen philosophischen Gesamtausgabe (Lord Shaftesburys Werke und Briefe) verfügt er über die Fähigkeit, literarische Ausgrabungen zu machen und diese wissenschaftlich zu edieren. Zu seinem selbsterhobenen Anspruch gehört ferner die prinzipielle Neuübersetzung von fremdsprachigen Texten. Darüber hinaus ist jeder Edition ein erläuterndes die Erkenntnisse der neueren Forschung berücksichtigendes Nachwort beigegeben, welches den Zugang zum Text erleichtern soll. Gerade die kompromißlose Umsetzung dieses Konzepts fand nicht nur bei Freunden und Kunden Anklang, sondern auch bei drei renommierten Verlagen, die sich entschlossen, komplette Editionen der Bear Press als Lizenzausgaben zu übernehmen (Winkler/dtv/otto müller).

Farbprobe. Plattenformat 20 x 15 cm. Unter künstlichem Paradies darf man sich bei Baudelaire, obgleich er den Opiumesser de Quincey verehrt hat, nicht den Genuß von Drogen vorstellen – er ist kein Vorläufer der Mescalin- und L.S.D.-Dichtung –, denn er sucht vor allem den nüchternen Rausch der Arbeit an der Sprache. Er sucht, was die Aktualität „an Ewigem im Vorübergehenden enthalten kann“ – und klassischer geht es nicht.

Neben der geistigen Durchdringung der Materie charakterisiert die Presse eine buchkünstlerische Exklusivität in Idee und Ausführung. Unter Wahrung der überlieferten Forderungen an eine vorbildliche Leistung hat sich The Bear Press dem Buch verschrieben: Broschuren oder Hefte gibt es bei Benda nicht; er liefert nur Bücher in festen Handeinbänden (Halbleder oder Halbpergament) aus, wobei sogar die aufwendige Technik des Franzbandes (Heftung auf echte Bünde) Verwendung findet. Die Gestaltung der Einbände hat sich im Laufe der letzten Jahre vom klassischen Vorbild gelöst – ohne dieses zu verwerfen – und strebt einer neuen, der Moderne angemessenen kühlen Eleganz entgegen, was sich im zunehmenden Verzicht auf Ornament- und Goldprägung niederschlägt.

Der literarische Text soll als Ausdruck der individuellen Autorpersönlichkeit und -intention in einer ihm angemessenen Schrift präsentiert werden. Die Wahl der Type beinhaltet zudem weitreichende technische Implikationen: Schriftgröße, Durchschuß, Satzspiegelgröße, Druckfarbe und nicht zuletzt die Buchproportionen konstituieren – analog zur Architektur – den Bau des Werkes. Wolfram Benda ist sich dieser wohl allgemein anerkannten Postulate bewußt und versucht ihnen in der typographischen Gestaltung Rechnung zu tragen. Daher ähnelt keines seiner Bücher dem anderen, ohne daß sich allerdings die Handschrift des Verlegers nicht wie ein Ariadnefaden durch alle Editionen zöge. Selbst wenn, was gelegentlich vorkommt, dasselbe Papier und dasselbe Format gewählt werden, besitzt dennoch jede Ausgabe den Status des Individuellen und Originären. Wolfram Benda hat für jedes seiner Bücher eine andere, dem Charakter des Textes und dem Duktus der Sprache angemessene Schrift gewählt und in der Wahl seiner Formate und Papiere, die fast ausschließlich wertvolle Handpapiere wie Torinoko Kozu Japan, Richard de Bas- oder Barcham Green Bütten sind, eine beachtliche Bandbreite bewiesen. Daß für die Einbandmaterialien nur hochwertigste Ledersorten und Pergamente berücksichtigt wurden, liegt bei dem Anspruch der Presse auf der Hand.

Essentieller Bestandteil der Idee vom schönen Buch sind die in verschiedenen originalgraphischen Techniken ausgeführten Illustrationen. Mit sicherem Gespür gelang es dem Verleger, dem erwählten Text den geeigneten Illustrator und die angemessene Technik zuzuordnen.

Ihren buchkünstlerischen Kosmos erweitert hat The Bear Press vor einigen Jahren durch die Etablierung von zwei an ein breiteres Publikum gerichteten Reihen: Die Einblattdrucke basieren auf derselben Konzeption wie die Pressendrucke, nur daß es sich ausschließlich um kürzere Texte unterschiedlicher Provenienz handelt, die von jeweils einer Originalgraphik begleitet werden (Auflage 120 Expl.). – Die Sonderdrucke bieten nach bibliophilen Kriterien gestaltete und hergestellte Editionen wertvoller, oft vergessener literarischer und philosophischer Texte in einer höheren Auflage (500 Expl.). Wenn auch nicht immer von Hand gesetzt, ist doch Bleisatz Grundbedingung; die nicht weniger liebevoll und sorgfältig betreuten Pappbände werden zumeist maschinell gebunden.

Rolf Reinhard Kniese, »Illustration 63«.

Links

  • Baudelaire bei Wikipedia. Charles-Pierre Baudelaire [ʃaʀl.pjɛʀ bodlɛʀ] (* 9. April 1821 in Paris; † 31. August 1867 ebenda) war ein französischer Schriftsteller. Er gilt heute als einer der größten französischen Lyriker überhaupt und als einer der wichtigsten Wegbereiter der europäischen literarischen Moderne.

Die letzten Jahre

Gegen 1860 hatte Baudelaire zwar einen gewissen Bekanntheitsgrad im literarischen Paris erlangt und wurde von vielen Kollegen geschätzt, doch seine finanzielle Situation war eher schlechter als zuvor, nicht zuletzt deshalb, weil er nun das Pflegeheim für Jeanne Duval bezahlte, die ab 1858 gelähmt war. Er hielt sich deshalb häufig in Honfleur bei seiner Mutter auf, die 1857 erneut verwitwet war. 1860 verfiel auch er der Wagner-Begeisterung, die in Paris grassierte, und er publizierte eine längere Étude sur Richard Wagner et Tannhäuser.

Ende 1861 beschloss er, sich für einen freigewordenen Sitz in der Académie Française zu bewerben. Seine Sondierungsbesuche bei einigen „Académiciens“ verliefen jedoch so enttäuschend, dass ihn Freunde überreden konnten, seine Kandidatur aufzugeben.

Die folgenden Jahre waren geprägt von weiteren finanziellen und zunehmend auch gesundheitlichen Problemen im Gefolge seines Alkohol- und Drogenkonsums sowie der damals unheilbaren Syphilis. Im April 1864 versuchte er so etwas wie einen Befreiungsschlag und ging nach Brüssel in der Hoffnung, dort und in anderen der aufstrebenden belgischen Städte lukrative Vorträge über französische Literatur halten zu können. Doch der Erfolg blieb aus. Im März 1866, nachdem er knapp zwei Jahre, häufig krank, elend und kaum arbeitsfähig, in Brüssel verbracht hatte, erlitt er einen Schlaganfall. Im Juli wurde er in ein Pariser Pflegeheim verlegt, wo er, halbseitig gelähmt und sprechunfähig, aber betreut von seiner Mutter, noch fast ein Jahr lebte.

Charles Baudelaire starb im Jahr 1867 im Alter von 46 Jahren in der Pariser Klinik des Dr. Duval im Quartier Chaillot (1 rue du Dôme, 16. Arrondissement). Seine Totenmesse wurde am 2. September 1867 in der Kirche St. Honoré-d’Eylau zelebriert. Er ruht auf dem Cimetière du Montparnasse.