Amphibion

Aus Jens Rusch
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Die amphibische Evolution

Die monotypische Serie "Amphibion" stellt nicht nur maltechnisch eine Besonderheit dar. Der inhaltliche Bogen reicht von der wattpsychologischen Aussage "zweitausend Jahre nasse Füße" bis zu maltherapeutischen Experimenten. Themen, die sich mit der amphibischen Küstenregion Norddeutschlands befassen, finden zunehmend Raum im Werkverzeichnis.


Der Hintergrund

Das "Amphibion" entstand in einer psychisch außerordentlich instabilen Lebensphase. Traumatische Depressionen waren ein Nebeneffekt meines Engagements für Krebsbetroffene. Wer sich täglich dutzende von dramatischen Schilderungen zu Herzen nimmt, ist dem irgendwann einmal nicht mehr gewachsen. Ich war dann zwar durch Gespräche mit Prof. Hohagen in der Uni-Klinik Kiel in der Ursache bestätigt, eine eigene Therapie musste ich jedoch selbst entwickeln, weil ich jede Form medikamentöser Lösungen ablehne. Blieb also mein Atelier als Therapie-Zimmer- der bunte Freund, der mich durch mein Leben begleitete. Nur Farbe konnte ich mir in diesem Zusammenhang absolut nicht vorstellen.

Zu den inhaltlichen Konzepten meines Künstlerlebens gehören von jeher die abstrusen Visionen selbsterfundener Kreaturen, die das Watt und unsere amphibische Landschaft in unbeobachteten Momenten bevölkern. Bereits 1977 hatte ich diese in einem Buch vorgestellt. Nun also nahm ich weisse Malplatten, überzog sie mit dunklen Harzöllasuren und ließ anatomische Fabelwesen durch wegkratzen und Schaben in vehementen Zügen entstehen. Etwa zwanzig solcher Hybridwesen entstanden, von denen ich jedoch den größten Teil entweder wieder wegwischte oder wegwarf. Allmählich entstand dann etwas "wissenschaftlich" Schlüssiges- jedenfalls sah es für mich als Wattpsychologe danach aus. Diese Zwischenwesen eines amphibischen Landganges, diese Hybridwesen zwischen Fisch und Marschbewohner, sie zeigten sich in den letzten, halbwegs gelungenen Studien wie Röntgenbilder ab. Und sie bildeten den Ursprung einer danach folgenden, weit farbenfroheren Serie, den "Stelzkühen" und den "Vogelmenschen". Aber das ist ein ganz andere Geschichte .......


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