Ausstellung Kulturhof Itzehoe
Aus Jens Rusch
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Die geschenkte Zeit
Die Ausstellung unter dem programatischen Titel "Die geschenkte Zeit" im Kulturhof bietet einen Überblick über die zurückliegenden zehn Jahre. "Zurückliegend" ist in diesem Zusammenhang ein wunderbares Wort, denn dass sie noch vor Jens Rusch liegen würden, konnte vor zehn Jahren niemand ahnen. Und sehr viel Hoffnung machte ihm damals auch leider niemand.
Jens Rusch baute gerade seine Ausstellung an genau dem gleichen Ort auf, als sich ein etwa wachtelei-grosser Knubbel an der linken Halsseite in sein Leben zwängte. Am Tage der Vernissage hatte er den Befund "Raumforderung" bereits in der Tasche. Der nachfolgende Höllenritt zwischen Operationen, Chemo und Bestrahlungen veránderte ihn. Diese chronologische Darstellung soll keine der notwendigen künstlerischen Selbstdarstellungen sein, viel eher ein mutmachendes Signal an andere Krebsbetroffene. Deshalb hat er sich auch einige mutmachende Marginalien einfallen lassen:
Das erste Bild, welches nach besagter Vernissage im Kulturhof verkauft wurde, nannte sich "Himmel voller Geigen". Sein neuer Besitzer, einer der Freimaurer-Brüder des Künstlers, starb leider inzwischen.
In diesem Jahr greift Rusch deshalb in mehrfacher Hinsicht "sinn-voll" dieses Sujet abermals auf. Das ist nicht weiter schwierig, denn das Motiv hängt Im Musik-Shop des Kulturhofes an der Decke. Parallel zur Ausstellung wird das fertige Gemälde im Foyer des Theaters Itzehoe gezeigt. Nur Eines ist dabei eklatant anders: Der Künstler malte es grösser, kraftvoller und "selbstbewusster".
Dazu merkt er an: "Dieses letzte Wort lasse ich mir auf der Zunge oder auf dem, was davon noch übrig blieb, zergehen, denn genau die Randumstände dieser Worte "selbst" - und "bewusst" haben sich geändert. Ich bin dankbarer und kämpferischer durch mein "Über - Leben" geworden und ich reiche diese Grundeinstellungen meiner jetzigen Existenz weiter." Auf diese Weise ist also der Krebs zu einem bestimmenden Faktor in seinem Leben geworden, wie er es wohl im Leben jedes oder jeder Betroffenen wird. Nur halt ein wenig kurioser und kreativer.
Auch sein Atelierumfeld hat sich fast unmerklich, sehr leise schleichend verändert. Hin und wieder zirpend und unaufdringlich raschelnd. Lebensformen, die einen deutlich überschaubareren Lebenszyklus vollziehen, stehen in bizarrer Schönheit in vielen kleinen Terrarien neben seinen Staffeleien. Die meisten von ihnen leben kaum länger als ein Jahr. In dieser Spanne sind sie selbstzufrieden und erfüllen ihren genetischen Auftrag. Einige legen sich erst dann auf die Seite, wenn sie von genügend Nachkommen umwimmelt werden.
Unsere eigene Erwartung an eine Laufzeitverlängerung kommt ihm im Vergleich selbstsüchtig vor. Um das zu relativieren hat sich in sein religiöses Weltbild viel Buddhistisches geschlichen. Die Vorstellung von einem "Grossen Baumeister aller Welten", wie er ihn sich im Rahmen freimaurerischer Tempelarbeiten selbst ausmalen darf, entspricht diesem Erkenntnisweg..... und seine bizarren Insekten machen ihn sogar darstellbar.
Montage des zerlegten Gemäldes bei KreativPLUS in Itzehoe
Transport des Gemäldes "Geigenhimmel" ins Theater Itzehoe
Fotos von George H. Peters
Fotos von Michael Hein
Die Eröffnung
Die Laudatio wird Herr Martin Kayenburg halten.
Beamer-Vortrag
Dieses ist lediglich die kurzgefasste YouTube-Version des Beamer Vortrages von Jens Rusch. In diesem erläutert er, wie ihm seine ganz ureigene "Maltherapie" bei der Bewältigung seiner Krebs-Erkrankung geholfen hat. Den Beamer-Vortrag "Die Kraft der Bilder" selbst nennt er "Powerpoint-Karaoke".


