"Denkschnecke"

Aus Jens Rusch
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Aussage

Jens Rusch ist überzeugt, daß ein großer Anteil unseres Konfliktpotentials auf unterschiedliche Denkgeschwindigkeiten zurückzuführen ist. Impulsive, enthusiastische Denker kollidieren mit phlegmatischen, gründlicheren Nachdenkern. Kreativität kollidiert mit Verwaltung, oder um ein berufssymbolisches Bild zu strapazieren: Der Beamte mit dem Künstler.

Nun passiert in der Natur, auch in der Natur der Veranlagungen, nichts ohne Sinn und oft findet sich die eigentliche Logik oder auch die Wahrheit im Mittelwert wieder. Der unreflektierend vorpreschende Enthusiast wird vielleicht von einem behäbigen Denker im letzten Moment am Abgrund zurückgehalten. Der Phlegmatiker, der sich niemals zugetraut hätte, eine Schlucht zu überspringen, wird durch ungestüme, vorpreschende Spontane mitgerissen. Die Wahrheit, so sagt man, liege oft in der Mitte - in diesem Fall am Boden dieses bildhaften Tales.

Gut oder schlecht - so ist unsere Natur aber nun einmal konstruiert. Jeder mag selbst entscheiden, welchem Naturell er sich zuordnen kann. Jens Rusch arbeitet an einer kleinen Serie von Symbol-Bronzen - die "Denkschnecke" ist deren erster Vertreter. Ein weiteres dieser Bronzehirne wird auf Heuschrecken-Sprungbeinen daherkommen und damit dem Wesen des Künstlers selbst am ehesten entsprechen. Auch Krebsbeine sind für eine weitere Symbol-Bronze vorgesehen. Am Ende sollen sich alle menschlichen Grundcharaktere in diesen Bronzen wiederspiegeln.

Technik

Als Ausgangsmaterial verwendet J. Rusch schwarzes Modellierwachs. Darunter versteht man mit Kohlepulver angereichertes Stearin, das dem Künstler eine annähernde Anmutung des späteren Bronzeglanzes vermittelt. Ton oder Gips vermögen dieses nicht.

Die erste Figur wird in sogenannter "verlorener Form" im Wachsausschmelverfahren gegossen. Dabei wird die handmodellierte Wachsfigur in einen Schamottblock mit Lüftungs-und Ablaufkanälen in einem Tonbrennofen erhitzt. Die Form wird stabil und das Wachs fließt ab. In die so entstandene Hohlform wird glühende Bronze gegossen, die nach dem Erkalten sorgsam patiniert wird.

Von dieser "Urform", dem sogenannten Erstguss, wird dann ein hochpräzises Silicon abgeformt. Selbst Fingerabdrücke und kleinste Details werden dabei abgeformt und bieten die Möglichkeit, weitere Wachs-Rohformen zu fertigen. Hiervon werden dann in einer festgelegten Auflagenhöhe weitere Multiples gegossen. Jeweils individuell patiniert und handsigniert haben diese Originalcharakter und Originlwert. Jens Rusch legt die Auflagenhöhe auf 99 Exemplare fest.

Siehe auch: