Aurora

Aus Jens Rusch
Wechseln zu: Navigation, Suche
Starhenge Kontrast.jpg

Aurora

Der Arbeitstitel "Aurora" ist eine Remineszenz an Jacob Böhme. 1612 schrieb Böhme ohne akademische Vorkenntnisse Aurora oder Morgenröte im Aufgang – eine erstaunliche Arbeit für einen einfachen Schuhmacher, der nie studiert hatte. Daher sind seine Texte nicht immer leicht verständlich, doch voller lebendiger Tiefe. Man findet alle Keime seines späteren Denkens bereits in diesem Werk. Böhme selbst gab ihm den Namen Morgenrot (der Titel Aurora, unter dem es später bekannt wurde, ist die lateinische Übersetzung dieses Namens).

In der hier abgebildeten Vorzeichnung wird Böhme selbst zum zentralen Motiv - und das gleich zwei Mal. Einmal als Bronze und einmal in der Szene, die an Dante Alighieris "Göttliche Komödie" erinnert. Das Werk schildert seine Reise durch die Hölle (Inferno), zum Läuterungsberg (Purgatorio), bis hin ins Paradies (Paradiso). Die Hölle und das Paradies sind jeweils in Schichten (in jeweils neun konzentrischen Kreisen) unterteilt. Je näher man den engeren Kreisen kommt, umso sündiger bzw. heiliger sind die gestorbenen Seelen.

Folgt man der Szenenfolge von unten nach oben, ahnt man bereits, daß es sich um eine immer abstruser werdende Jenseitsvorstellung handelt. Tod und Verfall stehen am Anfang der Reise, der Weg wird bestimmt durch die ewige Frage nach der Wiedergeburt. Ist die Basis noch von Rationalität bestimmt, verliert sie sich in Monumenten und Testamenten bis hin zur Absurdität.

Jede menschgeschaffene religiöse Vorstellung verspricht ein Leben nach dem Tod. Der Weg zu meinem ganz ureigenen malerischen Elysium beginnt mit diesem Gemälde namens "Aurora".

In seiner Schrift Aurora oder Morgenröte im Aufgang erklärt Böhme, sein wahrer Lehrmeister sei „die ganze Natura“: „Es ist ja Böses und Gutes in der Natur. Weil denn alle Dinge von Gott kommen, so muss ja das Böse auch von Gott kommen […] Die bittere Qualität ist auch in Gott, aber […] als eine ewigwährende Kraft, ein triumphierender Freudenquell“, der den Himmel, die Sterne, die Elemente und die Kreaturen beweglich macht.

Genau hier knüpft das Gemälde an eine andere meiner Arbeiten an, an die "Naturreligion". Von der ganzen Natur und ihrer „instehenden Geburt“ habe er seine ganze Philosophie, Astrologie und Theologie studiert und nicht von Menschen und durch Menschen. Trotzdem ist der Einfluss „vieler hoher Meister“ unverkennbar, insbesondere der von Paracelsus, Valentin Weigel und Kaspar von Schwenckfeld. Vor allem die von der göttlichen Vorstellung zum Menschen hinführende Erkenntnislehre Weigels – Lernen sei, sich selbst erkennen; der Mensch lerne die Welt, er selbst sei die Welt; obwohl alle übernatürliche Erkenntnis aus der göttlichen Vorstellung komme, so komme sie doch nicht ohne den Menschen, sondern in, mit, aus und durch den Menschen – bildet den theoretischen Hintergrund des Böhmeschen Schaffens.

Die Kluft, die Böhme hiermit zur offiziellen Gotteslehre des Christentums öffnete, war trotz aller Beteuerungen der Rechtgläubigkeit nicht zu überbrücken und führte zu Anfeindungen gegen ihn. Böhme empfand mit aller Härte den in der traditionellen scholastischen Kosmologie enthaltenen Widerspruch zwischen der reinen Geistigkeit der göttlichen Vorstellung und der „stofflichen“, „erdhaften“ Wirklichkeit, die diese geschaffen haben sollte. In keiner Schrift findet er eine Antwort auf die ihn quälende Frage, welche Materie oder Kraft wohl Gras, Kraut, Bäume, Erde und Steine hervorgebracht habe. Damit wurde von Böhme das Problem der Schöpfung wieder aufgeworfen und somit, aus seiner Sicht, die Frage nach dem Verhältnis von Geistigem und Materiellem neu gestellt.

Den Blick auf eine mögliche astronomische Nutzung der im oberen Bildteil dargestellten Anlage von Stonehenge eröffnet zu Beginn des 20. Jahrhunderts als erster der Astronom Joseph Norman Lockyer (1836–1920). Er vermutet – wie schon Stuckeley ein Jahrhundert vor ihm – eine Ausrichtung der Anlage auf den Punkt der Sommersonnenwende, spekuliert aber weitergehend über die Nutzung des Steinkreises als astronomischen Kalender zur Bestimmung heiliger keltischer Feste. Unter den Archäologen seiner Zeit findet Lockyers Theorie keine Beachtung, da seine Berechnungsgrundlagen ungenau und von ihm zum Teil willkürlich ausgewählt wurden, um zu den von ihm gewünschten Ergebnissen zu gelangen. Stonehenge wird daher von der archäologischen Fachwelt auch weiterhin „nur“ als prähistorische Kult- oder Weihestätte betrachtet. Der Astronom Gerald Hawkins versuchte dieses Bild zu ändern, als er im Jahr 1965 sein Buch Stonehenge Decoded veröffentlicht. Mit Hilfe detaillierter Vermessungen des Monumentes und komplizierter Berechnungen will Hawkins nachweisen, dass Stonehenge als eine Art Steinzeitcomputer diente, mit dem es seinen Erbauern möglich gewesen wäre, zum Beispiel recht zuverlässig Mondfinsternisse vorauszusagen.

Das Absurde darzustellen, das Paradoxe, das ist eine der Aufgaben eines Künstlers. Seit Bosch dienen uns die kuriosesten Visionen als Aufforderung, ihnen eine dokumentenhafte Wirklichkeit zu verschaffen. Stonehenge als Startrampe für labyrintische interstellare Fahrzeuge - vielleicht auf dem Wege ins Elysium? Als Metapher für eine Sinnsuche nach dem Tod?

Von mehreren Wissenschaftlern wurden die Bezüge von angeblichen UFO-Entführungen zu religiösen Vorstellungen herausgearbeitet, so zu der griechischen Proteus-Vorstellung, Engeln, Dämonen und Marienerscheinungen wie der von Fatima. Die sexuelle Komponente der Entführungen verweist auf die Incubi und Succubi der jüdischen und christlichen Mythologie. Die Rolle der Entführten als „Mittler für Botschaften“ lässt Parallelen zu schamanischen Initiationsriten erkennen. Damit kann ich mich behaglich an die Staffelei setzen.

Skizzen und Bildaufbau