Ausstellung W:O*ART

Aus Jens Rusch

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Aufnahme: Michael Hundrieser
Aufnahme: Michael Hundrieser


Inhaltsverzeichnis

W:O*ART

Diese Ausstellung dient notwendigerweise auch einer Überzeugungsarbeit. Fast unmöglich schien es noch vor einem halben Jahr, unterschiedliche Ansprüche und Ziele in Einklang zu bringen. Die Wacken-Veranstalter argwöhnten einen weiteren Trittbrettfahrer, denn seit sich das WOA zum weltgrößten Heavy-Metal-Festival entwickelte, könnte man eine eigene Rechtsabteilung zur Abwehr von Marken-Piraterie beschäftigen.

Ganz anders jedoch war die Motivation des Künstlers Jens Rusch: "Das Thema ist simpel ausgedrückt "extrem bildschwanger" - und ich genieße den Triumph, dass sich vor mir absolut niemand an diesen malbaren Kosmos herantraute. Das ist für einen Bildermann in fortgeschrittenem Alter; der Grund hat, sich sein neigungsorientiertes Restleben zu möblieren; fürwahr eine geniale Motivationshilfe." Hinzu kamen gestalterische Probleme, denn als "gemalte Sozialstudien" seien seine großformatigen Gemälde (110 x 150 cm) falsch abgeheftet und die Szenarien auf den Bühnen überließ er schon gleich den Fotografen. Ihn reizte die Darstellung des nicht Sehbaren weit mehr. "Wie symbolisiere ich Taubstumme, denen es gelingt, aus Wacken ihr eigenes Mekka zu gewinnen, weil sie nur hier zumindest ein wenig am Musik-Erleben teilhaben können? Wie stellt man die auf dem "Holy-Land" fast selbsterstrittene "Inclusion" von gehandicapten Metal-Fans dar, ohne Bloßstellung und angemessen würdig?. Wie empfinden Blinde das Geschehen ?"

So näherte sich der Maler dem Geschehen zunächst mit dem Skizzenbuch und vertraute auf seine Plein-Air-Erfahrungen mit den Norddeutschen Realisten. Diese nützte ihm jedoch herzlich wenig. Zu hektisch, zu schnell-lebig und an seiner Arbeit gänzlich uninteressiert lief das Festivalgeschehen vor seinen Augen ab. So musste dann doch die Kamera am Ende das Skizzenbuch ersetzen und die Bildentwickelung ging andere, für Rusch ungewohnte Wege. Am PC konnte er jetzt zwar Idealsituationen entwickeln, die in dieser Form selbst Fotografen und Chronisten nicht vorfinden - Emotionen und authentisches Flair mussten bei der nun folgenden Ateliertätigkeit jedoch durch laute Musik ersetzt werden.

Nun kam ihm aber auch seine lebenslange Neigung zu Surrealismen, Metaphern und einer selbstentwickelten Symbolsprache zugute. Seine "Wackener Weltkuh" erhielt durch Erdteile auf der schwarzweissen Haut die Aufgabe, Internationalität zu symbolisieren und überdimensionale Hörrohre machten nun auch die Gehörlosen kenntlich. Wohl wissend, dass er mit dieser Darstellungsweise Bildbetrachter auch überfordern würde, richtete Rusch sich eine Facebook-Seite ein, auf der er tagtäglich einen Atelierbericht mit Zustandsfotos veröffentlichte - zunächst als eine Art Rechenschaftsbericht. Doch dann erfolgten völlig ungewohnte Reaktionen und Einflüsse. Dargestellte erkannten sich auf den Bildern, meldeten sich aus Indien, Schweden und Finnland. Anfragen, ob man Bildelemente für Tattoos verwenden dürfte, machmal sogar verwertbare Anregungen für geplante Bilder. Die Befürchtung, jemand könne sich dagegen verwahren , in den Bildern wiedererkennbar dargestellt zu werden, erwies sich als unbegründet. Die Rechtfertigungssituation wandelte sich in eine motivierende Dialog-Situation.


Die Früchte dieser ungewöhnlichen Arbeitsweise sind nun noch bis zum 27. April in der Brunsbütteler Galerie Rusch zu sehen - denn noch reichen die Räume für das Ausstellungsvolumen aus. Am Ende soll der Zyklus über 30 Gemälde umfassen, dann sind größere Räume unabdingbar. Galeristin Susanne Rusch hat aufgrund der häufigen Nachfrage weitreisender Besucher die Öffnungszeiten auf die Sonntage ausgedehnt. Für Jens Rusch schlägt sich der monatelange Aufwand in einer wichtigen Erkenntnis nieder: "Ich habe das Gefühl, mein Leben lang ein Handwerk erlernt zu haben, um dann in hohem Alter noch einmal auf solch ein grandioses Thema zu stoßen", denn immerhin ist er bereits 61 Jahre alt und gesundheitlich schwer angeschlagen. Seinen Bildern sieht man das nicht an.









Foto: Heiko Kroll
Foto: Heiko Kroll
Foto: Georg H. Peters
Foto: Georg H. Peters

Vernissage

Fotos von George H. Peters

Fotos von Heiko Kroll

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